Der Enkel von Alfons Walde, Michael Walde-Berger und der Kunsthistoriker Gert Amman haben acht Jahre lang an dem schwergewichtigen Werkverzeichnis gearbeitet. Man könne das sechs Kilogramm schwere Nachschlagwerk nicht nur zum Recherchieren verwenden, sondern auch wie ein Gewicht zum Trainieren, schmunzelt der Enkel des Malers.

Walde, der „Workaholic“

Sein Großvater habe permanent gearbeitet und ein umfangreiches Werk hinterlassen. Mehr als 4000 Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Skizzen und Architekturentwürfe wurden von den beiden Herausgebern, die auch gerichtlich beeidete Sachverständige sind, ausführlich geprüft und als Originale bestätigt. Dabei geht es um beträchtliche Werte.

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Der Kunsthistoriker Gert Amman und Michael Walde-Berger, der Enkel des Malers, haben das Werkverzeichnis herausgegeben.

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Alfons Walde hat seine „Bestseller“ immer wieder gemalt.

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Bei jedem Werk ist angegeben, ob die Herausgeber es im Original oder nur als Fotografie gesehen haben.

Liebhaberpreise bis zu einer Million Euro

Bei einer Versteigerung im Juni 2021 hat ein Walde-Fan für eine Variante des häufig wiederholten Motivs „Aufstieg der Schifahrer“ knapp eine Million Euro bezahlt. Diese beliebte Darstellung mit den schneebedeckten Kitzbüheler Bergen im Hintergrund ziert auch das Werkverzeichnis.

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Ab 2017 haben die beiden Herausgeber an dem Werkverzeichnis gearbeitet.

Der Kitzbüheler Schneemaler

Die ungebrochene Popularität des 1891 in Kitzbühel geborenen Künstlers würde mit seiner Begabung zusammenhängen, Schnee in dem ihm eigenen Stil auf die Leinwand zu bannen, analysiert der Kunsthistoriker Gert Amman. Der ehemalige Direktor des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum beschäftigt sich seit 50 Jahren mit dem Werk von Alfons Walde. Zur Olympiade 1976 in Innsbruck hat er die erste Ausstellung im Ferdinandeum gemacht.

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„Die Schneegemälde sind wesentlich beliebter bei den Kunden als Frühlings- oder Herbstbilder“, erklärt Amman. Waldes spezielle Art, verschiedene Schneeformationen mit Tiefenwirkung und in unterschiedlichen Lichtstimmungen abzubilden, sei einfach großartig. Der Künstler hat erst Skizzen in der Natur angefertigt und sie dann im Atelier in Öl auf Leinwand oder auf Karton ausgeführt. Typisch für ihn sind die dick aufgetragenen Farben.

Erotische Darstellungen

Weniger bekannt sind die erotischen Darstellungen, die auch im Werkverzeichnis aufgelistet sind. Der umtriebige Kitzbüheler hat neben seinen „Bestsellern“, etwa der Kirche von Aurach oder den wedelnden Skifahrern auch zahlreiche Aktzeichnungen angefertigt.

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Links ein Originalfoto von Walde „Hilda im Atelier“ , rechts „Hilda im Atelier“ gemalt 1925

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Eine Skilehrerin aus Kitzbühel 1935, Originalfoto von Walde

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Erotik um 1927

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Nackte vor der Almhütte“ um 1925

„Böse Sachen“

Seine weiblichen Modelle hat Walde erst fotografiert und die Motive dann in verschiedenen Techniken zu Papier gebracht. Zu Lebzeiten wurden diese erotischen und teilweise auch pornographischen Motive eher unter der Hand verkauft. Heute sind sie am Kunstmarkt gefragt.

Gert Amman, der die Schwester des Künstlers, Berta Margarethe Walde noch gekannt hat, hat von den Aktdarstellungen erst in den 1980er Jahren zum ersten Mal gehört. Die Schwester habe ihn damals darauf aufmerksam gemacht, dass sich in Wien noch eine Kiste mit „bösen Sachen“ befinde.

