„Am Fasnets-Dienstag geht es in Hofen wieder hoch her, wenn 70 Fasnetsgruppen aus Stuttgart und dem ganzen Land in den Stuttgarter Stadtteil kommen, der nur rund 4000 Einwohner zählt. Der traditionsreiche Umzug ist sehr beliebt. Das weiß auch Organisator Thomas Baur, einer von fünf Präsidiumsmitgliedern des ausrichtenden Vereins, der Scillamännle. Die Organisatoren mit ihren rund 300 Mitgliedern haben jedes Jahr viel zu stemmen. Immer mehr, weiß Baur.
Das Vorbereitungsteam umfasst rund 15 Mitglieder, neben dem Präsidium die Kassierer, Schriftführer und Vertreter aus den Gruppen und dem Wirtschaftsausschuss. Der 49-jährige Baur ist seit 32 Jahren Mitglied bei den Scillamännle, davon mehr als sieben Jahren Präsidiumsmitglied und war zuvor lange im Zunftrat. Die Vorbereitungen laufen gut. Er ist bislang zufrieden.
Uwe Enzensberger (re.) beim Jubiläumsumzug 2025. Nur der Traktor ist als Fahrzeug erlaubt. Foto: Iris Frey
Zunftmeister Uwe Enzensberger kümmert sich um die Gruppenaufstellung im Umzug. Die Anmeldung dafür lief über die Homepage. „Das funktioniert gut.“ Schon am 12. April vergangenen Jahres wurde die Einladung an alle Gruppen versandt. Im Verteiler seien 250 Vereinigungen aus Baden-Württemberg. Die Nachfrage ist riesig: „Nach vier bis sechs Wochen war der Umzug voll“, sagt Baur. Er erwartet rund 2000 Aktive in Hofen.
Diese Terrorsperren beim Umzug zahlt die Stadt. Foto: Archiv/Iris Frey
Im vergangenen Jahr beim Jubiläumsumzug 100 Jahre „Komma gschwomma“ in Hofen und 40 Jahre Scillamännle gab es erstmals verstärkte Auflagen wegen Terrorgefahr. So wurde auch der kleine Ort zur Sicherheitszone: Die Straßen an der Umzugsstrecke werden gesperrt und mit Pollern versehen, was die Fasnetsfans nicht abgehalten hatte, zu kommen. „Es war super, tolles Wetter. Wir waren rundum zufrieden und es ist nichts passiert“, sagt Baur.
Parkverbotsschilder haben 3000 Euro gekostet
Es gibt viel zu tun für den Verein: rechtzeitig alle Genehmigungen einholen, das Sicherheitskonzept mit Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst besprechen. Dann kamen noch Parkverbote dazu. „Letztes Jahr waren es drei Lastwagen mit Halteverbotsschildern voll.“ Die Schilder hätten 3000 Euro gekostet. Ein riesiger Mehraufwand, so der Organisator. Die Terrorsperren stellt die Stadt auf ihre Kosten auf, die zahlreichen rotweißen Barken müssen die Veranstalter in den Zufahrtsstraßen aufstellen lassen und bezahlen. Auch diese Straßenabsperrungen kosten rund 1500 Euro.
Keine Fahrzeuge mehr im Umzug erlaubt
Die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniere zwar, vieles werde früh beantragt, aber oftmals kämen erst spät Zusagen. Das sei nicht immer einfach. Weitere Auflagen seien, dass keine Fahrzeuge mehr im Umzug mitfahren dürften, einzige Ausnahme der Traktor mit dem Goaswagen dürfe auf der Umzugsstrecke mit unterwegs sein.
Am Kelterplatz in Hofen gibt es wieder ein Narrendorf. Foto: Archiv/Iris Frey
Auch die Bewirtung will vorbereitet sein, die Gesamtschankgenehmigung eingeholt werden. Am Kelterplatz gibt es dafür das Narrendorf mit acht bis zehn Ständen, davon einer der Scillamännle und einer der Feuerwehr. Hinter dem Ochsen ist eine Bar der Scillamännle. Und ein paar Hofener öffnen ihre Garagen für die Verköstigung der Besucher – bis zu 5000 Menschen werden in den Ort strömen.
Müllbeseitigung belastet das Vereinsbudget
Auch die Müllbeseitigung belastet das Vereinsbudget. Auffällig sei, dass jedes Mal kurz vor dem Umzug eine städtische Kehrmaschine durch Hofen fahre und danach auch nochmals. Am Ende werde der Müll kilogrammgenau abgerechnet, sagt der 49-Jährige. Das ganze Jahr über aber sei keine Kehrmaschine in Hofen zu sehen. Die Müllbeseitigung koste den Verein rund 2500 Euro, so Baur. Aber auf private Müllentsorger umzusteigen, sei nicht sinnvoll, denn: Wenn nicht gut gereinigt werde, putze die AWS nochmals nach und das koste dann auch. Doch trotz steigender Kosten organisieren die Scillamännle den Umzug im eingespielten Team, auch wenn der Aufwand es eigentlich nicht rechtfertige, wie Baur sagt. Es werde immer schwieriger mit immer mehr Auflagen.
Zugleich gab es jüngst heftige Diskussionen auch im Bezirksbeirat Mühlhausen bei der Vergabe der Fördergelder aus dem Bezirksbudget für Vereine, Brauchtum und kulturelle Veranstaltungen, wie Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann weiß. Diskutiert wurde sowohl über die Zuschüsse für den Nachtumzug in Mühlhausen der Donner-Hexen als auch über den Hofener Umzug über die Ausgaben, die die Vereine tragen, auch warum mit dem Zuschuss auch die städtische AWS unterstützt werden müsse. Beide Vereinsvertreter hätten erklärt, so Bohlmann, wenn es keine Unterstützung mehr gebe, seien die Umzüge gestorben. Der Bezirksbeirat stimmte am Ende einstimmig für die Zuschüsse von jeweils 6400 Euro Defizitförderung für beide Umzüge.
Am Schmotzigen Donnerstag geht das närrische Treiben richtig los mit der Schülerbefreiung und dem Hemdglonkerumzug in Hofen. Während dann am Tag danach für die Scillamännle Großkampftag ist mit dem Aufbau in der Turnhalle für die Fasnet für den Kinderfasching und den Scillaball, startet am Abend des 13. Februar der Nachtumzug um 19 Uhr in Mühlhausen. Am Rosenmontag stürmen die Narren das Bezirksrathaus in Mühlhausen, bevor dann am Fasnetsdienstag fast ganz Hofen Kopf steht beim Umzugstrubel.