
AUDIO: Herbert Grönemeyer (1) (72 Min)
Stand: 04.02.2026 06:00 Uhr
Herbert Grönemeyer hat sich mit seinen ehrlichen und berührenden Liedern über Jahrzehnte in die Herzen der Deutschen geschrieben. In Hannover startet am 7. Februar der zweite Teil seiner „Mittendrin Akustisch“-Tour. Im Podcast Urban Pop spricht Peter Urban darüber, was den Macher von Songs wie „Bochum“, „Der Weg“ oder „Mensch“ ausmacht.
Bei „mittendrin – akustisch“ gibt es trotz des Unplugged-Konzepts keineswegs Konzerte der ausschließlich leisen Töne, auf dem Programm stehen nicht zuletzt Rockklassiker wie „Alkohol“, „Vollmond“ und „Bochum“. Die Musiker spielen dabei auf einer speziell gestalteten Mittelbühne. So entsteht eine besonders intime Atmosphäre, in der die neu arrangierten Songs aus über vier Jahrzehnten Grönemeyer eine einzigartige Stimmung erzeugen.

Unplugged, aber nicht leise: Herbert Grönemeyer ist mit Band, Chor und Orchester unterwegs. Tourstart ist am 7. Februar in Hannover.
Markante Stimme als Markenzeichen
Was macht Grönemeyer aus? „In seinen Texten äußert er extrem viel persönliches Gefühl und Emotion auf eine Art und Weise, wie es kaum ein anderer Schreiber kann“, sagt Peter Urban im Podcast Urban Pop über den Musiker. Und natürlich seine markante Stimme. „Manche werfen ihm ja vor, dass er erst später angefangen hat, so ein bisschen zu knödeln und zu pressen“, erinnert sich Peter Urban. „Das fand ich am Anfang noch nicht. Er versuchte soulig zu singen, wie ein R’n’B-Sänger und das auf Deutsch und das hört sich dann auch so an. „Es war wenig von der neuen deutschen Welle beeinflusst – eigentlich gar nicht“, sagt der Musikkenner. „Aber deswegen fehlte am Anfang vielleicht auch der Erfolg, es passte noch nicht in die Zeit.“
Kindheit im Pott: Mit Musik und Bühne
Geboren wird Herbert Grönemeyer als jüngster von drei Söhnen in Göttingen, das hatte wohl aber eher geburtstechnische Gründe. Gewohnt hat die Familie in Clausthal-Zellerfeld. Der Vater war Bergbauingenieur, die Mutter aus einer deutsch-baltischen Arztfamilie. Als er etwa ein Jahr war, ging es für die Familie vom Süden Niedersachsens ins Ruhrgebiet nach Bochum. „Da ist er aufgewachsen und das ist seine Heimat“, erzählt Peter Urban. „Er ging ins humanistische Gymnasium, was ich finde auch irgendwie schon Einfluss auf seine spätere Kultur und seine Musik gehabt hat.“
Anfänge am Schauspielhaus in Bochum unter Claus Peymann
Mit acht Jahren beginnt er das Klavier spielen. Sich künstlerisch auszudrücken, scheint sein Weg zu sein. Beim Schauspiel Bochum verdient er sich sein erstes Geld als Pianist. „Claus Peymann war damals da und der Herbert wurde so eine Art musikalischer Leiter – im Alter von 18 Jahren“, erzählt Peter Urban. Zwei Jahre später, war er es offiziell. „Gleichzeitig hatte er angefangen zu studieren: Musikwissenschaft und Rechtswissenschaft. Was für eine komische Kombination, aber er hat dann aufgehört.“ Er beginnt neben der Theaterarbeit auch zu drehen. So lernt er 1978 mit 22 Jahren bei Dreharbeiten zu Jürgen Flimms Fernsehdrama „Uns reicht das nicht“ die Schauspielerin Frau Anna Henkel kennen – beide heiraten 15 Jahre später.

