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Angriff auf zivile Ziele: Russland töteten in der Ukraine zwölf Bergleute. Die Ukraine verstärkt ihre Gegenwehr gegen russische Energieanlagen.
Pawlohrad – Nach einer langen Arbeitsschicht in den Kohleminen der Oblast Dnipropetrowsk bestiegen die ukrainischen Bergleute ihren Dienstbus. Obwohl der Ukraine-Krieg tobt, müssen sie weiterhin ihrer Arbeit nachgehen. Die Männer wollten lediglich zu ihren Familien zurückkehren. Doch bereits näherten sich russische Schahed-Drohnen vom Himmel. Die Piloten erhielten den Befehl zum Angriff. Wenige Augenblicke später starben zwölf Bergleute, 16 weitere erlitten Verletzungen.
Drohnenangriff auf Bus mit Grubenarbeitern forderte zwölf Todesopfer – Feuerwehrleute löschen den Brand. © Uncredited/dpa
Der tödliche Anschlag der russischen Streitkräfte auf den Bus mit Arbeitern löste in der Ukraine große Empörung aus. Zugleich verdeutlicht die Drohnen-Attacke eine neue, grausame Seite des Ukraine-Krieges: Bahnstrecken, Kohleminen und Raffinerien sowie Kraftwerke wurden zu den wichtigsten Kampfplätzen im Kriegswinter. Während Russland planmäßig ukrainische Verkehrswege und Stromnetze bombardiert und dabei gezielt Zivilisten angreift, schlägt die Ukraine mit gezielten Attacken gegen die Energieversorgung des Angreifers zurück.
Angriffe auf die Wirtschaft: Russland und Ukraine versetzen sich gezielt Schläge
Planmäßig überzieht Russland derzeit in seinem Angriffskrieg die Ukraine mit Attacken auf die Volkswirtschaft und die Energieversorgung. Seit Sonntagabend griffen die Streitkräfte von Präsident Wladimir Putin mit einer Iskander-M-Rakete und 171 Drohnen verschiedener Typen an, wie die Ukrainska Prawda meldet. Viele Geschosse trafen Wohnblöcke, aber auch die Strom- und Wärmeversorgung. Die Folge: Hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer müssen bei klirrender Kälte von mancherorts minus 30 Grad im Blackout leben, was international eine Welle der Empörung auslöst.
Russische Truppen starteten in den letzten beiden Tagen abgestimmte Drohnen-Attacken, die sowohl wichtige Verkehrswege als auch Energiearbeiter zum Ziel hatten. In der Region Sumy attackierten russische Drohnen bereits den zweiten Tag in Folge die Eisenbahninfrastruktur in Konotop. Vizeministerpräsident Oleksiy Kuleba erklärte, dass die Angriffe „gezielt gegen zivile Eisenbahneinrichtungen“ gerichtet seien.
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Ähnlich bewerteten Experten auch die Attacke auf die DTEK-Bergleute in Terniwka bei Pawlohrad. Serhii Beskrestnow, Berater von Verteidigungsminister Mykhailo Fedorow, schilderte die erschütternden Details: „Operateure aus russischem Territorium sahen zu 100 Prozent und erkannten das Ziel als zivil, sahen, dass es nicht militärisch war, und trafen eine bewusste Entscheidung zum Angriff“, kritisierte er in einem Bericht des Kyiv Independent.
Ukraine-Taktik zeigt Wirkung: Russlands Wirtschaft taumelt nach Angriffen auf Öl-Industrie
Offenbar verfolgt Russland mit den verschiedenen Attacken eine bestimmte Strategie im Ukraine-Krieg. Moskau verfolgt bewusst eine Zermürbungsstrategie gegen die Bevölkerung. Die Ukraine ihrerseits bemüht sich seit Monaten, die Gegenwehr zu verstärken und attackiert Russlands Volkswirtschaft. Dabei handelt es sich hauptsächlich um gezielte Drohnen-Angriffe gegen militärisch-strategische Objekte, die das Zentrum der russischen Kriegsfinanzierung lahmlegen sollen – die Öl- und Gaseinrichtungen, die Putins Kriegsapparat am Leben erhalten.
Die Ukraine antwortet mit einer abgestimmten Offensive gegen die russische Energieversorgung, die bereits schwerwiegende wirtschaftliche Folgen hat. Ukrainische Streitkräfte haben in den vergangenen Monaten ebenfalls mehrfach die Tuapse-Ölraffinerie, Öl-Depots in mehrere Gebieten sowie Hafen- und Logistikanlagen angegriffen. Die Folgen für Russlands Wirtschaft sind bereits spürbar. So ging der russische Ölpreis bereits stark zurück und Russlands Staatsreserven gerieten zuletzt unter Druck. Allein im Dezember 2025 soll Moskaus Staatskasse nach Angaben des russischen Finanzministeriums Verluste in Höhe von 137,6 Milliarden Rubel hingenommen haben.
Verluste im Energiekrieg überschatten die Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg
Allerdings sind die Schäden auf beiden Seiten deutlich. Offen bleibt, wer derzeit mehr Durchhaltevermögen im Energiekrieg besitzt. Mykhailo Wolynez, Vorsitzender der Unabhängigen Gewerkschaft der Bergleute der Ukraine, erklärte gegenüber der Moscow Times: „Der russische Aggressor greift täglich die Bergwerke an. Russland attackiert Kohleunternehmen, Energieanlagen, Umspannwerke und speziell die Bergbaugebiete.“ Von ursprünglich 145 Kohlebergwerken zu Beginn 2014 seien aufgrund russischer Angriffe nur noch 14 in Betrieb.
Offen bleibt, in welchem Maß die wechselseitigen Attacken auf die Volkswirtschaft die bevorstehenden Friedensgespräche gefährden. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte: „Der heutige russische Angriff auf einen Bus in der Oblast Dnipropetrowsk ist ein Verbrechen, das einmal mehr zeigt, dass Russland für die Eskalation verantwortlich ist.“ Außenminister Andrii Sybiha forderte, dass „russische Mörder vor Gericht gestellt werden müssen“. Das sind keine günstigen Bedingungen für Verhandlungen. Am Mittwoch (4. Februar) sollen die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Krieges jedoch fortgesetzt werden. (Quellen: Kyiv Independent, Ukrainska Prawda, Moscow Times, dpa) (jek)