Einfluss von Klimt und Schiele

„Diese Aktdarstellungen sind hervorragende Stücke“, meint Amman. „Einige in Pastell oder Tempera gestaltete Rückenakte wirken geradezu impressionistisch.“ Alfons Walde hat vor dem Ersten Weltkrieg in Wien an der Technischen Hochschule Architektur studiert und die Werke von Gustav Klimt und Egon Schiele gesehen. Mit Schiele sei er sogar befreundet gewesen, erzählt Amman. Der Einfluss der Secession ist im Frühwerk bemerkbar.

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Rückenakt im Gegenlicht, um 1927, Pastell auf Papier

Walde, der „Womanizer“

„Heute würde man meinen Großvater als Womanizer bezeichnen“, meint Michael Walde-Berger. „Er hat viele Frauen gehabt, doch das wird seinem Ruf nicht ganz gerecht. Er war dreimal verheiratet. Er war eine Künstlerseele und er hatte viele Liebschaften. Das ist so ein Klischee, doch mein Großvater war sicherlich auch ein Mensch, der allein am Berg war und sinniert hat und viel Zeit alleine verbracht hat“, erzählt der Enkel.

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Michael Walde-Berger ist seit 2022 gerichtlich beeideter Sachverständiger.

Die wilden 1920er Jahre

Die 1920er Jahre waren in Kitzbühel turbulent. Gäste kamen aus den Großstädten, etwa aus Berlin und bei den Partys sei es sicher wild hergegangen, beschreibt Walde-Berger, der seinen 1958 verstorbenen Großvater nie persönlich kennen gelernt hat. Sein Wissen schöpfe er aus Erzählungen seiner Mutter, Guta-Eva Walde und seiner Tante und aus dem umfangreichen Nachlass.

Alfons Walde in der NS-Zeit

Der Südtiroler Kunsthistoriker Carl Kraus beschreibt die ambivalente Haltung von Alfons Walde in der Zeit des NS-Regimes. Einerseits war Walde mit einem hochrangigen NS-Funktionär befreundet, andererseits wurde der Künstler bei Ausstellungen boykottiert. Es sei eine Zeit der „tiefen Krise“ für Walde gewesen. Kraus kommt zu dem Schluss, dass Walde weit weniger mit dem Strom geschwommen sei, als andere Künstlerkollegen im Gau Tirol-Vorarlberg.

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Selbstporträt von 1935 im Stadtmuseum Kitzbühel

Original oder Fälschung?

Schon zu Lebzeiten des erfolgreichen Künstlers kursierten zahlreiche Fälschungen am Markt. Der Künstler selbst hat zur Verwirrung beigetragen, indem er die beliebtesten Motive immer und immer wieder variierte. Dadurch wurde die Analyse nicht einfacher.

Als die Preise am Kunstmarkt ab den 1980er Jahren rasant stiegen, seien immer mehr Fälschungen aufgetaucht, erklärt Amman. Einige würde man sofort erkennen, weil sie banal und primitiv gemacht wären, doch bei anderen müsse man sehr genau hinschauen. Dafür gebe es einige Kriterien, etwa ob die Künstleretiketten auf der Rückseite original oder nachgedruckt seien.

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Michael Walde-Berger und Gert Amman versuchen, Fälschungen herauszufiltern.

„Reinheit im Markt“

Ziel sei es, durch das neue Nachschlagwerk endlich „Reinheit im Markt“ zu schaffen, erklärt Michael Walde-Berger. Für Privatpersonen, die schwören, der eigene Onkel hätte ein gewisses Bild direkt bei Alfons Walde in Kitzbühel gekauft, sei die die Expertise dann mitunter ernüchternd, ergänzt Amman.

Auf die Frage, ob er garantieren könne, dass im neuen Werkverzeichnis ausschließlich Originale aufgenommen worden sind, betont Amman: „Auch Wissenschaftler können sich irren, aber nach unserem bestem Wissen und Gewissen und nach dem derzeitigen Stand können wir festhalten, dass hier Originale notiert sind.“

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Alfons Walde hat immer wieder unterschiedlich signiert.

Die Geschichte geht weiter

Seit dem Redaktionsschluss sind bereits 15 weitere, bisher unbekannte Arbeiten von Alfons Walde aufgetaucht. Die Arbeit an dem soeben erschienenen Werkverzeichnis geht also weiter. Einige der schönsten und garantiert echten Gemälde sind im Stadtmuseum in Kitzbühel zu sehen. Es handelt sich um Leihgaben von Michael Walde-Berger und seinen beiden Schwestern.