Ein überraschendes Bekenntnis. Alice Brauner hätte viele Gründe nennen können, warum ihr Vater, der legendäre Filmproduzent Artur Brauner, 1959 den Halbstarken-Film „Am Tag, als der Regen kam“ produziert hat. Weil er immer nach Amerika geschaut hat und einen Stoff wie „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ auf deutsche Verhältnisse übertragen wollte. Weil er buchstäblich auch Themen auf der Straße suchte. Und weil er viele von den Nazis vertriebene jüdische Filmemacher zurück nach Deutschland holte, wie in diesem Fall Gerd Oswald.

Mario Adorf spielte nur mit, weil er beim Armdrücken verlor

Aber alles nur Nebensache. Artur Brauner liebte das Chanson „Am Tag, als der Regen kam“ von Dalida, der damals gerade in den Hitparaden war. Nur deshalb wollte er den Film machen. Auch wenn es in dem Lied um etwas ganz anderes ging. Und es im Film nie geregnet hat. Das war ihm aber egal. „Man kann nur froh sein, dass er das Lied nicht selbst eingesungen hat“, so seine Tochter. Er wäre so gern Sänger geworden. Er konnte es aber nicht.

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Der Film lief am Dienstag in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“, in der die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast an jedem ersten Dienstag im Monat einen waschechten Berlin-Film zeigt. Und da gehört dieser Film unbedingt dazu. Hatte Brauner doch an vielen bekannten Ecken drehen lassen. Auch am Reichstag. Der damals noch eine Ruine war, von einem Bretterzaun umgeben. Und nahe an der Sektorengrenze zu Ost-Berlin. Wie hat man in diesem noch offenen, aber politisch hochexplosiven Niemandsland nur eine Drehgenehmigung bekommen? „Das war mein Vater“, so Alice Brauner, „er konnte einfach alle überreden. Er konnte alle überzeugen.“

Am Tag als der Regen kam

Im Film spielen unter anderem Gert Fröbe. Den Brauner immer besetzt hat. Auch wenn er ihn privat als grauenhaft empfand. Die Hauptrolle spielte aber Mario Adorf. Da war es eher andersrum. Adorf hatte erst zwei Jahre zuvor seinen Durchbruch mit „Nachts, wenn der Teufel kam“ beschert. Brauner wollte ihn auch für diesen Film haben, musste ihn dafür aber erst zum Armdrücken herausfordern. Und auch wenn sie eine lange Freundschaft verbinden sollte und Adorf mit Brauner 2017 auch noch dessen 100. Geburtstag feierte, am selben Ort, im Zoo Palast: Auf den Produzenten war er lange nicht gut zu sprechen. Dessen Produktionsfirma „CCC“ stand für Adorf nicht für Central Cinema Company, sondern für „Zahle ziemlich zögerlich“.

Alice Brauner spricht an diesem Abend nicht nur über diese alte Produktion. Sondern auch über den jüngsten Film der CCC, der ganz in der Tradition der Filme über den Holocaust steht: „Block 10“, der vom KZ Auschwitz erzählt. Und zu dem Alice Brauner selbst das Drehbuch geschrieben hat. „Wenn Sie glauben, Sie wüssten alles über Auschwitz, das tun Sie nicht. Auch ich dachte es. Aber der Oberarzt dort war nicht Josef Mengele, sondern Carl Clauberg“. Von ihm handelt der Film, Axel Prahl spielt ihn. Die Premiere ist für den Herbst geplant. Dann feiert die CCC auch ihr 80-jähriges Bestehen. Was mit einer großen Feier zelebriert werden soll.

Als Nächstes werden wir in unserer Filmreihe am 2. März den Berliner Filmemacher Rosa von Praunheim ehren, der Ende November verstorben ist.