Einige deutsche Rapper wurden sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart wegen sexistischer und teils gewaltverherrlichender Songtexte kritisiert. So auch Finch, vor allem noch zu seiner Zeit als Finch Asozial. In einem kürzlichen Interview mit dem Spiegel-Magazin spricht der „Dorfdisko“-Rapper unter anderem über den viralen Moment im Oktober, als er einen übergriffigen Fan von seinem Konzert verwiesen hatte. Infolgedessen werden auch alte sexistische Texte von Finch Thema des Gesprächs. Im Interview erklärt er, wieso er einige seiner Lines nicht mehr rappt oder sogar geändert hat.
Finch über seine Entwicklung: „Ich finde es wichtiger, über das Werk zu sprechen & es zu erklären“
Angesprochen auf den 2018er-Track „Fick mich Finch“ gibt er zu, dass der dritte Part des Songs einige Jahre später selbst für seine Verhältnisse „zu doll“ gewesen sei. Dort rappte der Fürstenwalder unter anderem „Weil dank mir in deinem Gleitgel ein paar Glassplitter sind“ sowie einige andere Lines, in denen es um sexuelle Gewalt geht. „Damals habe ich nicht so weit gedacht“, schildert der Rapper seine Anfangszeit. Mittlerweile könne er es nachvollziehen, wenn Frauen sich durch diese Zeilen angegriffen fühlen würden. Im Jahr 2021 hat er für einen Re-Release deswegen fast den gesamten dritten Part des Tracks umgeschrieben, da er sich mit der ursprünglichen Version nicht mehr „wohlgefühlt“ habe. Auch andere Lines, wie beispielsweise „Eine Frau bleibt auf Ewigkeit ein Gegenstand“ aus dem Song „Sex & Gewalt“, hat Finch zumindest von seinen Live-Konzerten verbannt.
Auf die Frage, wie er heute allgemein auf „menschenverachtende Passagen“ in seinen älteren Songs blickt, antwortet Finch, dass er seine alten Songs nicht „verbieten“ wolle. Es sei ihm „wichtiger, über das Werk zu sprechen“ und es in den gegebenen Kontext einzuordnen. Zu Zeiten von Finch Asozial hätte er noch die Mentalität aus dem Battlerap-Kosmos übernommen. „Mir ging es immer auch darum, zu schocken“, begründet Finch seine alten, derben Texte. Gleichzeitig habe Finch das Gefühl, dass die Öffentlichkeit anderen deutschen Acts mehr Freiraum in ihrer künstlerischen Entfaltung geben würde als ihm selbst. Bei Texten von Artists wie K.I.Z, Die Ärzte oder auch Ikkimel würden viele Fans einen „doppelten politischen Boden“ erkennen.
Ihm und seinen Texten würde man diesen Gefallen jedoch nicht tun. Auf der anderen Seite sehe sich Finch nicht in der Position, ständig seine Songtexte erklären zu müssen: