Nach einem desaströsen Januar soll bei Eintracht Frankfurt ab sofort alles besser werden. Der neue Trainer Albert Riera strotzt vor Selbstvertrauen und Tatendrang, schon an seinem ersten Tag weht ein anderer Wind bei den Hessen.
Audiobeitrag
Bild © IMAGO / Eibner|
zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags
Es hat sich etwas verändert bei Eintracht Frankfurt, das wurde am Dienstag im Profi-Camp des strauchelenden Bundesligisten sehr schnell klar. Die Wohlfühl-Atmosphäre unter Ex-Coach Dino Toppmöller, der stets vorbildlich und zuvorkommend im Umgang war, letztlich aber wohl auch daran scheiterte, ist Geschichte. Bei den Hessen wurde einmal kräftig durchgewischt, jetzt gilt es den Absturz zu stoppen und von vorne zu beginnen. Hauptverantwortlich dafür ab sofort: Albert Riera, 43 Jahre alt, Trainer-Sorte: harter Hund.
Riera sieht Lösungen, keine Probleme
Der Spanier, der auf die Fragen bei seiner Vorstellungs-Pressekonferenz auf Englisch antwortete und so auch zu seiner Mannschaft spricht, versprühte schon an seinem zweiten Arbeitstag in Frankfurt echte Chef-Vibes. Bei seinen Ausführungen riss Riera seine Augen auf und blickte seine Gegenüber fast schon durchdringend an. Seine Sätze formulierte er klar und unmissverständlich, „Es geht nicht um Probleme, es geht um Lösungen. Ich bin davon überzeugt, dass meine Lösungen uns helfen.“ Klare Sache: Zweifel an seiner Mission und vor allem sich selbst lässt Riera nicht zu. Da macht einer ernst.
Passend dazu wiederholte der gebürtige Mallorquiner noch einmal die für ihn wichtigsten Dinge, die er schon unmittelbar nach seiner Ankunft in Frankfurt am Montag in die Vereins-Mikrofone diktiert hatte. Es gehe in erster Linie um Selbstvertrauen, Leidenschaft, Energie und Disziplin, so Riera. Allesamt Eigenschaften, die die Eintracht-Profis in der jüngsten Vergangenheit so gar nicht verkörperten. Dass Riera erst einmal in den Köpfen der Spieler ansetzt, ist deshalb der richtige Schritt. „Ein Spieler mit Selbstbewusstsein ist 50 Prozent stärker. Ich gebe ihnen dieses Selbstbewusstsein.“ Klingt kompliziert. Dass Riera das schafft, ist für ihn aber offenbar selbstverständlich.
Videobeitrag
Video
57:10 Min.|hr
Die komplette Eintracht-PK mit Albert Riera und Markus Krösche
Video
Bild © IMAGO / Hartenfelser
Ende des Videobeitrags
Zweifel passen nicht Rieras Selbstverständnis
Und überhaupt: Selbstzweifel gibt es bei Riera nicht. Als eine seiner ersten Amtshandlungen führte er einen Strafenkatalog ein und kündigte an, den Profis bei Missachtung seiner Regeln neben einer Geldstrafe auch zusätzliche Arbeit aufzubrummen. „Die Spieler können zu spät kommen, kein Problem. Aber dann arbeiten sie zum Beispiel eine Stunde mit dem Gärtner.“ Ein Satz, der bei Felix Magath mit Sicherheit sehr gut ankommen wird. Ein Satz, der aber auch zeigt, dass ab sofort ein anderer Wind bei der Eintracht weht. Das neue Frankfurter Gesetz trägt den Namen Riera. Seine Ideen sind gesetzt, das Team werde ihm vertrauen und folgen, so der Spanier: „Wenn ich den Spielern sage, dass sie vom Balkon springen sollen, dann werden sie springen.“
Wie wichtig ein Neuanfang auf der Trainerbank und beim Team-Klima ist, verdeutlicht ein kurzer Blick zurück. Im Januar, der aus Sicht der Hessen getrost als desaströs bezeichnet werden kann, endeten fünf von sieben Partien mit einer Niederlage, die Punktgewinne gegen Dortmund (3:3) und in Bremen (3:3) fühlten sich nicht viel besser an. Das Aus in der Champions League und die Trennung von Toppmöller waren unvermeidbar und kamen im Falle des langjährigen Erfolgs-Coaches wohl sogar zu spät. Nach 20 Gegentoren in einem Monat und dem komplett wirkungslosen Wechsel zur Interims-Lösung Dennis Schmitt braucht die Eintracht dringend externe Hilfe.
