Contracting bedeutet, dass der Versorger dem Kunden eine Energie-Komplettlösung stellt. Wie sich ein Verkauf auf die Kundschaft auswirken könnte.
Der Energieversorger EnBW prüft derzeit den Verkauf seiner Contracting-Sparte. Sie bietet der Kundschaft eine Komplettlösung für die Energieversorgung – von der Planung und Finanzierung über den Bau bis hin zum eigentlichen Betrieb der Anlage.
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- Die EnBW erwägt den Verkauf ihres Contracting-Geschäfts. Hintergrund soll die Finanzierung geplanter Investitionen bis 2030 sein.
- Rund 70 Prozent der 219 eigenen Contracting-Anlagen befinden sich laut der EnBW in Baden-Württemberg.
- Kommunen zeigen sich besorgt, weil die EnBW ein wichtiger Partner für die Energieversorgung vor Ort ist.
- Laut EnBW ist noch keine Entscheidung gefallen, eine verantwortungsvolle Lösung werde angestrebt.
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Der Karlsruher Energieversorger EnBW prüft den Verkauf seines Contracting-Geschäftsbereichs. Dies bestätigte Konzernsprecherin Silke Walter, nachdem zunächst die „Stuttgarter Zeitung“ darüber berichtet hatte. Bis 2030 plane die EnBW Investitionen in Höhe von bis zu 50 Milliarden Euro und verfolge „einen klaren Plan, um den Umbau des Energiesystems weiter voranzutreiben“.
Eine kontinuierliche Überprüfung des Portfolios hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der „Übereinstimmung mit unserer strategischen Ausrichtung ist vor dem Hintergrund dieser massiven Investitionen fester Bestandteil unserer Geschäftsroutine“, schreibt Walter auf Anfrage unserer Redaktion. Damit stelle man sicher, „dass unsere Aktivitäten sowohl wirtschaftlich tragfähig sind als auch zur weiteren strategischen Ausrichtung unseres Unternehmens passen“.
Contracting umschreibt einen Energie-Komplettservice
Unter Contracting im Energiesektor versteht man das Anbieten einer Energie-Komplettlösung für den Kunden. Das bedeutet, dass Anbieter wie die EnBW die komplette Energieversorgung eines Standorts übernehmen.
Zunächst geht es um das Konzept, ehe dann die Finanzierung, der Bau und der Betrieb folgen. Der Eigentümer zahle das Ganze über eine Contracting-Rate oder über die Vergütung des Wärme- beziehungsweise Kältepreises über einen längeren Zeitraum zurück, heißt es auf der Internetseite der Deutschen Energie-Agentur.
Das Energie-Contracting sei ein langfristig angelegtes und verlässlich kalkuliertes Geschäftsmodell, so Walter. „Investitions- und Betriebskosten werden über einen festen, teilweise gleitenden Grundpreis abgedeckt. Schwankende Energiekosten wiederum werden über vertraglich definierte Preisgleitklauseln transparent weitergegeben.“ Dadurch trage der Anbieter kein wirtschaftliches Risiko durch die unbeständigen Energiemärkte.
70 Prozent der Contracting-Kundschaft der EnBW sitzt in Baden-Württemberg
Die EnBW hat im Contracting-Geschäft den eigenen Angaben zufolge insgesamt und deutschlandweit 219 Anlagen beziehungsweise Standorte. Davon befinden sich laut der Konzernsprecherin rund 70 Prozent in Baden-Württemberg. Kommunen machen insgesamt rund 20 Prozent aus, nicht alle liegen allerdings in Baden-Württemberg. Der überwiegende Teil der Contracting-Anlagen sei Kunden der Immobilienwirtschaft und Industrie zuzuordnen, schreibt Walter zudem.
Die Städte und Gemeinden sehen die Verkaufspläne laut der „Stuttgarter Zeitung“ mit Sorge. Der Konzern sei beim Contracting ein „wichtiger Partner“. Zudem hieß es laut der Zeitung aus kommunalen Kreisen, dass es auch nicht im Interesse des Landes sein könne, wenn sich die EnBW zur Stabilisierung ihrer Finanzen von dieser Sparte trenne.
Laut der EnBW steht ein Beschluss noch aus
Die Unternehmenskommunikation des Konzerns beschwichtigt derweil, dass noch kein Beschluss gefällt worden sei. „Das Contracting-Geschäft profitiert von langjährigen Kundenbeziehungen und verfügt über gute Wachstumschancen, gehört jedoch nicht zum unmittelbaren Kerngeschäft der EnBW“, heißt es aus Stuttgart weiter.
Bei der Prüfung einer möglichen Trennung vom Contracting-Geschäft suche man „nach einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Lösung, sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Mitarbeitenden“. Ein Käufer „mit entsprechendem Fokus könnte helfen, die Potenziale des Contracting-Bereichs noch besser zu entfalten“.
Unabhängig von den Contracting-Dienstleistungen biete man den Kommunen in Baden-Württemberg auch weiterhin ein umfassendes Leistungsportfolio. „Die langjährig gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kommunen bleibt für uns als Unternehmen weiterhin von besonderer Bedeutung. Daran ändert ein möglicher Verkauf der Contracting-Aktivitäten nichts“, beteuert Sprecherin Walter.
Für den vedec, den Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting, sind die Contracting-Aktivitäten alles andere als nebensächlich. „Bereits heute setzen Contractoren Projekte um, die zu einer deutlichen Verbesserung der Energieeffizienz führen, die erneuerbare Energien integrieren und die die Energiewende vor Ort zu den Bürgerinnen und Bürgern bringen“, heißt es auf der Verbands-Homepage.
Das Vorgehen soll einen Beitrag zum Klimaschutz leisten
Letztlich sei der Schutz des Klimas „eines der größten Bedürfnisse der Bevölkerung“. Die Klimaschutzziele könnten nur erreicht werden, wenn die Bemühungen zur Steigerung der Energieeffizienz mit Energiedienstleistungen erheblich erhöht würden. „Damit können die Kosten für die Allgemeinheit gesenkt werden, da durch geringeren Verbrauch der Bedarf an Infrastruktur für die Energiebereitstellung sinkt.“
Parallel würden Akzeptanzprobleme, Armutsrisiken und die Abhängigkeit von Energieimporten gemindert. „Die Zusatznutzen für Umwelt, Wirtschaft, Gesundheit und Arbeitsmarkt sind vielfältig“, heißt es seitens des Branchenverbands weiter.