Eine neue EU-weite Umfrage zeigt eine Veränderung in den politischen Prioritäten der Bevölkerung. Die Furcht vor militärischen Auseinandersetzungen überlagert Ängste vor Migration und Klimawandel.

Vor rund einem Jahr haben Europas wichtigste Geheimdienste erstmals vor einer realen Gefahr eines russischen Angriffs auf Teile der EU gewarnt. „Viele unserer nationalen Geheimdienste geben uns die Information, dass Russland in drei bis fünf Jahren die Verteidigungsbereitschaft der EU testen könnte“, sprach dies die EU-Außenbeauftragte, Kaja Kallas, damals aus. Mittlerweile ist diese Einschätzung in breiten Teilen der EU-Bevölkerung angekommen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage nannten 72 Prozent der befragten EU-Bürgerinnen und Bürger die Konflikte und Kriege in der Nähe der Europäischen Union als eine „extreme Sorge“, weitere 18 Prozent nannten sie eine „moderate Sorge“.

Die Angst vor einem Übergreifen des militärischen Konflikts in der Ukraine auf europäische Nachbarländer hat die Furcht vor neuen unkontrollierten Migrationsströmen und vor negativen Auswirkungen des Klimawandels überlagert. Auch neue Terrorattacken (67%) und Cyberangriffe (66%) sind stattdessen in den Fokus der EU-Bürgerinnen und Bürger als große Gefahren gerückt. Die Angst vor Migrationswellen bleibt mit 65 Prozent dennoch eine wesentliche Sorge. In Österreich wird sie nach wie vor von 67 Prozent als „extreme Sorge“ genannt.

Zwei Drittel der Befragten (rund 1000 Personen pro Mitgliedsland) sprachen sich angesichts der wachsenden Furcht vor einem Krieg dafür aus, dass die EU ihre Rolle zum Schutz der Bevölkerung stärken müsse. Nur zehn Prozent wünschen sich, dass die Union diese Priorität nicht aufgreift (Rest: „wie bisher“ oder „weiß nicht“). In Österreich wünschen sich trotz besserer EU-Stimmung nur 51 Prozent, dass die EU diese Schutzrolle übernimmt. Gefragt, welche politischen Themen die Europäische Union nun in den Mittelpunkt rücken müsse, nannten 40 Prozent aller Befragten die Verteidigung, 32 Prozent die Wettbewerbsfähigkeit und 29 Prozent die Energieunabhängigkeit – es sind ebenfalls Themen, die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu Herausforderungen wurden.

Die Sorge vor einem Krieg dominiert in der Bevölkerung der meisten EU-Ländern – darunter auch in der Slowakei und Ungarn, deren Regierungschefs nach wie vor eine enge Beziehung zur russischen Führung pflegen. Die Angst vor Krieg ist bei älteren Personen und Frauen deutlich stärker ausgeprägt als bei jüngeren Personen und Männern.

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