Spieler müssen raus aus der Komfortzone
Dass Riera der richtige Mann für die Reanimation dieses in den vergangenen Wochen erschreckend leblos wirkenden Teams sein kann, wurde bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Eintracht-Klamotten definitiv klar. Es ist nicht zu verleugnen, dass den Fußball-Liebhaber, der mehrfach sein Faible für einen attraktiven Spielstil betonte, direkt eine gewisse Aura umgibt. Riera strahlt etwas aus, der Spanier wirkt wie ein Anführer, der furchtlos vorweggeht und seine Mannschaft bedingungslos unterstützt. Gleichzeitig, auch das wurde deutlich, lässt er keine Ausreden zu. Wer nicht mitzieht, ist untendurch. „Wenn wir außerhalb dieses Geländes sind, können wir zusammen Wein oder Bier trinken. Hier drin geht es um Erfolg.“
Dieser Mix aus Souveränität, Selbstbewusstsein und Siegeswille könnte genau das sein, was die Eintracht jetzt braucht. Riera, so der erste und sehr klare Eindruck, ist ein Gegenentwurf zu Toppmöller und damit erst einmal die richtige Wahl. Klare Ansagen, ein klarer Plan und natürliche Autorität sind wohl exakt die Zutaten, die es braucht, um die Eintracht wieder aus diesem Tal zu holen. Es klingt abgedroschen, aber die in den vergangenen Jahren auf Händen getragenen und von Erfolg zu Erfolg eilenden Spieler müssen endlich raus aus ihrer Komfortzone. Die Eintracht befindet sich zwar bei Weitem nicht im Abstiegskampf. Die Einstellung muss sich aber danach anfühlen. Einer wie Riera kann das schaffen.
Dass Sportvorstand Markus Krösche, der sich erstmals vor zweieinhalb Jahren mit dem neuen Trainer traf, in letzter Zeit eine „Rette-sich-wer-kann-Mentalität“ in der Mannschaft ausmachte, passt ins Bild. Es hilft nur ein radikaler Schnitt.
Riera muss sich beeilen
Fußballerisch setzt der Kumpel von Mikel Arteta und Pep Guardiola – zumindest langfristig – dabei allerdings eher auf die feine Klinge. Sicherheits-Pässe und Angst vor Fehlern stehen ab sofort auf dem Index. Riera denkt offensiv, Riera möchte Spektakel. „Ich glaube daran, dass meine Teams eine Show zeigen. Wenn wir zwei Tore haben, wollen wir drei. Wenn wir drei Tore haben, wollen wir vier.“
Wie lange es dauern wird, bis die Eintracht das Konzept des neuen Trainers verinnerlicht hat und mit Leben füllt, wird sich jedoch zeigen müssen. Von heute auf morgen wird Riera es sicher nicht gelingen, die kriselnden Hessen aufzupäppeln. Da Sportchef Krösche allerdings noch einmal klarstellte, dass die Qualifikation für Europa weiter das Ziel sei, sollte möglichst schnell ein Effekt zu sehen sein. Ob Riera das schaffen kann? Er selbst glaubt jedenfalls sehr fest daran.
Videobeitrag
Video
01:23 Min.|hr
So lief die erste Pressekonferenz von Albert Riera
Video
Bild © hessenschau.de
Ende des Videobeitrags