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Donald Trump drängt auf einen Regimewechsel und droht dem Iran mit einem Angriff. Teheran kündigt eine „vernichtende Antwort“ an. Die Lage in der Region spitzt sich zu.
Washington, D.C. – Wenige Drohgebärden auf der internationalen Bühne sind so eindeutig und unmissverständlich wie die Entsendung eines Flugzeugträgers in ein Krisengebiet. Wie US-Präsident Donald Trump am Mittwoch auf Truth Social bekannt gab, befindet sich nicht nur der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln, sondern mit ihm eine „massive Armada“ auf dem Weg in den Iran. Neuen Insider-Berichten zufolge erwägt Trump gezielte militärische Angriffe gegen das Mullah-Regime. Die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten wächst.
Trump wägt nach wie vor einen Angriff auf den Iran ab. Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln wurde in die Nähe des Landes verlegt. © Montage: Mark Schiefelbein/Michael Singley/dpa
Mehreren mit der Situation vertrauten Personen sagten laut der Nachrichtenagentur Reuters, Trump wolle die Bedingungen für einen „Regimewechsel“ im Iran schaffen. Dafür könnten die USA Kommandeure und Institutionen ins Visier nehmen, die für die gewaltsame Niederschlagung der Proteste verantwortlich sind. Dadurch – so die Überlegung – könnten die Demonstranten neuen Mut fassen und die Proteste erneut aufflammen. Militärexperten zufolge könnte das US-Militär auch gezielt Einrichtungen der iranischen Führung um das geistliche Oberhaupt Ali Chamenei angreifen, um so einen Sturz der seit 1979 bestehenden Islamischen Republik zu begünstigen. Eine finale Entscheidung über einen Angriff auf den Iran sei jedoch noch nicht gefallen.
Trump erwägt wohl Angriff auf den Iran – Israel-Delegation reist nach Washington
Wie das US-Nachrichtenportal Axios berichtet, ist darüber hinaus auch eine Reise von israelischen Delegierten in die USA geplant. Die Regierungsvertreter sollen der Trump-Administration in Washington dabei Geheimdienstinformationen über mögliche Ziele im Iran zukommen lassen.
Neben den gewaltsam niedergeschlagenen Protesten scheint dabei auch das iranische Atomprogramm wieder verstärkt in den Fokus des US-Präsidenten zu rücken. „Hoffentlich wird der Iran schnell ‚an den Verhandlungstisch kommen‘ und ein faires und gerechtes Abkommen aushandeln – KEINE ATOMWAFFEN –, das für alle Parteien von Vorteil ist“, schrieb Trump in seinem Truth-Social-Beitrag am Mittwoch weiter. „Die Zeit läuft ab, es ist wirklich dringend! Wie ich dem Iran bereits einmal gesagt habe: SCHLIESST EIN ABKOMMEN!“
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Fotostrecke ansehenTrump schickt Flugzeugträger nach Iran – und erinnert an Angriff auf Atomanlagen
Trump verweist in dem Beitrag auch auf den unter dem Namen „Operation Midnight Hammer“ bekannten Angriff auf die Atomanlagen des Iran im Juni 2025. Die Bedeutung ist klar: Entweder kommt es zu einem Deal zwischen Trump und dem Iran oder die US-Streitkräfte nehmen das Land ins Visier. Unklar ist jedoch, ob Trump seiner Ankündigung auch Taten folgen lassen wird. Der US-Präsident ist bekannt dafür, immer mal wieder zu Rückziehern zu neigen. Das Akronym TACO – Trump always chickens out (dt. Trump kneift immer) – ist vor allem unter US-Demokraten ein viel genutzter Begriff.
Während Trumps „Armada“ immer näher kommt, wächst in der Region die Sorge vor der Eskalation. Auch Saudi-Arabien positioniert sich gegen einen US-amerikanischen Angriff auf den Iran. Premierminister Kronprinz Mohammed bin Salman soll dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian versichert haben, man werde den Luftraum und das Territorium nicht für Angriffsoperationen auf den Iran zur Verfügung stellen. Das meldet die Nachrichtenagentur SPA. Auch Russland warnte die USA vor einem militärischen Vorgehen gegen den Iran. Das Potenzial für Gespräche sei noch nicht ausgeschöpft, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Jede Gewaltanwendung gegen den Iran könne zu „Chaos“ in der Region führen und gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Iran kündigt „vernichtende Antwort“ auf USA an – Straße von Hormus im Fokus
Aus dem Iran selber kommen ebenfalls scharfe Töne in Richtung Washington. Jeder Angriff auf den Iran werde eine „vernichtende Antwort“ Teherans zur Folge haben, sagte der iranische Armeechef Amir Hatami im Staatsfernsehen. Die Streitkräfte seien mit 1000 weiteren Drohnen ausgestattet worden. Bei der Produktion der Drohnen seien die „neuen Bedrohungen“ sowie die Lehren aus dem zwölftägigen Krieg mit Israel im vergangenen Juni berücksichtigt worden.
In den Fokus rückt dabei auch die Straße von Hormus – eine Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer verbindet. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baqaei teilte am Mittwoch ein Bild von der Straße von Hormus, das auch als versteckte Drohung an die US-Regierung verstanden werden kann. Eine Blockade der Meerenge durch den Iran hätte massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Laut einem Bericht der US-Energieinformationsbehörde EIA aus dem Jahr 2019 muss knapp ein Fünftel des täglichen weltweiten Verbrauchs an Erdölprodukten die Straße von Hormus passieren. Sollte der Iran sich zu diesem Schritt entscheiden, dürfte die Lage in der Region noch weiter eskalieren. (Quellen: Reuters, dpa, Axios, SPA, Truth Social, X) (fdu)