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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und LMU-Präsident Matthias Tschöp beim Festakt zu 200 Jahren LMU in München | © LMU
Mit fast 1000 Gästen hat die Ludwig-Maximilians-Universität ihren „Geburtstag“ in der Landeshauptstadt, also den Umzug von Landshut nach München vor 200 Jahren gefeiert und ihren neuen Präsidenten, Professor Matthias Tschöp, offiziell in sein Amt eingeführt. Zu den Gästen in der Großen Aula zählten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Die Festrede hielt der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder.
Unter König Ludwig I. wurde München als Zentrum zentraler Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen Anfang des 19. Jahrhunderts ausgebaut. Die Verlegung der Universität von Landshut in die Residenzstadt spielte eine große Rolle bei Ludwigs Plänen: Sie sollte Stadt und Verwaltung modernisieren und München als Kulturstandort stärken. Ein Auftrag, der bis heute nachwirkt und den Grundstein für die weitere Entwicklung der Universität legte.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Antrittsrede von Professor Matthias Tschöp als Präsident der LMU. Unter dem Titel „Was Wissen schafft“ skizzierte er seine Vorstellungen für die kommenden Jahre an der Spitze der Universität.
Amtseinführung von Präsident Tschöp
Wissenschaft, so Tschöp, sei Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung und unverzichtbar für den Umgang mit globalen Herausforderungen. Gerade in Zeiten tiefgreifender Umbrüche brauche es „exzellente, freie, kreative Wissenschaft – geboren aus den Universitäten, gewollt von der Gesellschaft, getragen von der Politik, geschützt in ihrer Freiheit und anerkannt in ihrer Verantwortung“.
Für die LMU bedeute das, wissenschaftliche Freiheit und Exzellenz konsequent zusammenzudenken. Die Universität werde ihre internationalen Kooperationen weiter ausbauen, gezielt herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewinnen und zugleich junge Talente früher in die wissenschaftliche Selbstständigkeit führen.
Wissen schafft Zukunft. Wissenschaft ist kein Heilsversprechen. Aber sie ist die beste Methode, Irrtum zu erkennen und Wahrheit zu finden. Sie ist unsere beste Chance, die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen
Professor Matthias Tschöp, Präsident der LMU

In seiner Antrittsrede sprach LMU-Präsident Tschöp über die Verantwortung von Wissenschaft und Forschung: „Wir wollen zuhören, diskutieren, erklären – nicht als Elfenbeinturm, sondern in der Mitte der Gesellschaft.“
© Jan Greune / LMU
So betonte Tschöp: Universitäten seien keine bloßen Wissensspeicher, sondern „Zukunftswerkstätten“ – Orte, an denen neue Ideen entstehen, weil unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Die LMU werde diesen Anspruch aus ihrer Tradition als Volluniversität heraus stetig erneuern: „An unserer LMU gibt es nicht ‚wichtige‘ und ‚unwichtige‘ Disziplinen – denn der Wert eines Faches liegt nicht nur in seinem unmittelbaren Nutzen, sondern in seiner Perspektive auf die Welt“, erklärte der Präsident das Selbstverständnis der LMU.
Tschöp sagte: „Exzellenz ist kein Etikett – sondern ein Milieu.“ Für die LMU versprach er: „Wir wollen und werden zeigen, dass exzellente, freie Wissenschaft nicht nur Erkenntnis schafft, sondern enorme Wirkung entfaltet – wissenschaftlich, gesellschaftlich und wo es sinnvoll ist, auch wirtschaftlich. Wir nehmen diese Verantwortung an.“
Mit Blick auf den Wissenschaftsstandort München unterstrich Tschöp die enge Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen in der Region und darüber hinaus, auch im Rahmen der „One Munich Strategy“, vor allem auch mit der TU München. Ziel sei es, die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit der LMU weiter zu stärken, aber auch den Standort München gemeinsam weiterzuentwickeln: „Wir wollen zuhören, diskutieren, erklären – nicht als Elfenbeinturm, sondern in der Mitte der Gesellschaft.“
Diskussion über die Rolle der Universitäten
Beim anschließenden Round Table unter dem Titel „Wozu Universitäten?“ diskutierten LMU-Nobelpreisträger Professor Ferenc Krausz und LMU-Vizepräsidentin Professorin Carola Metzner-Nebelsick mit BR-Intendantin Dr. Katja Wildermuth, Dr. Rolf-Dieter Jungk, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, und Dr. Ani Movsisyan vom Lehrstuhl für Public Health über die „Sehnsucht nach einfachen Antworten“ und Erwartungen an Hochschulen in einer sich wandelnden Gesellschaft.
Die Diskutierenden gingen auf die Wichtigkeit von wissenschaftlichen Kooperationen und der Nachwuchsförderung ein und hoben die Rolle der LMU als Volluniversität hervor, die interdisziplinäre Anknüpfungspunkte bietet und Forschenden ermöglicht, über das eigene Forschungsgebiet hinaus zu wachsen.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft sprachen über die Rolle von Universitäten in einer sich wandelnden Gesellschaft.
Ehrendoktorwürde für Antje Boetius

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LMU-Präsident Tschöp und Dekanin Claudia Trepmann verleihen Antje Boetius die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geowissenschaften an der LMU. | © LMU
Zum Abschluss des Festakts verliehen LMU-Präsident Matthias Tschöp und die Dekanin der Fakultät für Geowissenschaften, Professorin Claudia Trepmann, der international renommierten Meeresbiologin Antje Boetius, Präsidentin des Monterey Bay Aquarium Research Institute, die Ehrendoktorwürde der LMU für ihre Verdienste auf dem Gebiet der Tiefsee- und Polarforschung. „Professorin Boetius hat mit ihrer Forschung neue Horizonte erschlossen und unser Verständnis der Tiefsee und der Polarregionen nachhaltig geprägt“, so Trepmann. „Sie lebt eine Wissenschaft, die sozial verantwortlich ist, und motiviert Nachwuchsforscherinnen und -forscher, sich gleichermaßen zu engagieren.“
In ihrer begeisternden Keynote „Nie zurück! – Expedition Zukunft“ gab Boetius einen Überblick über die letzten 200 Jahre der Polarforschung und einen Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen durch schmelzende Gletscher und einen steigenden Meeresspiegel. Boetius verwies jedoch nicht nur auf die globale Bedeutung der Polarforschung, sondern auch der Grundlagenforschung und auf die Verantwortung von Universitäten, eine gesellschaftliche Vorreiterrolle einzunehmen, damit „aus Wissen Zukunft gemacht wird.“
Geschichte und Zukunft
Die Verbindung des Festakts zur Erinnerung an 200 Jahre LMU in München mit der Amtseinführung von LMU-Präsident Matthias Tschöp machte deutlich, wie eng Geschichte und Zukunft verbunden sind und dass strategische Entscheidungen die Entwicklung einer Universität über Generationen hinweg prägen. So sieht sich auch Matthias Tschöp in der Verantwortung, Wissenschaftsfreiheit und Exzellenz zu fördern, sodass sie Wirkung für Wissenschaft und Gesellschaft entfalten. „Ich verspreche Ihnen heute als Präsident der LMU: Wir werden jeden Tag daran arbeiten, diese Universität noch besser zu machen.“