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Die Stadtwerke Ostmünsterland setzen auf Cybersicherheit und Notfallpläne. Seit den zunehmenden Angriffen auf kritische Infrastruktur überdenkt die Energiebranche die Transparenzpflicht.
Drensteinfurt – Ein kurzer Moment der Dunkelheit, dann war der Strom schon wieder da: Der jüngste, nur etwa rund eine Stunde andauernde Stromausfall in Rinkerode und Teilen Drensteinfurts am Sonntag, 18. Januar, ging glücklicherweise noch einmal glimpflich aus. Schuld waren zwei defekte Muffen an einem Kabel. Vor dem Hintergrund des gezielten Angriffs auf die Infrastruktur in Berlin Anfang Januar wirft er jedoch trotzdem eine wichtige Frage auf: Wie stabil ist unsere Stromversorgung im Ernstfall?
Die Stadtwerke sind gut auf einen Ernstfall vorbereitet und arbeiten stetig daran, die Sicherheit zu verbessern. Ein langanhaltender Stromausfall in Drensteinfurt ist laut Geschäftsführer Rolf Berlemann unwahrscheinlich. © Imago/Udo Herrmann/Stadtwerke Ostmünsterland/Montage:wa.de
„Wir haben Notfallpläne und sind auf viele Fälle gut vorbereitet“, betont Rolf Berlemann, Geschäftsführer der Stadtwerke Ostmünsterland im Gespräch mit dem WA. Die Stadtwerke hatten zum Jahreswechsel das Stromnetz in Drensteinfurt von Westnetz übernommen. „Wir stellen uns immer die Frage, wie wir uns am besten schützen können.“
Nach Angriffen in Berlin: Stadtwerke auf Blackout vorbereitet – „Gutgläubigkeit ist weg“
Neben baulichen Sicherheitsmaßnahmen und Überwachungssystemen spiele die Cybersicherheit eine große Rolle. Zusätzlich würden auch die Mitarbeiter regelmäßig sensibilisiert.
Zur Prävention gehöre auch das Alltagsgeschäft: Regelmäßige Wartung, Instandhaltung und Überwachung der Netze seien Voraussetzungen für eine stabile Versorgung. Stromkabel liegen oft seit Jahrzehnten im Boden. Beim jüngsten Stromausfall war ein 2,7 Kilometer langes Kabelstück mit mehr als 20 Muffen betroffen, von denen zwei defekt waren – im Bereich Eickendorfer Weg und im Efeuweg.
Vorbereitung auf den Ernstfall: Notfallpläne sind wichtig
Neben der Prävention bereiten sich die Stadtwerke auch auf größere oder länger anhaltende Ausfälle vor. Grundlage ist eine kontinuierliche Risikoabschätzung. Seit der Schneekatastrophe im Münsterland im Jahr 2005 habe ein deutliches Umdenken stattgefunden. Rolf Berlemann leitete damals den operativen Krisenstab in Münster – eine Erfahrung, die ihn bis heute präge.
Zukünftig setzen viele Stadtwerke auf ein sogenanntes schwarzfallfähiges Kommunikationsnetz, dessen Ziel es ist, im Falle eines großflächigen Stromausfalls eine eigene Kommunikation sicherstellen zu können. Dazu gehören eigene Aggregate, mit denen unter anderem Krisenstabsräume versorgt werden können. Diese sind sowohl intern als auch mit dem Krisenstab des Kreises Warendorf verbunden. Zudem stehen die Stadtwerke in engem Austausch mit den Kommunen, um abgestimmte Notfallpläne zu entwickeln.
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Besonderes Augenmerk liegt dabei auf kritischen Infrastrukturen. Seniorenheime und landwirtschaftliche Betriebe sind laut dem Geschäftsführer grundsätzlich selbst für ihre Notstromversorgung verantwortlich. Die Stadtwerke weisen jedoch darauf hin, dass dabei sensibel und vorausschauend gehandelt werden müsse. Auch organisatorisch sei man auf den Ausfall der Kommunikation und Großschadenslagen vorbereitet.
Die Wahrscheinlichkeit eines großflächigen, länger anhaltenden Stromausfalls in Drensteinfurt schätzen die Stadtwerke als gering ein. Das Stromnetz sei ringförmig aufgebaut, sodass die meisten Stationen von zwei Seiten aus versorgt werden können. „Es kommt natürlich auch immer auf den betroffenen Schadenspunkt an“, erklärt Berlemann. Das Netz sei eng vermascht, bei größeren Ausfällen könnten Teile der Versorgung beispielsweise auch aus Richtung Sendenhorst übernommen werden. Gegen die meisten denkbaren Szenarien sei man gut gewappnet – „eine 100-prozentige Sicherheit kann es jedoch nicht geben“, so Berlemann.
Konsequenzen der Angriffe: Weniger Transparenz der Energieversorger
Die Energiebranche ist durch das sogenannte Transparenzgebot gesetzlich zu großer Offenheit verpflichtet. Kunden und die Öffentlichkeit sollen nachvollziehen können, wie Strom- und Gasversorgung organisiert sind, wie sich Preise zusammensetzen und wer für welche Netzbereiche verantwortlich ist.
Angesichts gezielter Angriffe auf die Infrastruktur wird diese Offenheit jedoch zunehmend kritisch hinterfragt. „Wir haben lange sehr transparent gearbeitet, aber diese Gutgläubigkeit ist weg. Die Branche wird, mit Blick auf die jüngsten Angriffe, eine sehr kritische Überprüfung der Transparenzvorgaben einfordern“, ist sich Rolf Berlemann sicher. Details, die bislang öffentlich zugänglich waren, könnten also künftig zurückhaltender kommuniziert werden, um mögliche Sicherheitsrisiken zu minimieren.
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