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Der Preis von Gold und Silber ging zuletzt durch die Decke. Doch jetzt stürzt er ein. Dahinter steckt einmal mehr Donald Trump. Ein Experte warnt vor falschen Schlüssen.
London – Der Run auf Gold und Silber erlebt aktuell ein jähes Ende. Die Verluste der beiden Edelmetalle erreichen dabei ein historisches Ausmaß. Und einmal mehr steckt Donald Trump hinter der Entwicklung.
Nach Rekordwerten sind Gold und Silber an den Märkten historisch eingestürzt. (Symbolfoto) © IMAGO/Zoonar.com/alexlmx
Am Freitag sank der Kurs von Gold um bis zu 12,5 Prozent und fiel bis auf knapp unter 4700 US-Dollar für eine Feinunze. Zuletzt notierte er etwa 60 Dollar über der Marke. Seit Jahresbeginn liegt die Feinunze noch 10 Prozent im Plus.
Gold und Silber verlieren dramatisch: Das steckt hinter der Wende
Beim Silber war die Entwicklung noch deutlich dramatischer. In der Spitze brach der Kurs hier um bis zu 30 Prozent ein. Zuletzt kostete eine Feinunze gut 74 Dollar. Zeitweise fiel der Preis auch unter diese Marke. Am Donnerstag hatte Silber noch ein Rekordhoch von 121,65 Dollar erreicht. Im bisherigen Jahresverlauf liegt der Silberpreis nur noch 4 Prozent höher. Für Silber wie Gold sind dies laut Handelsblatt die größten Verluste innerhalb von einem Tag in diesem Jahrtausend.
Es ist eine dramatische Wende. Schließlich war der Preis der beiden Edelmetalle zuvor dramatisch gestiegen. Hintergrund sind laut Experten die geopolitischen Unsicherheiten, ein schwacher Dollar und die Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen senken würde.
Das steckt hinter dem Run auf Gold und Silber
Gestützt wurden die Edelmetallpreise zuletzt auch durch die gestiegenen geopolitischen Risiken. So hat US-Außenminister Marco Rubio dem Iran mit einem militärischen Präventivschlag gedroht, falls die Führung in Teheran Angriffe auf US-Einrichtungen plane. Edelmetalle – allen voran Gold – gelten bei vielen Investoren als sichere Häfen in Krisenzeiten. Silber ist zudem ein wichtiges Industriemetall, das für viele Anwendungen rund um KI, Robotik und Energie benötigt wird.
Letzteres gab nun wohl den Ausschlag für die Wende: US-Präsident Donald Trump hat den früheren Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger für US-Notenbank-Chef Jerome Powell vorgeschlagen. Eine überraschende Wahl, denn Warsh gilt als Verfechter einer eher strengen Zinspolitik. Der Markt hatte dagegen mit einem neuen Fed-Chef gerechnet, der sich Trumps Wunsch nach Zinssenkungen beugen würde und in die Edelmetalle investiert. In der Folge stiegen am Freitag auch der US-Dollar sowie die Renditen von US-Staatsanleihen.
„Gold profitierte implizit von der Vorstellung einer politisch unter Druck stehenden und weniger glaubwürdigen US-Notenbank“, so Carlo Bodo, Leiter des Bereichs Fixed Income Investments bei Ersel, gegenüber dem Corriere. Und weiter: „Warshs Ernennung beseitigt diese wichtige Argumentationsgrundlage. Daher ist eine rasche und unkontrollierte Korrektur nicht überraschend.“
Expertin warnt vor Fehler nach Einbruch bei Gold und Silber
Allerdings warnt etwa Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen davor, zuviel aus der Nominierung abzuleiten: „Der US-Präsident hat hinreichend klargemacht, dass er deutlich niedrigere Zinsen sehen will. Davon wird er wohl kaum schnell ablassen.“ Man erwarte, dass die Fed auf diesen Druck auch reagieren werde. „Das spricht dafür, dass der Goldpreis grundsätzlich gut unterstützt bleiben wird“, schreibt Nguyen. „Das Ausmaß der Korrektur legt auch nahe, dass Marktteilnehmer nach dem rapiden Preisanstieg nur auf eine Gelegenheit für Gewinnmitnahmen gewartet haben.“ Dafür spricht auch, dass die geopolitische Unsicherheit weiter besteht. So könnte ein Angriff der USA auf den Iran kurz bevorstehen.
Dementsprechend schätzt auch Ricardo Evangelista, Analyst bei der Handelsplattform Activ Trades, den Einbruch gegenüber dem Handelsblatt eher als Korrektur als als echte Trendwende ein. (Verwendete Quellen: Handelsblatt, dpa, Corriere della Sera)