Berlin – Eine Bande schleuste zwischen 2018 und Ende 2021 mehr als 1000 Leiharbeiter nach Deutschland – und beutete sie gnadenlos aus. Jetzt stehen zwei mutmaßliche Mitglieder vor dem Berliner Landgericht. Den Männern (58 und 67 Jahre alt) wird unter anderem Beihilfe zur Beschäftigung von Ausländern ohne Aufenthaltstitel und zu ungünstigen Arbeitsbedingungen vorgeworfen. Zu Prozessbeginn schwiegen beide.
Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die beiden in den Jahren 2020 und 2021 als mutmaßliche Mitglieder der Bande agierten. Die Täter nutzten Scheinfirmen in den baltischen Staaten. Mit gefälschten Dokumenten tarnten sie Nicht-EU-Bürger – vor allem aus der Ukraine und der Republik Moldau – als EU-Bürger. Die Bande vermittelte sie illegal weiter an Niedriglohn-Firmen. Um mehr Profit zu machen, setzten die Täter die Opfer schlechten Arbeitsbedingungen aus. Vom Lohn zogen sie willkürlich Geld ab.
Kopf der Bande erhielt siebeneinhalb Jahre Haft
Im Juli 2023 verurteilte das Gericht bereits fünf Beschuldigte (44 bis 57 Jahre) wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern zu mehrjährigen Haftstrafen. Der Kopf der Bande bekam siebeneinhalb Jahre Haft. Das Gericht ordnete außerdem an, dass der damals 50-Jährige sieben Millionen Euro aus illegalen Geschäften abgeben muss. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.
Jetzt geht es um 67 geschleuste Menschen. Der 58-Jährige stellte unter anderem Leiharbeiter ein, besorgte Wohnungen, erstellte Arbeitspläne und berechnete die Löhne. Die Staatsanwaltschaft strebt in seinem Fall die Einziehung von rund 60.000 Euro an.
Der 67-Jährige orderte über seine Firma, 15 ukrainische Arbeitnehmer bei der Bande und vermittelte sie weiter. Die Einziehung von knapp 90.000 Euro aus mutmaßlich illegalen Geschäften haben die Ermittler in seinem Fall beantragt. Ein dritter Beschuldigter (63) fehlte krankheitsbedingt. Sein Verfahren wird gesondert verhandelt. Der Prozess geht weiter: 17 Verhandlungstage sind angesetzt.