Der bundesweite Streik im ÖPNV wird auch in Wiesbaden noch bis zu den frühen Morgenstunden am Dienstag anhalten (wir berichteten). Am heutigen Montag blieben die Busspuren der Stadt bis auf wenige Ausnahmen leer. Einige Merkurist-Leser drückten mit ihren Kommentaren ihr Unverständnis aus: Warum wurde der Streik so kurzfristig angesetzt? Und warum ausgerechnet montags? Und überhaupt: Hatte ver.di nicht erst 2025 für mehr Geld gestreikt? Merkurist fragte bei einigen Streikenden in Wiesbaden nach.
Signal im Tarifstreit
Lena Petri arbeitet für die ESWE Verkehr und ist Vertrauensperson zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft ver.di. Auf Nachfrage von Merkurist erinnert sie noch einmal an die Ursache des heutigen Ausstands: „Vergangene Woche Donnerstag scheiterte leider die erste Verhandlungsrunde. Da am morgigen Dienstag bereits die nächste Verhandlung angesetzt ist, blieb uns nur der Montag, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen.“
Arbeitgeber zeigt wenig Entgegenkommen
Ihr Stellvertreter Steffen Münkel stellt klar, dass die Beschäftigten nicht für mehr Geld streiken, sondern für bessere Arbeitsbedingungen. „Der TVN-Vertrag (Tarifvertrag Nahverkehr) soll einheitlich in Deutschland gelten. Das umfasst einen Angleich der Urlaubstage zwischen west- und ostdeutschen Bundesländern. Aber auch Schichtzulagen. Durch den heutigen Verkehr haben wir wesentlich mehr Stress hier draußen. Das wird einfach nicht berücksichtigt“, so Münkel. Im Gegenteil würden die Arbeitgeber mit längeren Schichten die Belastungen noch erhöhen.
Und was sagt Petri den Berufspendlern, die ihren Unmut gegenüber den Streikenden in den Kommentarspalten von Merkurist Luft machen? „Ich glaube jeder, der durch eine Gewerkschaft die gleichen Möglichkeiten hätte, für etwas Besseres zu kämpfen, würde es genauso tun.“