
AUDIO: Sandy, Skulpturen und ganz viel Sand: Neue Ausstellung startet in Prora (4 Min)
Stand: 02.02.2026 14:45 Uhr
In Prora auf Rügen wurde wieder viel „gecarvt“, also Sand geschnitzt. Denn es gibt wieder eine neue Sandskulpturenausstellung. Dieses Mal unter dem Thema „Weisheiten & Sprüche“.
Evangelos Stafylidis kratzt mit einem Löffel an einem Fass aus Sand. Er arbeitet die letzten Details an seiner Schmiede heraus. Im Hintergrund hängen schon Zangen, Ketten, Hämmer und eine Ritterrüstung neben einem großen Feuer – alles aus Sand. „Die Schmiede hat mehrere Sprüche“, sagt Evangelios Stafylidis. „Einmal ‚Wieviel Eisen hast du im Feuer?’, ‚Jeder ist seines Glückes Schmied’ und ‚Um fünf fällt der Hammer’. Zudem gibt es noch ein paar versteckte Botschaften. Es lohnt sich also vorbeizukommen und mal zu gucken.“
Der Kölner, den alle nur Geli nennen, gehört in Prora zum Stamm der Skulpturenmacher: „Ich habe vor zehn Jahren die falschen Leute kennengelernt, die mir das gezeigt haben. Seitdem werde ich jährlich zu Projekten eingeladen, unter anderem auch in Rügen.“ Insgesamt sind es in diesem Jahr 24 Carver, wie sie sich nennen. Sie kommen vor allem aus dem osteuropäischen Raum, aber auch aus Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Sie wollen fast 100 Sprüche und Redewendungen zum Leben erwecken.
Von Köchen und Fischen
Zum Thema der Ausstellung macht sich Martin de Zoete, der künstlerische Leiter, meistens schon im März Gedanken. Manchmal kommen die Ideen auch von Besuchern, sagt der Holländer und bei den Sprüchen geht es in viele Richtungen. So zum Beispiel „auf Tiere, auf Städte und Berufe“, so der Skulpturen-Chef. „Viele Sprichwörter sind natürlich aus einem Beruf gekommen. Das coole ist, dass es in vielen Sprachen mehr oder weniger gleiche Sprüche gibt. Meistens gibt es aber kleine Unterschiede. So versuchen wir, ein bisschen Spaß und Education zu verbinden.“
Martin de Zoete hat sich zum Beispiel mit Sprüchen aus der Küche befasst. „Viele Köche verderben den Brei“, „Butter bei die Fische“ und „Auf jeden Topf gehört ein Deckel.“ Ein paar Meter weiter steht ein Huhn aus Sand mit einer Brille und einem Blindenstock vor ein paar sandigen Maiskolben – wieder eine angedeutete Redewendung.
9.000 Tonnen Sand für Staunen und Überraschungen
Wie viel Sand jeder Carver bekommt, legt der künstlerische Leiter fest. Und je nach Größe und Details dauert es in der Regel etwa zwei bis drei Tage, bis eine Figur fertig ist, sagt Evangelios Stafylidis. „Von Grund auf haben wir erst einmal den rohen Sand, der wird in Holzschalen gepresst. Wenn wir anfangen zu schnitzen, fangen wir von oben an, mit einer kleinen Schaufel, ner runden Schaufel, eckigen Schaufel, je nach nach Gusto und beginnen dann erst mal, grobe Form auszuarbeiten. Und dann gibt es eigentlich, was Werkzeuge angeht, keine Grenzen: Gabeln, Löffel, Buttermesser, Malspachtel.“
Vom Ende der vergangenen Ausstellung bis zur Eröffnung der neuen sind es jedes Jahr nur rund vier Wochen. Solange der Sand nicht zu dreckig ist, wird er jedes Jahr wiederverwendet. Immerhin: rund 9.000 Tonnen. Der aktuelle Sand kommt aus Zirkow – nicht vom Strand. Dieser wird schon seit mehreren Jahren in Prora benutzt, berichtet Objektleiter Tilo Lang: „Strandsand ist ein rundes Korn und würde immer rutschen. Man kann es nicht in die Höhe bauen. Man kann das nur flach bauen und müsste ständig wässern. Unser Sand ist Bausand mit einem kleinen Lehmanteil und einem scharfkantigen Korn.“
Auf der Suche nach dem Sandwurm Sandy
Bis zu acht Meter hoch kann der Sand in der Ausstellungshalle gestapelt werden. Der Glaspalast ist vor gut fünf Jahren zwischen den ehemaligen Werkstatthallen gebaut worden. Früher wurde hier, am KdF-Bad in Prora, an Panzern und anderen Fahrzeugen geschraubt. Jetzt sorgt eine Fußbodenheizung dafür, dass die Temperatur nie unter sechs Grad fällt.
Angefangen hatte die Sandskulpturenausstellung vor 17 Jahren in Neddesitz, später war sie in Binz zu erleben. „Die schwierigste Zeit ist eigentlich in den ersten sechs Wochen, weil der Sand immer noch sehr nass ist. Hier haben wir meistens die Befürchtung, dass Dinge abbrechen können, weil der Sand natürlich schwer ist. Ein loser Arm darf nicht frei hängen, der muss unterfüttert sein.“ Mehr als 100.000 Gäste, so hoffen die Veranstalter, werden in diesem Jahr wieder durch die Halle laufen und sich davon überzeugen, ob auch alles hält. Und sie sind auf der Suche nach Sandy, dem Sandwurm. Der ist nämlich in vielen Kunstwerken versteckt und wer ihn findet, kann am Ende der Saison einen Preis gewinnen.

Auf 4.000 Quadratmetern gibt es dieses Jahr 38 Skulpturen zu sehen. Martin de Zoete ist künstlerischer Leiter der Ausstellung.

Einst von den Nazis geplant, wurden Teile der riesigen Anlage zu Ferienquartieren umgebaut. Pluspunkt: die direkte Strandlage.