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Grönemeyers mysteriöses erstes Album
Neben der Schauspielerei und der Theatermusik kommt noch eine weitere Leidenschaft dazu: selbst Musik und Platten machen. „Es muss ihn wahrscheinlich auch immer zerrissen haben“, glaubt Musikexperte Peter Urban. Erstmal bewusst sei ihm Grönemeyer 1980 mit seinem zweiten Album geworden. „Ich wusste von dem Mann als Schauspieler, aber dass er Musik machte, war neu“, erinnert sich Peter Urban an seine erste musikalische Begegnung mit Herbert Grönemeyer. Sein erstes wirkliches Album findet nicht statt. „Er ignoriert es selbst“, mutmaßt der Musikexperte im Podcast Urban-Pop. „In der Diskographie, auch auf seiner Webseite, fehlt dieses Album.“
Erste Aufmerksamkeit für Grönemeyers Musik Anfang der 1980er
Es beginnt bei ihm bei „Zwo“. „Da habe ich mehrere Songs auch immer in meinen Sendungen gespielt. Das klang interessant für mich.“ Mit der dritten Platte erregt er erstmals Aufmerksamkeit. Der wohl bekannteste Song darauf war „Currywurst“. „Der wurde aber nicht von ihm selbst geschrieben, sondern vom Schauspieler Dieter Krebs“, sagt Urban. „1983, erschien auch dann sein viertes Album ‘Gemischte Gefühle’ und wieder mit großen, guten Songs wie ‚Musik nur wenn sie laut ist‘.“
„4630 Bochum“: „Fast jeder Song auf diesem Album ist bekannt“
Grönemeyer wechselt 1984 zu EMI und veröffentlichte sein nächstes Album, bei dem er selbst als Produzent auftritt. Das Album „4630 Bochum“ wird ein Riesenerfolg. 79 Wochen hält es sich in den Top 100 der Hitparade und wird zum erfolgreichsten des Jahres. „Das war eine außergewöhnliche Platte“, erinnert sich Urban und Podcast-Co-Host Ocke Bandixen fügt an: „Fast jeder Song auf diesem Album ist ja bekannt gewesen“. So finden sich dort Hits wie „Männer“, „Flugzeuge im Bauch“, „Alkohol“ oder „Bochum“, das bis heute Stadionhymne des VfL Bochum ist. „Bochum als Song ist eine solche Liebeserklärung, aber auch mit so Alltagsworten beschrieben und gleichzeitig so poetisch“, findet Peter Urban. „Da sage ich wirklich, er ist einer der besten Melodienschreiber, die wir hier in diesem Land haben. Also da hat er Großes geleistet.“
1986 kommt das nächste Album raus: „Sprünge“. Auch dort wieder die typischen Grönemeyer-Texte, so Urban: „Es klingt nicht kitschig und das ist der große Unterschied zu einer anderen Branche. Das sind Sachen, die man auch von englischsprachigen Songs kennt und genießt. Bei ihm kann man das genießen. Es klingt ehrlich und echt und das ist seine große Qualität, Gefühle auszudrücken.“ 1987 und 1989 werden seine beiden Kinder geboren und die Familie zieht nach London – auch, um sich vor der neugierigen Öffentlichkeit zu schützen.
Erfolgreich, nahbar und aktiv
Grönemeyer folgt in den kommenden Jahren seinen künstlerischen Impulsen. Steht vor der Kamera und produzierte weiter Platten. Im April 1998 veröffentlicht er sein Album „Bleibt alles anders“. Am ersten November stirbt sein Bruder Wilhelm, nur wenige Tage später seine Frau Anna nach einer Krebserkrankung. Grönemeyer zieht sich zurück, verarbeitet Schmerz und Trauer in berührenden Texten und Liedern. Die dann 2002 auf dem seinem Album „Mensch“ erscheinen. Es gilt als das kommerziell erfolgreichste Album Grönemeyers. „Das ist so ein Statement, weil es auch voller Trauer ist“, sagt Peter Urban. „Man merkt den Songs an, die gehen tief, sie trauern aber nicht nur und sind in Selbstmitleid versunken, sondern sie schauen auch nach vorne. Sie drücken auch immer Hoffnung aus.“
Herbert Grönemeyer schreibt weiter Musik, mischt sich in gesellschaftliche Debatten ein – jüngst beim Gipfel der Musikschaffenden bei Kulturstaatsminister Weimer Ende Dezember 2025 in Berlin. Zudem heiratet er 2016 erneut Josefine Cox und bekommt mit ihr 2019 ein Kind. „Sein Erfolg ist ja nicht nur auf Deutschland beschränkt, sondern er ist es auch in Österreich und der Schweiz beliebt“, sagt Peter Urban zum Abschluss. „Insofern hat er eigentlich schon alles erreicht, was du als deutschsprachiger Künstler erreichen kannst. Mehr geht eigentlich gar nicht.“

Spannende Stories, legendäre Konzerte, bewegende Begegnungen: Peter Urban hat viel erlebt und noch mehr zu erzählen.

Unplugged, aber nicht leise: Herbert Grönemeyer ist mit Band, Chor und Orchester unterwegs – am 10. Februar in Hamburg.
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