Ein weiterer Schwerpunkt der Projektarbeit lag auf der Vorbereitung eines Garantiefonds, der privaten Investoren den Einstieg in erneuerbare Energien erleichtern soll. Das ist entscheidend, weil Investitionen unter den Kriegsbedingungen mit erheblichen Risiken verbunden sind. Ohne Garantien fließt kaum privates Kapital. „Wir wollen unbedingt, dass private Akteure investieren. Sie bringen zusätzliches Kapital ins Land und wissen oft am besten, wo Anlagen sinnvoll errichtet werden können“, so Zachmann.

Gerade erneuerbare Energien können Risiken verringern. Während der Ausfall eines großen Kraftwerks ganze Regionen stilllegt, bleiben Schäden an einzelnen Solar- oder Windanlagen lokal begrenzt. Erneuerbare Energien erfüllen somit eine doppelte Funktion: als Baustein für den Wiederaufbau und als Element kurzfristiger Resilienz. 

Die Projektarbeit basiert auf einer detaillierten Analyse des ukrainischen Energiesystems. In den vergangenen Jahren hat das Projektteam ein Modell entwickelt, mit dem sich etwa berechnen lässt, unter welchen Bedingungen Stromabschaltungen auftreten und wie sich diese durch höhere Stromimporte begrenzen lassen. Die Ergebnisse prägten die Debatte über Importkapazitäten maßgeblich; nicht zuletzt durch diese Studie wurde die mögliche Stromzufuhr aus Europa von 1,7 auf 2,45 Gigawatt erhöht.

Das Modell wird jedoch auch für eine Vielzahl weiterer Themen genutzt. Die Ergebnisse fließen in die Arbeit ukrainischer Ministerien ebenso ein wie in die von europäischen Institutionen und Partnerregierungen. So nutzen beispielsweise deutsche Regierungsstellen, G7 plus, die EU-Kommission oder die IEA die Analysen, weil sie als neutral und belastbar gelten. 

Um die aufgebaute Expertise langfristig zu sichern, wurde in Kyjiw ein Energie- und Klimalabor aufgebaut. Für Projektleitern Nies ist das Institut ein zentrales Element des Projekts: „Das Ziel ist der Aufbau eines dauerhaft verankerten, unabhängigen Energie- und Klimazentrums in Kyjiw. Mit Partnern aus Deutschland, der Ukraine, Polen und anderen europäischen Ländern legt das Joint Lab die Grundlage für eine neue Generation ukrainischer Expertinnen und Experten im Energie- und Klimabereich.“