Die Fertigung einiger Fahrzeuge in Fords europäischen Werken würde Geely wahrscheinlich helfen, die EU-Zölle auf in China hergestellte Elektrofahrzeuge zu umgehen, schreibt Reuters. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf insgesamt acht mit den Verhandlungen vertraute Personen. Bei einem so großen Informantenkreis kann es wohl mehr oder weniger als gesichert angesehen werden, dass es diese Gespräche tatsächlich gibt.
Bei den genauen Inhalten der Verhandlungen ändert sich die Quellenlage aber. Laut drei Insidern geht es wohl darum, dass Geely Produktionsflächen von Ford in Europa für eigene Fahrzeuge nutzen kann – das ergibt vor allem bei Elektroautos Sinn, da China-Importe in die EU den Sonderzöllen unterliegen. Zwei weitere Informanten gaben an, dass auch über möglicherweise gemeinsam genutzte Fahrzeugtechnologien, „einschließlich automatisiertem Fahren“, gesprochen wurde.
Besonders die Gespräche über die europäische Produktion seien „weiter fortgeschritten“ so Reuters unter Berufung auf zwei Insider. Demnach ist in dieser Woche eine Ford-Delegation in China, „um die Gespräche zu intensivieren“. Zuvor wurde offenbar bei mehreren Treffen in Michigan über eine Zusammenarbeit verhandelt – die Gespräche laufen laut mehreren Quellen bereits seit Monaten. Ob dabei auch über den US-Markt gesprochen wurde, ist gemäß dem Reuters-Bericht nicht bekannt.
Ford baut in mehreren Europa-Werken E-Autos
Ford hat auf eine Anfrage mit Bitte um Stellungnahme reagiert, antwortete aber nur ausweichend: „Wir führen ständig Gespräche mit vielen Unternehmen zu verschiedenen Themen. Manchmal ergeben sich daraus konkrete Ergebnisse, manchmal nicht.“ Geely hat gegenüber Reuters einen Kommentar abgelehnt.
Über die potenziellen Auswirkungen eines möglichen Deals kann nur spekuliert werden. Ford verfolgt derzeit bei Elektroautos in Europa einen mehrgleisigen Ansatz: Das Unternehmen bietet hierzulande den aus Mexiko importierten Mustang Mach-E an, baut im rumänischen Craiova den Puma Gen-E auf Basis einer eigenen Plattform und hat das Werk Köln komplett auf die Produktion von Elektroautos umgerüstet – derzeit werden dort der Explorer und Capri auf Basis des MEB gebaut, der von Volkswagen eingekauft wurde. Künftig will Ford auch Elektroautos nahe Valencia bauen, das spanische Werk hatte einst den Standort Saarlouis bei der Vergabe ausgestochen. Und kürzlich wurde eine neue Partnerschaft mit Renault vereinbart: Die Franzosen werden wohl Elektro-Kleinwagen auf Basis der AmpR Small für Ford bauen, etwa einen elektrischen Fiesta-Nachfolger.
Auch wenn die Elektroauto-Produktion in Köln als eher schlecht ausgelastet gilt, drehen sich die Gespräche mit Geely laut Reuters „höchstwahrscheinlich“ um das Werk Valencia. Dort hat Ford noch nicht konkret angekündigt, welche Modelle auf Basis welcher Plattform gebaut. Im Sommer 2024, als Ford von seinem reinen Elektroauto-Ziel in Europa bis 2030 abgerückt ist, war nur von einer „Multi-Energie-Plattform“ für das spanische Werk die Rede.
Es ist derzeit also nicht ausgeschlossen, dass Geely hier eigene Technologie mit einbringt. Ford-CEO Jim Farley hatte sich immer wieder beeindruckt über die Technologie chinesischer Hersteller bei Elektroautos und der Vernetzung geäußert – etwa über seine Erfahrungen mit dem Xiaomi SU7. Geely verfügt über mehrere eigene Elektro-Plattformen, arbeitet mit dem neuen Ford-Partner Renault aber auch im Joint Venture Horse Powertrain zusammen an Verbrennungsmotoren.
Farley hat auch mehrfach die Bedeutung von Partnerschaften betont. Mitte Janaur wurde etwa bekannt, dass der US-Hersteller für Hybrid-Modelle womöglich Batterien von BYD beziehen könnte. In der vergangenen Woche gab es auch Bericht über eine mögliche US-Kooperation mit Xiaomi – das haben aber sowohl Ford als auch der chinesische Hersteller umgehend dementiert.