Kiel. Es geht um mehr Verkehrssicherheit: Die Einführung von speziellen Blitzern zur Überführung von Handysündern am Steuer rückt in Schleswig-Holstein näher. Eine entsprechende Ermächtigungsgrundlage zum Betrieb einer KI-gestützten Verkehrsüberwachungssoftware befinde sich in der Finalisierung, so das Innenministerium auf Anfrage der Kieler Nachrichten. „Die Rechtsgrundlage wird den Einsatz von Handyblitzern für die Landespolizei erlauben.“ Zur konkreten Ausgestaltung könne man noch keine Angaben machen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

Grundsätzlich funktioniert das System so: Die Handyblitzer, auch Monocams genannt, erfassen vorbeifahrende Autos üblicherweise von einer erhöhten Position, zum Beispiel von einer Autobahnbrücke.

Handykameras in SH für mehr Verkehrssicherheit

Die Software der Kameras erkennt automatisch, wenn ein Fahrer ein elektronisches Gerät in der Hand hält. In diesem Fall macht die Kamera mehrere Beweisbilder, die anschließend von der Polizei überprüft werden. Bei einem festgestellten Verstoß wird ein entsprechendes Bußgeldverfahren eingeleitet.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

„Die Einführung von Handyblitzern kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen weiter zu erhöhen“, sagt Innenministerin Magdalena Finke (CDU). Ablenkung durch Handys im Straßenverkehr gehöre nach wie vor zu den Hauptursachen schwerer Verkehrsunfälle. „Schon ein kurzer Blick auf das Display reicht aus, um mehrere Meter im Blindflug unterwegs zu sein.“ Handyblitzer könnten dabei helfen, „diese Gefahr gezielt zu bekämpfen und das Fehlverhalten im Straßenverkehr wirksam zu ahnden“.

Die Einführung von Handyblitzern kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen weiter zu erhöhen.

Magdalena Finke (CDU)

Innenministerin

In Schleswig-Holstein gab es im Jahr 2024 insgesamt 99 Verkehrsunfälle in Zusammenhang mit Ablenkung durch ein elektronisches Gerät, davon in mehr als der Hälfte mit Personenschaden. Laut Innenministerium wird zu den registrierten Unfällen eine hohe Dunkelziffer angenommen. Im nördlichsten Bundesland wurden 2024 knapp 15.000 Fälle festgestellt, in denen ein Handy am Steuer genutzt wurde.

Handy am Steuer: 100 Euro Bußgeld

Die Strafe für das Vergehen: mindestens 100 Euro und einen Punkt in Flensburg. Experten geht das aber nicht weit genug. Beim bundesweiten Verkehrsgerichtstag vor wenigen Tagen forderten die rund 1700 Fachleute, das Bußgeld für Handy-Vergehen auf mindestens 250 Euro anzuheben. Zudem solle es künftig zwei Punkte im Fahreignungsregister geben. Die Experten sprachen sich außerdem für mehr Kontrollen mithilfe von Handyblitzern aus.

Handyblitzer sind bisher in Deutschland eine Seltenheit. Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, das diese Technik bereits nutzt – seit April 2025 im Regelbetrieb. Schleswig-Holstein könnte künftig das zweite Bundesland sein, welches die Monocams einsetzt. Die Kommunen dürfen sich der Technik aber nicht bedienen, die Rechtsgrundlage im Norden wird ausschließlich für die Landespolizei geschaffen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

Beim Verkehrsclub ADAC in Schleswig-Holstein stößt der Vorstoß der Landesregierung auf Zustimmung. „Ein Handy am Steuer und die daraus entstehende Ablenkung ist eine große Gefahr, der wir begegnen müssen“, sagt ADAC-Sprecher Rainer Pregla. Handyblitzer könnten positiv zur Verkehrssicherheit beitragen. Wichtig ist dabei laut Pregla, dass der Datenschutz beachtet werde.

KN