Kurzfassung des Artikels:

  • Das Plattenlabel cpo aus Georgsmarienhütte hat 2024 mit dem Album „Ino“ einen Grammy für das beste klassische Sologesangs-Album gewonnen.
  • Die Produktion entstand in internationaler Zusammenarbeit mit dem Boston Early Music Festival im Alten Sendesaal in Bremen.
  • Trotz des renommierten Preises erwartet cpo keinen deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen, freut sich aber über den Imagegewinn.

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Was verbindet das Plattenlabel cpo mit Sitz in Georgsmarienhütte mit Weltstars wie Billie Eilish, Lady Gaga oder Kendrick Lamar? Antwort: Sie alle haben in diesem Jahr einen Grammy Award gewonnen. Gut, in die Riege „Weltstars der Popmusik“ will sich Burkhard Schmilgun, Programmchef bei cpo, nicht einordnen. Aber ein Grammy ist ein Grammy. Der wichtigste Musikpreis der Welt. Oder wie Schmilgun sagt: „Der Mercedes unter den Musikpreisen.“

Schon etwas her: 2015 gewinnt cpo seinen ersten Grammy

Auf der Homepage der Grammys, www.grammy.com, muss man ziemlich weit nach unten scrollen, um das Album „Ino“ zu finden – das „beste klassische Sologesangs-Album“ ist eine Kategorie unter 95. Die wichtigsten sind dabei natürlich die für das beste Pop-Album – Gewinner: der Latin-Pop-Sänger Bad Bunny für sein Album „Debí tirar más fotos“ – oder für den „Song des Jahres“, diesmal „Wildflower“ mit Billie Eilish.

Die Musikindustrie feiert sich selbst

Grammys gibt es für die beste Gospelaufnahme, fürs beste Jazzalbum, für die beste Aufnahmetechnik, 2025 zum ersten Mal fürs beste Albumcover. Und dann gibt es die Klassikkategorien: beste Orchesterdarbietung, beste Opernaufnahme, bestes Sologesangsalbum. Vergeben werden die Preise von der Recording Academy in Los Angeles, einem Dachverband der amerikanischen Musikindustrie, analog zu den Oscars, die die Filmindustrie vergibt. Nicht zufällig wird die Grammy-Trophäe – ein silbern glitzerndes Grammophon – Oscar der Musikindustrie genannt.

Programmchef und Produzent des Plattenlabels cpo: Burkhard Schmilgun.
Foto: Burkhard Schmilgun

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Schmilgun darf sich bereits zum zweiten Mal über einen Grammy freuen: 2015 stellte cpo die beste Operneinspielung des Jahres. Beteiligt damals: das Ensemble des Boston Early Music Festival und unter anderem die Sängerin Amanda Forsythe. Jetzt gewinnt die Sopranistin als Solistin in Georg Philipp Telemanns letzter Kantate „Ino“ den Preis fürs beste Soloalbum.

Erfolg auf den Seitenpfaden der klassischen Musik

Schmilguns Label cpo bewegt sich eher auf den Seitenpfaden der klassischen Musik – wer Aufnahmen mit Sinfonien des dänischen Komponisten Hakon Børresen sucht, wird bei cpo fündig. Nie gehört, den Namen? Eben.

Diese Strategie geht auf: Zwar orakeln die Auguren seit Jahren vom Tod der CD. cpo hingegen behauptet sich gut – wie auch der Mutterkonzern, der Tonträgerversand jpc, gute Verkaufszahlen erreicht. Außerdem verdient cpo an Rundfunkübertragungsrechten weltweit: „Eine sechsstellige Summe kommt da jedes Jahr herein“, sagt Schmilgun.

Mit Telemann bewegt er sich nun zwar nicht im Unterholz des Klassikgartens. Aber der Komponist steht im Schatten seiner Zeitgenossen Händel und Bach. cpo hingegen hält ein breites Angebot an Musik des Barockmeisters bereit, vieles davon aufgenommen vom us-amerikanischen Ensemble des Boston Early Music Festival, kurz BEMF, unter der Leitung von Paul O‘Dette und Stephen Stubbs.

Aufgenommen im Sendesaal Bremen

In dieser interkontinentalen Kooperation dürfte der Schlüssel für den Grammygewinn liegen: Mit den silbernen Grammophonen feiert sich die amerikanische Musikindustrie selbst, und deshalb zeichnen die Juroren in erster Linie amerikanische Produktionen oder amerikanische Künstler aus.

Trotzdem ist das Album „Ino“ eine waschechte cpo-Produktion. Wie seit zwei Jahrzehnten jährlich, gab es auch 2024 im Alten Sendesaal in Bremen eine Aufnahmesession mit dem BEMF. Denn es ist günstiger, 30 Musiker und Sängerinnen von der amerikanischen Ostküste nach Bremen zu fliegen und eine Woche lang im Hotel einzuquartieren, als in den USA zu produzieren.

So sehen Sieger aus: Das Cover zur grammy-gekrönten CD „Ino“.
Foto: cpo

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Diesmal lag das letzte Werk Telemanns auf den Notenpulten, eben die Kantate „Ino“. Den Anstoß dazu gab Schmilgun: „Ino stößt die Tür zur Klassik auf“, sagt er, der späte Telemann klinge schon stark nach Mozart. Die Produktion fand schnell Anklang; „es gab von Anfang an tolle Kritiken“, sagt Schmilgun. Und jetzt einen Grammy.

Auch deutsche Schallplattenpreise hat cpo schon gewonnen

Über die Wirkung des Preises macht sich Schmilgun allerdings keine Illusionen. „Natürlich hat unser Exportmanager sich mit Amerika in Verbindung gesetzt“ sagt er. Aber einen rasanten Anstieg der Verkaufszahlen erwartet er nicht. Aber über den „Imagegewinn“ freut sich Schmilgun dann doch.