Hannover. Erst ein ausgedehnter Spaziergang, aus Waldhausen bis in Hannovers Innenstadt. Zur Belohnung dann in die „Mövenpick“-Gastronomie am Kröpcke. So haben es Manfred und Leh Petzold an Sonntagen häufig gemacht. Auch an diesem frostigen 1. Februar, an dem ein eisiger Wind bläst. Im Sommer 2027 werden sich die beiden wohl ein neues Ziel suchen müssen. Nach 50 Jahren schließt „Mövenpick“ das Café Kröpcke, wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitgeteilt hat.

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„Wir bedauern das. Das Café Kröpcke ist eine Institution und gehört einfach zu Hannover“, findet Leh Petzold, die mit ihrem Mann seit Jahrzehnten das Schmuckgeschäft Delius in der Kröpcke-Passage führt. Heute haben sich die beiden Geschäftsleute mal wieder Zürcher Geschnetzeltes bestellt. „Das können die hier wirklich gut“, versichert Manfred Petzold.

Bedauern die Schließung von „Mövenpick“: Manfred und Leh Petzold, die seit vielen Jahren Stammkunden in dem Café sind.Was folgt auf „Mövenpick“?

Das Aus für „Mövenpick“ soll nicht das Ende der Gastronomie bedeuten. Das hat die Betriebsgesellschaft der Immobilie bereits versichert. Nach einem Umbau soll es weitergehen. Unklar ist allerdings wie. „Bloß kein Extrablatt!“, platzt es aus Leh Petzold heraus. Die Kette betreibt bereits sechs Restaurants in Hannover. Und ihr Mann fordert mit Blick auf „Mövenpick“: „Es muss etwas Vergleichbares oder Besseres kommen. Das ist wichtig für die Innenstadt.“ Er kann sich auch vorstellen, dass die „Mövenpick“-Gastronomie durch „mehrere kleinere Restaurants“ ersetzt wird. Auf die Qualität komme es an.

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Drinnen sind an diesem Sonntagnachmittag alle Tische belegt. Es gibt Champagner-Trüffel-Torte, Sylter Streuselkuchen, Himbeertorte und weitere süße Genüsse. Teddy Seck und Rollande Solofo haben keinen Platz mehr bekommen. „Schade, dass es schließt. Ich komme gerne hierher“, berichtet Seck. Vor allem sonntags gebe es in der Innenstadt wenig Alternativen zum Café Kröpcke. Zum Glück sei etwas Neues geplant. „Etwas Ähnliches wäre gut, vielleicht ein bisschen preiswerter“, meint er.

Haben sonntags keinen Platz mehr gefunden: Rollande Solofo und Teddy Seck.

Begründet hat das Unternehmen Marché Mövenpick seinen Ausstieg am Kröpcke mit einer „strategischen Weiterentwicklung des Unternehmensportfolios“. Zukünftig wolle man sich auf Hochfrequenzlagen an Bahnhöfen, Flughäfen sowie in der Freizeit- und Zoogastronomie konzentrieren. Das Café am Kröpcke sei das letzte verbliebene Restaurant in einer klassischen Innenstadtlage.

Kunden sind verwundert

Kunden wundern sich über den Schritt des Unternehmens. „Der Laden ist doch immer voll. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das Geschäft am Flughafen besser läuft“, meint Hüseyin Usta, seit vielen Jahren Stammkunde im Café Kröpcke. „Wenn ich in der Stadt bin, komme ich immer gerne hierher. Der Kuchen ist wirklich gut und die Qualität generell sehr hoch“, sagt er. Das Aus für „Mövenpick“ am Kröpcke findet er „wirklich sehr schade“.

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Ich habe den Laden immer voll erlebt. Am fehlenden Geld kann es nicht liegen.

Hildegard Woepke,

„Mövenpick“-Stammgast

Wundert sich über die Entscheidung: Hüseyin Usta, der die Qualität des Cafés schätzt.

Auch Hildegard Woepke bedauert das sehr. „Ich habe den Laden immer voll erlebt. Am fehlenden Geld kann es nicht liegen“, meint sie. Gerne habe sie sich im Café zum Frühstück oder auf ein Stück Kuchen mit Freunden getroffen. „Es wird sich wohl nicht mehr verhindern lassen, dass Mövenpick schließt“, befürchtet Woepke. „Aber vielleicht kommt hier danach ja wieder was Schönes rein. Ich wünsche mir, dass etwas Ähnliches kommt.“

Ihr wird die „Mövenpick“-Gastronomie fehlen: Hildegard Woepke kommt gerne für Frühstück und Kuchen zum Kröpcke.

Zumindest bis zum 30. Juni 2027 soll die Gastronomie weiterhin in der gewohnten Qualität betrieben werden, hat das Unternehmen Marché Mövenpick angekündigt. Die Betreibergesellschaft, ein Zusammenschluss hannoverscher Familien, will das Gebäude anschließend behutsam sanieren. Wichtige Mieter wie Trüffel Güse, der Energieversorger Enercity mit seinem Kundencenter sowie das Burgerrestaurant „Jim Block“ sollen weiterhin ihren Sitz in dem markanten Gebäude haben.

HAZ