Fotos und private Daten liegen auf Google Drive oder in der Apple Cloud, E-Mails und die eigene Website auf Servern von Microsoft und Amazon. Im Alltag vertrauen wir sensible Daten Dienstleister:innen an, ohne zu wissen, wo diese gespeichert werden. Erst wenn die Daten gestohlen werden oder durch ein technisches Versagen nicht zugänglich sind, machen wir uns Gedanken darüber. Deutlich wurde dies im Herbst 2025, als es bei den wichtigsten Hosting-Anbietern Amazon Web Services und Cloudflare zu Ausfällen kam, von denen Millionen von Websites weltweit betroffen waren. Diese beiden Fälle machten deutlich, wie sehr unsere digitale Infrastruktur von wenigen Akteuren abhängig ist.

Was ist digitale Souveränität?

Und diese Abhängigkeit versucht die Europäische Union seit Jahren zu reduzieren, indem sie digitale Souveränität fördert. Die EU definiert diese als „die Fähigkeit, in der digitalen Welt unabhängig zu handeln“. Es geht darum, nicht mehr von Technologien und Geschäftsmodellen von Drittstaaten abhängig zu sein, sondern eigenständig agieren zu können. Dies soll einerseits durch die Förderung von Innovation und Infrastruktur innerhalb der EU und andererseits durch die Einschränkung der Macht der derzeit überwiegend aus den USA stammenden Anbieter erreicht werden.

In der Praxis geschieht dies seit Jahren durch die Einführung der Datenschutz-Grundverordnung sowie des Digital Services Act und des Digital Markets Act. Diese stellen die rechtlichen Rahmenbedingungen dar, die Technologieanbieter zu mehr Datenschutz, mehr Transparenz und fairem Wettbewerb verpflichten. Die digitale Souveränität soll jedoch noch weiter reichen: So soll etwa eine eigene Dateninfrastruktur aufgebaut und ein vertrauenswürdiges Umfeld durch Standards und Zertifizierungen geschaffen werden.

Österreich legt Maßnahmen vor

Wie dies gelingen kann, wurde am 18. November beim Europäischen Gipfel für Digitale Souveränität diskutiert. Dabei unterzeichneten alle Mitglieder eine von Österreich initiierte „Deklaration für Digitale Souveränität“. Diese Deklaration ist jedoch kein Maßnahmenplan, sondern vorerst nur ein Bekenntnis zu dem Ziel der technologischen Unabhängigkeit. Vor allem aus Deutschland und Frankreich kam der Appell, Regulierungen wie etwa jene beim AI Act zu vereinfachen und damit wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen. Die beiden Mitgliedstaaten wollen mit einer Taskforce konkrete Maßnahmen ausarbeiten.

Die österreichische Bundesregierung präsentierte indes schon vor dem EU-Gipfel eine Reihe von Maßnahmen für die Umsetzung der Digitalen Souveränität. Die öffentliche Verwaltung soll auf Open-Source-Software umsteigen. Dabei handelt es sich um Software, deren Entwicklung einsehbar ist und die deshalb vor allem bei sensiblen Einsätzen mehr Sicherheit und Kontrolle bieten soll als Lösungen von Anbietern wie Microsoft. Das Bundesheer hat bereits im vergangenen Herbst Microsoft Office durch die Open-Source-Alternative LibreOffice ersetzt. Im Januar kündigte das Bundesrechenzentrum an, auf eine Infrastruktur umzustellen, die der digitalen Souveränität entspricht.

US-Konzerne investieren Milliarden in souveräne Lösungen

Die großen Player am Markt wollen das Geschäft in Europa jedoch nicht verlieren und bieten deshalb bereits Lösungen an, die der europäischen Strategie gerecht werden sollen. Der Cloud-Dienstleister Amazon Web Services eröffnete im Januar in Brandenburg eine „European Sovereign Cloud“. Die Daten sollen dort so abgelegt sein, dass sie vom Hauptstandort USA getrennt sind und die USA somit keinen Zugriff auf kritische Infrastruktur haben. Ein ähnliches Projekt plant Google. Beide Unternehmen wollen in den kommenden Jahren Milliarden investieren, um Rechenzentren in Europa anzusiedeln. Das bedeutet allerdings auch, dass die Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen bestehen bleibt, sofern keine echten europäischen Alternativen etabliert und gefördert werden.

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