Der bekannte Augsburger Journalist und Pressesprecher Jürgen Marks kandidiert auf der Liste der Freien Wähler für den Stadtrat. Der frühere Vize-Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen hat dadurch viele Augsburger überrascht. Im Interview mit Augsburg Journal-Chefredakteurin Anja Marks-Schilffarth lüftet der 63-Jährige das Geheimnis hinter seiner Kandidatur.

Anja Marks-Schilffarth: Erstmal müssen wir was klären: Ich bin schuld, dass Du da bist. Wir haben uns Anfang der 90er in Berlin kennengelernt – ich Augsburgerin, Du Hamburger. Wie’s dann so kommt, habe ich Dich ins schöne Bayern „importiert“, wir waren 21 Jahre lang verheiratet und haben zwei tolle gemeinsame Kinder. Das sollten unsere Leser wissen, bevor sie dieses Interview lesen.

Jürgen Marks: Das gibt es wohl auch nicht so oft, dass man von seiner Ex-Frau interviewt wird. Wird sicher hart für mich (schmunzelt).

Jürgen Marks: Interview mit Ex-Frau Anja Marks-Schilffarth

Marks-Schilffarth: Da kannst du davon ausgehen (lacht). Also – „Butter bei die Fische“, wie man bei Dir in Hamburg sagt: Was willst Du überhaupt im Augsburger Stadtrat?

Marks: Stimmt. Ich bin in Hamburg geboren. Aber ich lebe ja schon über 30 Jahre in Augsburg. Diese Stadt ist meine urbane große Liebe. Und daran warst du nicht ganz unschuldig. Vor allem hat mich auch dein Vater, AJ-Herausgeber Walter-Kurt Schilffarth, für Augsburg begeistert. Er hat mir viele liebenswerte Insider-Geschichten über diese Stadt erzählt. Ich kenne keinen Menschen, der Augsburg so kennt und für die Stadt so brennt wie er. Ich finde, er hätte längst die Ehrenbürgerschaft verdient. Walter hat mir ein Augsburg-Gen eingepflanzt. Und das war der erste Schritt in Richtung Stadtrat. Wusste ich damals aber selbst noch nicht.

Marks-Schilffarth: Klingt noch nicht überzeugend für mich. Wir haben nach den ersten Jahren in Augsburg ja auch nochmal drei Jahre in Hamburg gelebt – und da musste ich bei Dir ganz schön Überzeugungsarbeit leisten, dass wir wieder runterziehen in den Süden ….?

Marks: Stimmt. Als „Focus“-Chef in Norddeutschland hatte ich eine sehr spannende Aufgabe. Das gibt man nicht so gerne auf.

„Ich habe mir fünf Jahre lang auf die Zunge beißen müssen“

Marks-Schilffarth: Dann kam aber ja auch nicht gleich Augsburg, sondern erstmal ein paar Jahre als Chefredakteur von „Focus Online“ in München. Dann bist Du in die Chefredaktion der Augsburger Allgemeinen gewechselt. Also wie schlägt Dein Herz denn jetzt wirklich – als Hamburger, Münchner oder Augsburger?

Marks: Augsburg ist schon lange mein Lebensmittelpunkt. Und durch die 13 Jahre bei der AZ bekam ich noch mehr Einblicke in die Stadtpolitik. Als ich dann 2019 als Pressesprecher ins Bayerische Wirtschaftsministerium gewechselt bin, habe ich mir fünf Jahre lang auf die Zunge beißen müssen. Kein Wort über Augsburgs Stadtpolitik. Macht man nicht, wenn man aus einer Redaktion ausscheidet. Aber dann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten.

AJ-Herausgeberin Anja Marks-Schilffarth beim Interview mit ihrem Ex-Mann Jürgen Marks.

Marks-Schilffarth: Ich finde, dass Augsburg auch ohne Dich ganz gut zurechtkam … Was war der Auslöser?

Marks: Der springende Punkt für mich war, wie respektlos die Stadtspitze mit den vielen Oberhausern umgegangen ist, die sich gegen die Verlegung des Süchtigentreffs vom Helmut-Haller-Platz ins Wohngebiet bei St. Johannes am Friedensplatz gewehrt haben. Die Arbeitsgemeinschaft Oberhausen hatte über 3000 Unterschriften gegen die Verlegung gesammelt. Das waren besorgte Bürger, Familien, Migranten. 50 Oberhauser kamen zur Übergabe auf den Rathausplatz und wollten die Unterschriften übergeben, doch nur zwei Delegierte wurden im Rathaus empfangen…

Marks-Schilffarth: Ja okay – aber woher kommt denn überhaupt dieses plötzliche Interesse an Oberhausen – bei Dir als leidenschaftlichem Innenstädter?

