Es war ein Tag im Dezember 1956, als Frank-Michael Egermann zur Welt kam und sein Vater den Grundstein für die Zukunft der Familie legte: er hat er den Laden an der Fritz-Matschke-Straße 4 gekauft – seit sieben Jahrzehnten bekannt als Schuhservice Egermann. Über zwei Generationen hinweg wurde das Geschäft von Schuhmachermeistern geführt. Frank-Michael Egermann hat nun allerdings einen Schlussstrich gezogen. „Irgendwann muss es mal vorbei sein“, sagt der 69-Jährige und blickt nicht ohne Wehmut auf über 45 Jahre Handwerk zurück.
Abschied vom Duft des Leders
„Der Geruch von Leder ist einfach herrlich. Der wird mir fehlen. Aber ich habe das erste Mal seit Jahrzehnten saubere Hände“, sagt Egermann und schmunzelt. Zig paar Schuhe hat er in seinem Berufsleben in den Händen gehabt – hier musste ein Absatz erneuert, da ein Reißverschluss gesetzt werden. Für Stammkunden wurden Schuhe auch schon mal bis an die Ostsee geschickt. Spezialisiert hatten sich die Egermanns zuletzt auf Kletter- und Boulderschuhe. Sogar Niners-Maskottchen Karli ließ sich seine Schuhe auf der Fritz-Matschke-Straße reparieren.
Ein Handwerk vor dem Aussterben
„Wir haben uns aber nicht nur um Schuhe gekümmert. Auch Koffer, Handtaschen und Markisen haben wir repariert“, erzählt Ehefrau Bettina Egermann, die im Geschäft für Warenannahme und -ausgabe verantwortlich war. Ebenfalls immer dabei war Tochter Julia, die extra auf der Luisenschule eingeschult wurde, um nach dem Unterricht schnell bei den Eltern im Geschäft sein zu können. „Wir waren von früh um 7 bis abends um 6 im Laden, das war wie eine zweite Wohnung für uns“, erinnert sich der Schuhmachermeister, der der letzte Obermeister der Schuhmacher-Innung in Chemnitz war. „Einst gab es 46. Zum Schluss waren es noch ich und 45 Rentner. Unser Beruf stirbt aus“, so Frank-Michael Egermann.
Dank an die treue Kundschaft
Das Geschäft war für die Familie nie nur eine Werkstatt, sondern immer auch ein Ort der Begegnung. „Wir möchten uns auf diesem Weg bei unseren Kundinnen und Kunden für die jahrelange Treue, das Vertrauen und die vielen netten Gespräche bedanken“, sagt Julia Egermann. Umso erfreulicher ist es nun für die Familie, dass sich ein Nachfolger gefunden hat, der den Schuhservice weiterführen will.
Junge Energie für die Werkstatt
Tobias Wittmann, ein junger Mann aus Lichtenstein, hat sich entschieden, die Werkstatt zu übernehmen. Damit bleibt die Tradition erhalten und das Schuhmacherhandwerk kann weiterleben. Zum Schuhservice will Tobias Wittmann künftig auch einen Schlüsseldienst, Leder- und Sattlerarbeiten, Messer- und Scherenschliff sowie Vorwerk-Reparaturen anbieten. Derzeit renoviert der 24-Jährige die Räume, hat aber weiterhin geöffnet. „Ich freue mich auf die Zukunft“, sagt Wittmann.

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