Alfred Gíslason (66) steht nach dem verlorenen EM-Finale gegen Dänemark (27:34) da – enttäuscht, aber auch voller Stolz. Silber in der Tasche, Gold knapp verpasst. Der Bundestrainer hält kurz inne und beginnt dann von seiner Mannschaft zu schwärmen. Von einem Team, das gewachsen und gereift sei. Für Gíslason überwiegt nicht der Schmerz über das verlorene Endspiel, sondern die Entwicklung seiner Jungs. Nach Olympia 2024 war es bereits das zweite große Finale für diese junge Mannschaft (Durchschnittsalter 26,5 Jahre). Ein Signal für Zukunft: „Die Entwicklung der Mannschaft ist das, was mich extrem freut. Es freut mich noch mehr als die Silbermedaille. Und die Entwicklung ist noch nicht vorbei.“
Gíslason weiter: „Natürlich ist es sehr schade, dass es nicht geklappt hat. Aber ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wie sie sich hier im Turnier präsentiert hat. Wenn man die Entwicklung dieser Mannschaft betrachtet, ist sie phänomenal. Sie ist sehr jung, bis auf drei Leute vielleicht. Sie ist jung und wächst sehr, sehr zusammen. Ich glaube, wir waren irgendwie von der Rangliste, wenn man die Ergebnisse sieht, vor vier Jahren auf Platz sechs oder sieben. Nach diesem Turnier ist die Mannschaft auf zwei. Wir haben alle gesagt, diese Hauptrunde war unglaublich schwierig. Und jetzt haben die Jungs Frankreich, Portugal, Norwegen, Kroatien und Spanien alle geschlagen.“
Foto: BILD
Mit dieser Silbermedaille im Gepäck wehrt sich Gíslason dann nach Tagen auch gegen die Kritik, die zuletzt auf ihn einprasselte. In den sozialen Netzwerken und in Podcasts – unter anderem von den Ex-Nationalspielern Stefan Kretzschmar, Pascal Hens und Mimi Kraus im Dyn-Podcast „Harzblut“. Gíslason hat lange geschwiegen, stattdessen alle Schuld auf sich genommen und immer vor die Mannschaft gestellt.
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Quelle: DYN02.02.2026
Auf Nachfrage, wie gut ihm der Erfolg schmecken würde, nach den vielen Kritiken, erklärt der Isländer lachend: „Wir wissen alle, dass die nicht allzu viel Ahnung haben. Aber das freut mich natürlich sehr, weil, wenn es nur ein klein bisschen ein halbes Dreckspiel ist, dann ist jeder von diesen Selbstdarstellern bereit, uns ans Bein zu pinkeln. Also kann ich in Ruhe weitermachen.“
Zuvor hatte auch schon Handball-Nationaltorwart Andreas Wolff (34) sein Unverständnis zum Ausdruck gebracht, als es um den Torwartwechsel mit David Späth (23) im Hauptrundenspiel gegen Dänemark ging und dieser kritisiert wurde. Wolff: „Ich finde es David gegenüber unfassbar respektlos, wie mit dieser Thematik umgegangen wurde und wird. Das war total despektierlich und regt mich tierisch auf. Es ist schon erstaunlich, dass man so viele Jahre lang Handball spielt und trotzdem so wenig Menschenkenntnis hat. Wir haben vor dem Turnier gesagt, dass wir ein Torhüter-Duo sind, das durch seine Ausgeglichenheit und die Qualität beider funktioniert. Und dann fängt David in einem Spiel an und die ganze Welt verliert den Kopf. Das finde ich unter aller Sau.“
Wie speziell die Handball-Debatte in Deutschland ist, merkte Gíslason zuvor bereits im Austausch mit Kollegen aus dem Ausland. Er berichtet von einem Gespräch mit dem spanischen Trainer Jordi Ribera. „Er fragte mich: ‚Sind die alle irre da?‘ Er habe dann gedacht: ‚Weißt du was? Es ist super für euch, wie viel über Handball gesprochen wird, wie viel gesendet wird. In Spanien interessiert es kaum einen, es findet fast nichts statt, in der Presse findet sich nichts wieder.’ Und das ist doch auch wunderschön und wichtig für uns.“
Leider umsonst!: SOOOO schön fliegt Wolff
Quelle: ZDF01.02.2026
Dann wird Gíslason, der die zweite Silbermedaille für den DHB in 18 Monaten holte, deutlicher: „Wenn du ein Podcaster bist und du musst eine Stunde die Woche irgendwas erzählen, dann …“ Gíslason spart sich Kraftausdrücke. Sagt nur: „Keiner von denen war jemals Trainer. Ich kenne deren taktisches Verständnis. Und keiner von denen hat damals in der Abwehr gestanden …“
