Die Lagerhalle, die die amerikanische Einwanderungsbehörde ICE in Virginia kaufen wollte, liegt an einer vierspurigen Straße in der Kleinstadt Ashland: ein weißer Flachbau, 17 Hektar, 2024 gebaut, auf der gegenüberliegenden Seite ein Kettenhotel und ein Outdoorladen. Man plane, innen und außen Änderungen vorzunehmen, hieß es in einem Brief des Heimatschutzministeriums an die Chefplanerin des zuständigen Bezirks Hanover County im Januar. Vorgesehen seien etwa ein Zaun, Überwachungskameras, „Aufnahme- und Bearbeitungsbereiche“, Sanitäranlagen und eine Krankenstation.

Die Lagerhalle sollte als eine von Dutzenden im Land künftig als Haftanstalt für Migranten dienen. In dem Schreiben hieß es, sie solle die „Operationen von ICE unterstützen“.

Doch der öffentliche Druck auf die Einwanderungsbehörde nach den tödlichen Schüssen auf zwei Amerikaner in Minneapolis erschwert das Vorhaben der Regierung, weitere Lagerhallen zu kaufen und zu Haftzentren umzufunktionieren. In Virginia machte das kanadische Unternehmen, das dem Verkauf eigentlich schon zugestimmt hatte, nach Protesten und Boykottaufrufen einen Rückzieher.

Am vergangenen Freitag veröffentlichte es eine einzeilige Stellungnahme: Der Verkauf des Industriegebäudes in Ashland werde nicht stattfinden. Zuvor hatte es geheißen, man habe zugestimmt, bevor man vom Käufer und seinen Plänen für die Immobilie gewusst habe.

Haftanstalt braucht mehr Strom und Wasser

Amerikanische Medien berichteten im Dezember vom Plan der Regierung, Mi­granten künftig an zwei Dutzenden Orten im ganzen Land in umgebauten Lagerhallen festzuhalten. Die damals vom Kongress verabschiedete „Big Beautiful Bill“ des Präsidenten Donald Trump sieht 45 Milliarden Dollar für den Bau neuer ICE-Haftanstalten vor.

Nun hat das Heimatschutzministerium im Januar die ersten Gebäude gekauft. Amerikanischen Medienberichten zufolge haben die Hallen in Maryland, Arizona und Pennsylvania vor dem Umbau zusammen 259 Millionen Dollar gekostet. Eine weitere Lagerhalle im texanischen El Paso County, deren Preis zunächst nicht bekannt war, soll mit 8500 Insassen zu einer der größten Haftanstalten des Landes umgebaut werden.

Die Regierung treibt ihre Vorhaben nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg eilig voran. In den vergangenen Wochen sollen potenzielle Standorte in mehr als zwanzig Städten mit Bauunternehmen besichtigt und für Anfang Februar die ersten Vorschläge für Umbauten in Auftrag gegeben worden sein.

Viele Kommunen leisten Widerstand und verweisen auf eine unzureichende Infrastruktur sowie die Nähe der geplanten Standorte zu Schulen. Ihr Handlungsspielraum ist jedoch begrenzt: Zwar können sie sich weigern, Grundstücke an den Bund zu verpachten, auf Kaufentscheidungen privater Eigentümer haben sie in der Regel jedoch keinen Einfluss.

Rudy Cruz, Bürgermeister der Stadt Socorro nahe dem geplanten Haftzen­trum in Texas, äußerte jüngst gegenüber einer Lokalzeitung, es gebe ohnehin bereits viele Einwohner ohne adäquate Wasser- und Abwassersysteme. „Und jetzt will das Heimatschutzministerium hier noch 8500 Leute an unser Wassersystem anschließen – inklusive Subunternehmen und so weiter?“ Im Gegensatz zu einem normalen Lagerhallenbetrieb würden Wasser und Strom dann rund um die Uhr gebraucht.

Sorge vor menschenunwürdigen Zuständen

Laut der Regierung Trumps sind für die geplante Zahl von einer Million Abschiebungen pro Jahr mehr als hunderttausend weitere Betten in amerikanischen Haftanstalten nötig. Ein Dreiviertel davon könnte künftig in umgebauten Lagerhallen entstehen.

US-Präsident Donald Trump während eines Besuchs von „Alligator Alcatraz“ im Sommer 2025US-Präsident Donald Trump während eines Besuchs von „Alligator Alcatraz“ im Sommer 2025dpa

Der Sender CBS berichtete im Januar unter Berufung auf Daten des Heimatschutzministeriums, ICE halte zum ersten Mal in den 23 Jahren seit seiner Gründung mehr als 70.000 Menschen in Gewahrsam, insgesamt etwa 73.000. Das entspricht einem Anstieg von mehr als achtzig Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bisher hatte die Regierung versucht, durch Vereinbarungen mit lokalen Gefängnissen oder privaten Gefängnisbetreibern mehr Kapazitäten zu schaffen; das reichte jedoch nicht aus.

Angesichts improvisierter Haftanstalten wie dem vom Bundesstaat Florida geführten „Alligator Alcatraz“ in den Everglades gibt es auch mit Blick auf den Umbau von Lagerhallen Sorgen vor menschenunwürdigen Zuständen. Im vergangenen Jahr starben nach Zählungen amerikanischer Medien 31 Menschen in Gewahrsam der Einwanderungspolizei, so viele wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. 2024 waren es noch elf Todesfälle.

Amnesty International schrieb in einem Bericht über „Alligator Alcatraz“ im Dezember, Inhaftierte berichteten von „minderwertigen Lebensmitteln, extremen Temperaturen, permanenter Beleuchtung und eingeschränktem Zugang zu sauberem Wasser“. Hilfsorganisationen bemängeln auch den Zugang zu angemessener medizinischer Hilfe.

Die Einwanderungsbehörde weist Vergleiche mit Orten wie „Alligator Alcatraz“ von sich. Eine Sprecherin verwies im Zuge der jüngsten Käufe darauf, es handele sich bei den künftigen Einrichtungen nicht um Lagerhallen, sondern „gut strukturierte“ Einrichtungen mit den „üblichen Haftbedingungen“. Angesichts der täglichen Einsätze von ICE „zur Sicherheit der Amerikaner“ sei es wenig überraschend, dass man auch die Haftmöglichkeiten ausbauen müsse.