Marks: Warte… Dann gab es noch die Stadtratssitzung, in der ein grüner Stadtrat die anwesenden Oberhauser verhöhnt hat. Ich bin daraufhin der AG Oberhausen beigetreten und setze mich für die Interessen der Menschen in diesem Stadtteil ein, weil sie es verdient haben.

Zahlreiche Augsburger finden sich nicht in der aktuellen Stadtregierung wieder

Marks-Schilffarth: Du hast also plötzlich so eine Art „Robin Hood-Gen“ an Dir entdeckt? Das kannte ich jetzt gar nicht so bei Dir …

Marks: Eher Little John. Aber im Ernst: Ich habe mich dann in meinem Social Media-Blog, der inzwischen fast 11.000 Follower hat, intensiver mit der Stadtpolitik befasst und bekomme viel Feedback. Da spürt man, wie sehr sich zahlreiche Augsburger in dieser Stadtregierung nicht wiederfinden. Diesen Menschen möchte ich ihr Augsburg zurückgeben. Das AUGSBURG JOURNAL hat den Ärger ja auch gespürt – bei Eurer Umfrage zur Parkplatzsituation in der Augsburger City.

Marks-Schilffarth: Das stimmt. Drei Viertel der Teilnehmer sind der Meinung, dass die Maßnahmen der Stadtregierung in der Maxstraße autofeindlich sind. Zwei Drittel sagten, sie würden häufiger in die Stadt zum Einkaufen kommen, wenn es wieder mehr Stellplätze geben würde.

Marks: Siehst du. Viele kaufkräftige Augsburger ärgern sich vor allem über die grüne Dominanz in der Stadt. Gerade Ältere fühlen sich nicht mehr ernst genommen. Sie ärgern sich zum Beispiel, dass ihre Parkplätze am Friedhof in der Hermanstraße in Radwege umgewandelt wurden. Hast du schon mal Senioren zum Friedhof radeln sehen?

„Leistung und Lebensfreude ist das Credo“

Marks-Schilffarth: Na ja – Du bist doch inzwischen auch unter die Radler gegangen. Wichtiger ist doch die Frage: Warum trittst Du für die Freien Wähler an, die in Augsburg ja eigentlich keine große Rolle spielen?

Marks: Täusche dich nicht. Die Freien Wähler sind auf dem Weg, Augsburgs starke Mitte zu werden. Die FW haben das Potenzial, die vielen unzufriedenen CSU-Wähler aufzufangen, die mit dem Gedanken spielen, AfD zu wählen. Du weißt, dass ich bürgerlich, liberal, wirtschaftsfreundlich denke. Leistung und Lebensfreude ist das Credo. Und bei den Freien Wählern finde ich zahlreiche Gleichgesinnte.

Marks-Schilffarth: Na ja – das Projekt „mitte.augsburg“, die Kombi aus mehreren ähnlich gesinnten Parteien, ist ja mal sofort gefloppt. Für die wolltest Du ja sogar als OB-Kandidat antreten. Jetzt auf dem Weg zum Freie Wähler-Stadtrat hat’s intern auch schon wieder Streitereien gegeben?

Marks: Wir haben die Freien Wähler in Augsburg neu aufgestellt. Ältere haben ihre Plätze verloren, starke neue Köpfe sind dazugekommen. Manchmal rumpelt es eben ordentlich im Getriebe, wenn man einen Gang hochschaltet. Jetzt haben wir die beste Stadtrats-Liste in Augsburg. Unternehmer, Handwerker, Juristen, sozial und ehrenamtlich Engagierte. Wir ziehen alle an einem Strang – in dieselbe Richtung. Und unser Spitzenmann Hannes Aigner wird viele noch überraschen. FW steht nämlich für Frischer Wind.

Marks-Schilffarth: Frischer Wind – so so … und was, wenn’s nur ein laues Lüftchen wird …?

Marks: Der Wind des Wechsels wird uns mit einer starken Mannschaft in den Stadtrat tragen. Deine Kritik spornt mich an.

Hier gibts das ganze Interview zum Anhören:

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