„Da sind die Gastronomen und Interessenverbände inzwischen sehr sensibel geworden. Fortbildungen zum Thema waren sofort ausgebucht. Es geht um Dinge, wie den Einsatz von Pyrotechnik, leicht entflammbare Materialien, auch bei der Dekoration, das Zustellen von Flucht- und Rettungswegen oder die Überfüllung von Räumen, die durch entsprechende Zugangskontrollen verhindert werden kann. Entsprechende Informationen dazu finden sich auf der Website der Stadt. Außerdem führen wir bei den Gastronomen auch Ansprachen und Kontrollen durch““, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Dirk Käsbach.

Ansonsten sieht sich die Stadt für den Start des Straßenkarnevals gut vorbereitet: „Es gibt eine enge Zusammenarbeit der Stadt mit der Bundes- und Landespolizei, der Feuerwehr und Hilfsdiensten wie dem Deutschen Roten Kreuz. Zu diesem Zweck wird auch wieder ein Koordinierungsstab eingerichtet. Dazu kommt die stetige Optimierung des Sicherheits- sowie beim Toiletten- und Müllkonzept.“

Mehr Toiletten und Mülleimer
in der Kölner Südstadt

So würden in der am Sessionsbeginn im November stärker von Feierenden frequentierte Südstadt rund um den Chlodwigplatz deutlich mehr mobile Toiletten und Müllbehältnisse zur Verfügung gestellt, um genauso wie im Kwartier Latäng und in der Altstadt vor allem die Anwohner besser vor den negativen Begleiterscheinungen des Feierns schützen zu können. Dazu kommen dort auch Absperrungen der Stadtbahngleise, um dort den Betrieb aufrechterhalten zu können. Zum Einsatz kommen außerdem wieder zertifizierte Überfahrsperren an neuralgischen Punkten.

Ein weiterer Augenmerk liegt nach wie vor beim Kwartier Latäng, das an Weiberfastnacht und Rosenmontag besonders viele junge Menschen anzieht. Dabei wird die Uniwiese als Entlastungsfläche noch weiter verkleinert, sodass im Vergleich zum Vorjahr nur noch etwa 30 Prozent der Fläche abgedeckt werden muss. Der Rest der Grünfläche wird für Feiernde komplett gesperrt. „Die Uniwiese ist dann weiter nur eine Transitstrecke zur Zülpicher Straße, auf der es keinen Alkohol und auch keine Musik geben wird. An der Ecke Kyffhäuserstraße/Barbarossaplatz wird zudem ein dritter Zugang zum Kwartier Latäng eingerichtet, der die bisherigen Zugänge entlasten soll“, berichtet Käsbach.

Abgesperrt werden zum Straßenkarneval der Aachener Weiher und der Hiroshima-Nagasaki-Park. Dort sollen die Wiesen und Gehölze vor Beschädigungen und Müll geschützt werden. Außerdem will man am Weiher den Wildvögeln so mehr Raum geben. Beibehalten wird zudem das Glasverbot im Kwartier Latäng und in der Altstadt sowie im Inneren Grüngürtel. In der Südstadt bleibt der Verzicht auf Glas vorerst freiwillig, könnte aber beim Sessionsauftakt im November bei Bedarf in ein Verbot umgewandelt werden. Insgesamt werden über alle Tage während des gesamten Straßenkarnevals bis zum 400 Mitarbeitende des Ordnungsamts sowie rund 2600 private Sicherheitskräfte im Einsatz sein.

Das Kwartier Latäng steht bei jungen Jecken hoch im Kurs

Im Fokus der Stadt steht außerdem der Jugendschutz – vor allem beim Thema Alkohol. So haben Kontrollen und Testkäufe bei den Gewerbetreibenden eine Verstoßquote von besorgniserregenden 70 Prozent ergeben. Für die Betreiber kommen dann Geldstrafen ab 500 Euro sowie als finale Maßnahme auch die Schließung des Betriebs bei mehrfachen Verstößen zu. Verstärkt kontrolliert und angesprochen werden vom Ordnungsamt und der Polizei zudem Minderjährige vor Ort. Zudem wird das Jugendamt im Kwartier Latäng, im Notfallzentrum der Feuerwehr und auch in der Altstadt mit pädagogischen Fachkräften und Streetworkern verstärkt Präsenz zeigen. Unterwegs sind ebenfalls mobile Einsatzteams von Edelgard, die Betroffene von sexualisierter Gewalt beraten und unterstützen.

Die Landespolizei wird mit 1400 bis 1500 zusätzlichen Kräften vor allem an Weiberfastnacht und Rosenmontag verstärkt präsent sein. „Die Sicherheitslage ist weiter abstrakt hoch, auch wenn es bislang keine konkreten Warnungen gibt. Man muss mit allem rechnen, Großveranstaltungen können immer Ziele von Angriffen sein. Im Moment ist es so ruhig oder so unruhig wie die letzten Jahre auch“, sagt Einsatzleiter Martin Lotz. Dazu kommen Gewaltdelikte wie Schlägereien oder auch Sexualdelikte, welche die Beamten im Blick haben müssen und bei denen konsequent eingegriffen wird. Besonders geschützt wird wieder der Bereich um die Synagoge an der Roonstraße. Lotz weist außerdem auf das Waffenverbot bei öffentlichen Veranstaltungen hin. „Wir appellieren an die Feiernden zudem, verbale Provokationen sowie körperliche Aktionen gegen Einsatzkräfte zu unterlassen und möglichst auch keine waffenartigen Gegenstände mitzuführen, um Kontrollen zu vermeiden”, erklärt Lotz.

Bei der Berufsfeuerwehr mit ihren Rettungsdiensten rechnet Leiter Christian Miller mit einem deutlich höheren Einsatzaufkommen. „Im Vorjahr hatten wir an Weiberfastnacht 944 und an Rosenmontag 727 Einsätze, das sind mehr als doppelt so viele wie an einem normalen Tag.“ Mit dem eigenen Notfallversorgungszentrum will man während des Straßenkarnevals die Krankenhäuser in Köln entlasten, indem man Patienten direkt vor Ort betreut und versorgt. Insgesamt werden an Weiberfastnacht und Rosenmontag mit etwa 900 vierfach so viele Einsatzkräfte wie an einem normalen Tag unterwegs sein. „Mein Appell geht dahin, unsere Einsatzkräfte ihre Arbeit machen zu lassen und sie nicht zu beleidigen oder anzugreifen. Nur so können diese Menschen in Not helfen“, betont Miller.