Das frühere Parkhotel nahe dem Frankfurter Hauptbahnhof, das seit 1995 „Le Méridien“ heißt und heute zum Marriott-Konzern gehört, war schon immer und ist noch ein Hotel mit hohem Anspruch, auch kulinarisch und auch, wenn dieser sich zunehmend weniger formell darstellt.

Früher einmal gab es in dem Haus ein eher traditionelles Restaurant, vor gut zehn Jahren wurde umstrukturiert. Bar und Restaurant wurden räumlich zusammengeführt. Der zum Wiesenhüttenplatz hin verglaste Bereich für Drinks und Essen mit einem Schwerpunkt auf Grill- und Schmorgerichten heißt seitdem „The Legacy“. Ende 2025 war das Hotel für eine Kernsanierung und umfassende Renovierung für ein paar Monate geschlossen. Seit der Wiedereröffnung ist das Essen dort ohne Abstriche auf der Höhe dessen, was Gäste an einem Ort verlangen dürfen, der nicht Gourmetküche verheißt, aber die perfekte Zubereitung erstklassiger Zutaten erwarten lässt.

Fleisch schmort stundenlang in Hickory-Holz-Aroma

Auf die Qualität von Filets und Rib Eye vom argentinischen Black Angus kann man sich verlassen und auch darauf, dass die Küche den gewünschten Gargrad trifft. Bekannt ist das Lokal zudem für seine Spare Ribs, für Pulled Pork und Pulled Beef. Alles drei kommt aus einem Smoker, einem geschlossenen Grill, in dem das Fleisch stundenlang in Hickory-Holz-Aroma schmort.

Wenn das Fleisch aus der Glut entlassen wird, ist es zart und mürbe und auf eine Art und Weise aromatisiert, dass es dafür einen Begriff geben müsste, der Milde und Kraft ausdrückt. Vereinfacht gesagt: Es schmeckt sehr gut, vor allem das saftige Pulled Pork. Top auch: die knusprigen Quesadillas mit Smoked Beef, die als Vorspeise mit Guacamole und Pico de Gallo serviert werden. Die „Frankfurter Aioli“ dagegen, die mit einigen Grillgerichten und auch den Bruschette mit Paprika und Salbei an den Tisch gebracht wird, kann man ignorieren: eine Creme zwischen Grüner Soße und Knoblauchmayonnaise, für beides zu schwach und als Neuschöpfung auch.

Karte mit intelligentem Konzept

Wo Leute glücklich werden können, die gerne Fleisch essen, bleibt für andere oft nur ein mehr oder minder lieblos dargebotenes Pflichtprogramm. Im „Legacy“ ist es anders. Dort stehen zwar nur zwei vegetarische Hauptgerichte auf der Karte, ein Gemüsecurry und ein Pastagericht. Aber hinter der Karte insgesamt steht ein intelligentes Konzept, das im Grunde jedem ermöglicht, etwas zu finden.

Weich gepolstert und mit Ausblick: Restaurant „The Legacy“ in FrankfurtWeich gepolstert und mit Ausblick: Restaurant „The Legacy“ in FrankfurtWonge Bergmann

Kombinieren lassen sich zum Beispiel Suppen (Tipp: die Petersilienwurzel-Creme mit gesmokter Roter Bete und Walnusscrumble) und verschiedene Zusammenstellungen von Häppchen zum Teilen wie etwa die Auswahl von Bruschette, unter denen die erwähnten mit Paprika und Salbei herausragen. Bemerkenswert gut sind in diesem Lokal auch die Salate, unter anderem, weil das Dressing nie übersalzen ist, was vor allem beim Caesar-Salat schnell passiert.

Darf es ein Dessert sein? Aus Sicht von Gastronomen ist die Antwort auf diese Frage viel zu oft ein „Nein, danke“, denn Süßspeisen versprechen wegen der vergleichsweise günstigen Zutaten, aus denen sie oft bestehen, eine gute Marge. Im „Legacy“ werden die Desserts offensiv und freundlich verkauft: Eine junge Mitarbeiterin kommt mit einem Bauchladen an die Tische, erklärt jede der Naschereien, die in kleinen Portionen fix und fertig auf dem Brett stehen, das sie vor sich herträgt. Warum also nicht etwas probieren, das so nett gepriesen wird: das Grießflammerie mit roten Beeren war kein Fehler, im Gegenteil (Hauptgerichte bis etwa 40 Euro, Steaks bis etwa 50 Euro, Beilagen von neun Euro an).