HANDOUT - 29.12.2025, Belarus, ---: Auf diesem vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am 29. Dezember 2025 zur Verfügung gestellten Bild ist ein russisches Oreschnik-Raketensystem w ...

Das „Oreschnik“-Raketensystem soll vor allem Eindruck schinden.Bild: Russian Defense Ministry Press S / –

Russland

Der Kreml nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau, ist dafür jedoch umso bewandter darin, psychologischen Druck auszuüben.

02.02.2026, 17:4302.02.2026, 17:43

Dariusch Rimkus

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Im Krieg gegen die Ukraine haben der Kreml und sein Militär schon mehrmals bewiesen, dass sie nicht nur Schläge auf dem Schlachtfeld als essenziell für den Sieg ansehen, sondern auch die gezielte psychische Schwächung der Ukraine.

So lässt sich auch erklären, dass die russischen Kräfte derart häufig gegen die kritische Infrastruktur der Ukraine schossen, vor allem im Winter. Der Wille der bitterlich frierenden ukrainischen Bevölkerung sollte gebrochen werden.

Und auch sonst denken sich Machthaber Wladimir Putin und seine Regierung allerlei Strategien aus, um bei der Ukraine und ihren Partnern Angst und Schrecken zu verbreiten und eine geeinte und starke Verteidigung zu unterbinden.

Ein ukrainischer Militärsprecher erklärt nun etwa, warum beim Einsatz bestimmter russischer Waffen primär gar kein großer Schaden auf dem Schlachtfeld erzielt werden muss.

Russland: Neue Raketen zur Einschüchterung gegen Nato

Konkret geht es dabei um die russischen Hyperschallraketen „Zirkon“ und „Oreschnik“. Diese sollen, statt massenhaft eingesetzt zu werden, lediglich gezielt und einzeln abgefeuert werden. Laut Oberst Juri Ihnat, dem Leiter der Kommunikationsabteilung der ukrainischen Luftwaffe, will der Kreml damit vor allem die Nato beeindrucken.

„Das ist ein Signal an die westlichen Partner“, erklärte Ihnat in einem Interview mit RBC-Ukraine, wie die Nachrichtenagentur Ukrinform berichtet.

Die Angriffe mit diesen Raketen, wie zuletzt auf Dnipro und Lwiw, sollen ihm zufolge nicht nur die Ukraine treffen, sondern auch die Nato-Staaten beeindrucken. Ihnats Erklärung: Lwiw liegt nahe der Grenze zu Nato-Ländern, und Russland wolle zeigen, dass es über Waffen verfüge, „die man nicht abschießen kann“, so Ihnat.

Der Kreml versuche mit diesen Angriffen, psychologischen Druck auszuüben, erklärte Ihnat weiter. Damit solle die Unterstützung für die Ukraine beeinflusst und die westlichen Partner zu Zugeständnissen in Verhandlungen bewegt werden.

Russlands „Oreschnik“-Rakete schnell, aber unpräzise

Ähnliches berichteten zuletzt auch die Sicherheitsexperten Christian Mölling vom European Policy Centre und András Rácz von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Sie sehen die „Oreschnik“-Rakete eher als „Propagandainstrument“ denn als effektive Waffe, wie sie in einem Beitrag für „ZDF heute“ schrieben.

Die „Oreschnik“ ist eine ballistische Mittelstreckenrakete mit einem Mehrfachsprengkopf (MIRV). Das bedeutet, dass sie in der Endphase ihres Fluges mehrere kleinere Sprengköpfe abfeuern kann, die unabhängig voneinander verschiedene Ziele treffen sollen.

Allerdings hat sie Rácz und Mölling zufolge einige Schwächen: Die Rakete fliegt zwar mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und ist damit schwer abzufangen – die Ukraine verfügt nicht über die nötigen Abwehrsysteme.

Jedoch sei die „Oreschnik“ in ihrer aktuellen Form nicht besonders präzise. Ursprünglich als Atomrakete konzipiert, spielte die Genauigkeit bei ihrem Design keine große Rolle. Für konventionelle Sprengköpfe ist das jedoch entscheidend, da das Ziel direkt getroffen werden muss.

Hinzu komme, dass die bisherigen Einsätze der Rakete zeigen, dass Russland offenbar noch keine funktionierenden konventionellen Sprengköpfe für die „Oreschnik“ hat. Stattdessen seien bei den Angriffen auf Dnipro und Lwiw lediglich Testsprengköpfe eingesetzt, die keine Sprengladung enthielten, sondern Metallteile.

Ein weiteres Problem ist den Experten zufolge der Preis: Mit geschätzten 25 bis 30 Millionen US-Dollar pro Stück ist die „Oreschnik“ extrem teuer. Das Fazit der beiden Experten:

„Sobald (falls überhaupt) die Serienproduktion beginnt und ein geeigneter konventioneller MIRV-Sprengkopf entwickelt wird, wird er zu einer äußerst effektiven ballistischen Mittelstreckenrakete werden – allerdings sind wir noch nicht so weit.“

Einschüchtern lassen solle man sich von der „Oreschnik“ daher nicht.