Ein Anti-ICE-Schild ist an einem Masten in Minneapolis, Minnesota, angebracht.

Stand: 04.02.2026 09:22 Uhr

Seit Wochen fühlen sich Bürger im US-Bundesstaat Minnesota von der Trump-Regierung drangsaliert – nicht zuletzt wegen der brutalen ICE-Einsätze. Dann vielleicht lieber Kanada anschließen? Was hinter dem Protest steckt.


Martin Ganslmeier

Eigentlich will Donald Trump Kanada zum 51. US-Bundesstaat machen. In Minnesota drehen sie den Spieß jetzt aber um: „Minnesota wäre heute besser dran, wenn wir zu Kanada gehörten“, schimpfte der frühere Gouverneur von Minnesota, Jesse Ventura, im kanadischen Sender CBC.

Protestinitiative gegründet

Tatsächlich hat sich in Minnesota eine Protestinitiative gebildet: Minnesota sollte die Vereinigten Staaten verlassen und sich dem Nachbarland im Norden anschließen – als 11. Provinz in Kanada. Der Premierminister der benachbarten kanadischen Provinz Ontario, Doug Ford, wäre dafür offen.

Schon vor einem Jahr konterte er Trumps Forderung, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen, mit einem Gegenangebot: „Wie wäre es, wenn wir Alaska und noch dazu Minnesota und Minneapolis kaufen?“

„Minnetoba“ statt Minnesota?

Der damals polemisch gemeinte Vorschlag des kanadischen Politikers hat nun unter dem Eindruck der ICE-Razzien in Minneapolis eine neue Aktualität bekommen.

In Minnesota kursieren bereits Autoaufkleber mit der kanadischen Flagge und einem neuen Namen für den Bundesstaat: Minnesota soll umbenannt werden in „Minnetoba“ – in Anlehnung an die kanadische Nachbarprovinz Manitoba.

Ex-Gouverneur empfiehlt, Trump zu drohen

Jesse Ventura ist Wortführer der Protestinitiative – und einer der bekanntesten Bürger von Minnesota. Die Wrestling-Legende gewann als unabhängiger Kandidat 1998 die Gouverneurswahlen in Minnesota und regierte den Bundesstaat vier Jahre lang. Er kennt Trump aus seiner Zeit als Wrestling-Profi. Für Minnesotas Politiker hat er eine klare Empfehlung: „Hart bleiben und diesem Kerl nichts geben.“

Trump sehe jedes Entgegenkommen als Zeichen von Schwäche, betonte Ventura im kanadischen Sender CBC. Auch deshalb sollte Minnesota jetzt mit einem Austritt aus den USA drohen:

Dieser feige Wehrdienst-Drückeberger muss lernen, dass Minnesota nicht klein beigibt. Dazu hat er sich den falschen Bundesstaat ausgesucht.

Betonung der Gemeinsamkeiten

In Internet-Posts liefern frustrierte Bürger von Minnesota weitere Argumente für den Anschluss an Kanada. Minnesota habe eine gemeinsame Grenze und gute nachbarschaftliche Beziehungen zu gleich zwei kanadischen Provinzen: Ontario und Manitoba.

Ähnlich wie Kanadier lieben Minnesotans eiskalte Winter, Eishockey und ein gefördertes Sozialsystem. Und nicht zuletzt liegen die Twin Cities Minneapolis und St. Paul noch weiter im Norden als das kanadische Toronto.

Clever – aber unrealistisch

Minnesota als 11. Provinz Kanadas – das ist schon jetzt eine clevere Protestinitiative. Vermutlich wird es jedoch dabei bleiben. Denn nach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg entschied der Oberste Gerichtshof 1869, dass kein Bundesstaat die Vereinigten Staaten von sich aus verlassen darf.