Bayern und Tschechien wagen einen neuen Anlauf für eine alte Problemstrecke: Gemeinsam haben sie die Bahnlinie München–Regensburg–Prag neu ausgeschrieben. Das teilte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die für den Freistaat den Regionalverkehr bestellt, am Montag in München mit. Gesucht wird demnach ein Bahnunternehmen, das die Gleise von Ende 2031 an befahren will. Ein erstes Vergabeverfahren war 2024 überraschend aufgehoben worden. Es sei „leider kein für den Freistaat akzeptables Angebot“ eingegangen, begründete die BEG damals den Schritt.

Tatsächlich hat das gescheiterte Verfahren vor allem gezeigt, wie gravierend die Probleme mit und auf der Strecke sind: Offenbar wollte oder konnte kein Eisenbahnunternehmen den Betrieb unter den gestellten Bedingungen übernehmen. 2024 – jüngere Zahlen sind nicht verfügbar – galten nur 43,7 Prozent der dort verkehrenden Züge als pünktlich. Schlechtere Werte wies keine andere Regionalverkehrsstrecke in Bayern auf, der Durchschnitt lag bei gut 85 Prozent.

Verantwortlich dafür gilt in erster Linie die Infrastruktur. Unter anderem wechseln sich elektrifizierte und nicht elektrifizierte Abschnitte ab, weshalb die Lok jeweils in Regensburg, Schwandorf und Pilsen gewechselt werden muss. Erschwerend kommt hinzu, dass die Linie Fernverkehrscharakter hat, auf der bayerischen Seite der Gleise aber trotzdem als Regionalverkehr fährt. Und die seit den 1990er-Jahren geplanten Streckenverbesserungen wurden bisher hauptsächlich auf der tschechischen Seite umgesetzt.

Dennoch ist die Strecke als Verkehrsachse zu wichtig. Dass Bayern und Tschechien also einen neuen Anlauf unternehmen würden, war schon bekannt. Unklar waren die Modalitäten der neuen Ausschreibung. „Künftig sind weniger Loks, weniger Rangierfahrten und entsprechend auch weniger Personal nötig als heute“, wird nun BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs in der Mitteilung zitiert. „Dadurch sinken zum einen die Kosten für den Eisenbahnbetrieb, zum anderen entlasten wir durch die wegfallenden Rangierfahrten die chronisch verstopften Hauptbahnhöfe in München und Regensburg.“ Man halte aber an Neufahrzeugen fest.

Diese sollen künftig über Wlan, mindestens 500 Sitzplätze und eine Klimaanlage verfügen. Bei den Loks setzt man auf einen Hybridantrieb, um die Zahl der Wechsel zu verringern. „Ich hoffe, dass mehrere Interessenten für diese prestigeträchtige Strecke ihren Hut in den Ring werfen werden“, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Ein Zuschlag wird fürs zweite Quartal 2027 erwartet – sofern diesmal ein aus Sicht des Freistaats wettbewerbsfähiges Angebot eingeht.