In Friedrichshain soll die Danneckerstraße nach dem Prinzip der Schwammstadt entsiegelt und begrünt werden. Das Projekt orientiert sich an Pariser Vorbildern und wird mit Bundesmitteln gefördert. Zugleich macht die Debatte deutlich, wie umstritten neue Formen klimagerechter Straßenräume in Berlin weiterhin sind.
Die Rue Édouard Pailleron, eine begrünte Gartenstraße in Paris, dient als Vorbild für Berlins erste Gartenstraße in Friedrichshain: Die Danneckerstraße soll entsiegelt und neu begrünt werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Chabe01, CC BY-SA 4.0
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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Boonekamp/ G-Haase, CC BY-SA 4.0
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will die Danneckerstraße am Rudolfplatz grundlegend umgestalten. Vorgesehen ist eine Entsiegelung des Straßenraums, ergänzt durch Begrünung, Baumpflanzungen sowie Maßnahmen zur Speicherung und Nutzung von Regenwasser. Der Umbau folgt dem sogenannten Schwammstadt-Prinzip, das darauf abzielt, Niederschläge vor Ort aufzunehmen und zeitverzögert abzugeben.
Für das Projekt stehen rund 1,6 Millionen Euro aus Bundesfördermitteln zur Verfügung, wie rbb24 berichtet. Derzeit befindet sich das Vorhaben in der Vorplanungsphase. Der betroffene Straßenabschnitt ist bereits verkehrsberuhigt, was die baulichen Eingriffe erleichtert und neue Spielräume für die Gestaltung des öffentlichen Raums eröffnet.
Danneckerstraße in Friedrichshain: Entsiegelung nach dem Schwammstadt-Prinzip geplant
Bereits seit 2020 dient die Danneckerstraße als temporäre „Klimastraße“. Der Abschnitt zwischen Rotherstraße und Rudolfstraße wurde für den motorisierten Verkehr gesperrt, stattdessen wurden Kübelpflanzen aufgestellt und neue Aufenthaltsflächen geschaffen. Die bisherigen Erfahrungen fließen nun in die dauerhafte Planung ein.
Ziel ist es, die bislang provisorischen Elemente durch feste bauliche Strukturen zu ersetzen. Künftig sollen entsiegelte Flächen, Bepflanzungen und neue Wege den Straßenraum prägen. Der Bezirk spricht in diesem Zusammenhang von der möglichen ersten „Gartenstraße“ Berlins, wie die Berliner Morgenpost mitteilt.
Pariser Vorbilder für Berlin: „Rues Jardin“ als Referenz für die Danneckerstraße
Orientiert sich Friedrichshain-Kreuzberg bei der Umgestaltung ausdrücklich an Beispielen aus Paris. Dort wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche sogenannte „Rues Jardin“ umgesetzt, bei denen ehemalige Fahrbahnen entsiegelt und in grüne Aufenthaltsräume umgewandelt wurden. Eine Delegation aus Friedrichshain-Kreuzberg hatte entsprechende Projekte im Herbst 2025 vor Ort besichtigt.
Auch jenseits der Danneckerstraße pflegt der Bezirk den Austausch mit der französischen Hauptstadt. Während Paris stark zentralisiert vorgeht und Parkplätze konsequent abbaut, setzt Friedrichshain-Kreuzberg häufiger auf temporäre Lösungen und Experimente. Vertreter der Pariser Stadtverwaltung bezeichneten diesen Ansatz laut Tagesspiegel als pragmatisch und innovativ, verwiesen jedoch auf Unterschiede in Dichte und Verwaltungsstrukturen.
Kritik aus der Bezirkspolitik: Zweifel an Vorbild Paris und Prioritätensetzung
Nicht unumstritten ist das Projekt in der Bezirkspolitik. Kritische Stimmen aus der CDU verweisen darauf, dass Paris häufig idealisiert werde und die Rahmenbedingungen beider Städte nur bedingt vergleichbar seien. Berlin sei deutlich größer, die Verkehrsströme komplexer. Zudem wird angemahnt, bestehende Grünanlagen besser zu pflegen, bevor neue geschaffen würden.
Die Kritik richtet sich weniger gegen die Idee der Begrünung als gegen die Prioritätensetzung. Angesichts begrenzter Mittel stelle sich die Frage, ob zusätzliche Grünflächen langfristig unterhalten werden können. Diese Diskussion begleitet viele klimaorientierte Umbauprojekte im Berliner Stadtraum.
Straßenräume im Wandel: Danneckerstraße als möglicher Modellfall für Berlin
Unabhängig von der politischen Debatte zeigt das Projekt, dass sich der Umgang mit Straßenräumen in Berlin verändert. Entsiegelung, Regenwassermanagement und Aufenthaltsqualität gewinnen an Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse.
Ob die Danneckerstraße langfristig als Modell für weitere Straßen dienen kann, hängt von Umsetzung, Akzeptanz und Pflege ab. Friedrichshain-Kreuzberg nutzt den Umbau, um neue Antworten auf die Frage zu testen, wie Straßen künftig nicht nur Verkehrsflächen, sondern auch klimaangepasste Stadträume sein können.
Quellen: rbb24, Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, B.Z.
