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Der Zweitligist empfängt den Titelverteidiger bei zweistelligen Minusgraden. 2021 warf Holstein Kiel schon einmal Bayern München raus.
Kiel – Natürlich hat den 13. Januar 2021 in Kiel niemand vergessen. Deutschland befand sich noch im Würgegriff der Corona-Pandemie, als der DFB-Pokal ein bisschen Ablenkung spendierte. Ein eisiger Abend an der Förde lieferte zumindest im Fernsehen beste Unterhaltung, denn Zuschauer waren damals nicht zugelassen. Das Holstein-Stadion war also fast menschenleer, als sich ein Pokalwunder ereignete.
Damals gefeiert: Kiels Torschütze Fin Bartels. © Holsteinoffice.de/Jörg Lühn via www.imago-images.de
Als Zweitligist rettete sich der Underdog von der Förde unter dem damaligen Trainer Ole Werner in der Nachspielzeit durch Hauke Wahl zum 2:2 in die Verlängerung – und düpierte den damaligen Triplesieger dann im Elfmeterschießen. Draußen feierten die Fans den Sensationssieg mit einem nächtlichen Autokorso und Hupkonzerten. Die eingefrorenen Mienen der Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß mit Maske sind unvergessen.
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Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass mit dem VfB Stuttgart im Viertelfinale erneut der amtierende Pokalsieger in Kiel aufschlägt (Mittwoch 20.45 Uhr/ZDF und Sky). Diesmal aber vor ausverkauftem Haus. Gegen eine rauschende Party hätte bei Holstein niemand etwas einzuwenden. „Wir müssen alles raushauen, um da auch in der Lage zu sein, vielleicht die Sensation zu schaffen“, sagte Kapitän Steven Skrzybski. „Das ist ja das, wofür jeder Fußballer brennt.“ In dieser Saison katapultierte sein Team bereits die Bundesligisten VfL Wolfsburg und dann den Hamburger SV aus dem Wettbewerb.
Der gut aufgelegte Gegner, der seit dem Jahreswechsel nur eines seiner sieben Pflichtspielen verloren hat, ist gewarnt. „Sie kommen mit dieser Underdog-Rolle sehr gut zurecht“, sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß. Der 43-Jährige könnte die Schwaben zum dritten Mal innerhalb von vier Spielzeiten ins Halbfinale führen.
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In der vergangenen Saison gab es das Duell noch in der Bundesliga: Dabei gab es für Holstein eine Pleite und ein Remis. Dann stieg Kiel wieder ab. Seitdem dümpeln die Norddeutschen durch die zweite Liga, Emporkömmlinge wie Kiel haben es schwer, ein kurzes Gastspiel im Oberhaus für sich zu nutzen – insbesondere, wenn die Vereinspolitik wirtschaftliche Unvernunft ausschließt. Kiel wird für einen erneuten Anlauf ins Oberhaus Geduld brauchen: Der Tabellenelfte verlor am Wochenende gegen den abstiegsbedrohten Letzten SpVgg Greuther Fürth mit 1:2.
„Wir haben uns geärgert, auch zu Recht, über das Spiel“, sagte Trainer Marcel Rapp. „Jetzt freuen wir uns auf das Spiel, auf ein besonderes Spiel, auf ein schweres Spiel, aber auch eine große Herausforderung.“ Aber: „Es ist nochmal ein anderes Setting. Es ist abends, es kommt live im Fernsehen.“ Und es wird bitterkalt.
Die schwierigen Bedingungen sieht Rapp aber nicht zwangsläufig als Vorteil für seine hochmotivierte Mannschaft. „Grundsätzlich glaube ich, dass es den Jungs egal ist, ob es jetzt minus drei, minus acht Grad oder minus zehn hat“, sagte der 46-Jährige: „Natürlich ist es eklig zu spielen.“ Beide Mannschaften erwarten winterliche Temperaturen im zweistelligen Minusbereich, den Besuchern wird dringend empfohlen, sich gegen die Kälte zu schützen. War es nicht vor fünf Jahren ganz ähnlich?