Zwei Sinfonien in großer Orchesterbesetzung bis zur Kammermusik, es ist wieder alles dabei in der Berliner Klassik-Woche. Sie können Arnold Schönberg als Spätromantiker kennenlernen, ein seltenes Horn-Trio erleben oder vielleicht gleich Wagners Ring?

Den gibt es in der rund dreistündigen feinsinnigen Fassung von Loriot. Ein wissentschaftlicher Exkurs in die Geschichte ist ebenfalls im Angebot. Historiker Michael Wolffsohn hat ein Buch über Herbert von Karajans Wirken während der NS-Diktatur geschrieben, das er in der Phiharmonie vorstellt.

1 Horn-Trios von Brahms von Attahir Hornist Ben Goldscheider Der britische Hornist Ben Goldscheider.

© kaupo kikkas

Johannes Brahms gilt als „Erfinder“ des Horn-Trios. Allein die Besetzung Horn, Violine und Klavier ist selten. Er schrieb das Horn-Trio op. 40 1865 kurz nach dem Tod der Mutter. So wird es als Werk der Trauer gedeutet, wie das Adagio mesto („traurig“) im seltenen es-moll zeigt.

Das Horn gehörte in der Jugend zu Brahms’ liebsten Instrumenten, und er sah ursprünglich ein Naturhorn für das Trio vor, akzeptierte aber schnell die Besetzung mit einem modernen Ventilhorn. Brahms selbst spielte bei der Uraufführung am 28. November 1865 in Zürich das Klavier.

Ben Goldscheider spielt das wehmütig-melancholische Stück mit dem lebendigen Schlusssatz, begleitet von Alina Ibragimova (Violine) und Dénes Várjon (Klavier).

Zudem ist die Uraufführung von Benjamin Attahirs Horn-Trio „Mon image se reflète encore sur l’eau immobile“ (Mein Bild spiegelt sich noch immer im stillen Wasser) zu hören. Der Einfluss der arabischen Musik seiner Kindheit ist in seinem Werk zu hören. Den Auftakt macht Brahms 2. Violinsonate, auch als „Meistersinger-Sonate“ bekan

Pierre-Boulez-Saal

Französische Str. 33D, Mitte

Do 5.2., 19:30 Uhr

Tickets: 15-45 Euro

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2 RSB unter Vladimir Jurowski spielt Bruckners 8. Sinfonie Dirigent Vladimir Jurowski - Promo RSB RSB-Chefdirigent Vladimir Jurowski.

© Peter Meisel

„Halleluja!“, notiert Anton Bruckner im Juli 1887. Drei Jahre hat er an seiner 8. Sinfonie gearbeitet. Nun ist das Werk fertig und der Meister zufrieden. Er schickt die Partitur an den Dirigenten Hermann Levi, doch der nimmt sie auseinander. Ein Schock für den ewigen Zweifler Bruckner. Damit muss er erst einmal klarkommen, bis er die Sinfonie dann doch grundlegend überarbeitet.

Am 18. Dezember 1892 feiert diese neue Fassung mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Hans Richter ihre Uraufführung. Die Kritiker nörgeln weiter, doch das Publikum jubelt nach jedem Satz. Ein später Triumph für Bruckner, der danach seine 9. Sinfonie nicht mehr fertigstellen konnte.

Mit 80 Minuten gehört die Achte zu den längsten Sinfonien überhaupt. Ein dramatisches Werk, in dem er sein Vorbild Wagner zitiert, mit einem himmlischen 25-minütigen Adagio. Das Rundfunk-Sinfonieorchester spielt an zwei Abenden unter der Leitung von Chefdirigent Vladimir Jurowski.

Konzerthaus

Gendarmenmarkt, Mitte

Fr. 6.2., 20 Uhr

Philharmonie

Herbert-von-Karajan-Str. 1, Tiergarten

So 8.2., 20 Uhr

Tickets: 15-63 Euro

3 Das Orchester der HU spielt Mendelssohns Bartholdys „Paulus“ FELIX MENDELSSOHN 1809-1847. German composer, pianist and conductor. Lithograph, German, 19th century, after a painting by Theodor Hildebrandt. PUBLICATIONxNOTxINxUSAxCANxUKxFRAxESPxJPN Copyright: xGRANGERx/xGRANGERx 0124972 Felix Mendelssohn Bartholdys „Paulus“ steht in der Tradition der großen Oratorien von Georg Friedrich Händel.

© IMAGO/GRANGER Historical Picture Archive/imago

Gleich zwei studentische symphonische Orchester gehören zur Humboldt Universität. Das Symphonische Orchester der HU (SOH) wurde 2003 von Prof. Constantin Alex gegründet, um der großen Nachfrage Musizierender gerecht zu werden. Die Musiker sind vor allem Studierende, nicht nur der HU, die zur Finanzierung sogar einen Beitrag zahlen.

Das SOH spielt am zwei Abenden unter der Leitung von Constantin Alex und mit Humboldts Philharmonischem Chor an zwei Abenden Felix Mendelssohns Oratorium „Paulus“, das damals zu seinen beliebtesten Werken gehörte.

Gethsemanekirche

Stargader Str. 77, Prenzlauer Berg

Sa 7.2., 20 Uhr

Philharmonie

Herbert-von-Karajan-Str. 1, Tiergarten,

Mi 11.2., 20 Uhr

Tickets: ab 14 Euro

4 Loriots „Ring an einem Abend“ mit Jan Josef Liefers Loriot - Der Ring an einem Abend Richard Wagner mit Loriot’scher Knollennase.

© Studio Loriot. / J. Nepomuk Schessl

Wenn es jemand wagen konnte, Wagners Ring des Nibelungen, vier Opern mit 15 Stunden Spielzeit, auf rund drei Stunden – und dann noch humorvoll – zu verdichten, dann war dies ohne Zweifel Loriot. Sein „Ring an einem Abend“ wurde 1992 uraufgeführt und ist nun in der Philharmonie mit der Staatskapelle Weimar unter Heiko Mathias Förster und mit Jan Josef Liefers als Erzähler zu erleben.

Loriot dampfte die komplizierte Handlung in Zwischentexten zusammen – charmant, feinsinnig, mit dem Blick für das Komische, aber ohne den Respekt vor dem großen Werk zu verlieren. So bemerkt er zum Raub des Rheingoldes durch Alberich: „Wenn die Rheintöchter dem Alberich etwas mehr Entgegenkommen gezeigt hätten, hätte man sich drei weitere aufwendige Opern sparen können.“

Ein vielleicht idealer Abend für Einsteiger, die den gesamten Ring bisher gescheut haben. Als Solisten sind unter anderem dabei Thomas Mohr (Siegmund & Siegfried), Bjørn Waag (Alberich & Gunther) und Sonja Šarić (Brünnhilde).

Philharmonie

Herbert-von-Karajan-Str. 1, Tiergarten

Mo 9.1., 20 Uhr

Tickets: Restkarten ab 90 Euro

5 Schönbergs „Gurrelieder“ Arnold Schoenberg in the 3750850 Arnold Schoenberg in the add.info.: Arnold Schoenberg in the 1920 s portrait. Austrian composer 13 April 1874-13 July 1951. Lebrecht Music Arts. Copyright: xLebrechtxMusicxArtsx/xBridgemanxImagesx 3750850 Das monumentale Werk war für Arnold Schönberg der Abschied von der Tonalität.

© IMAGO/Bridgeman Images/imago

Der Name Schönberg steht vor allem für die von ihm entwickelte Zwölftonmusik und bahnbrechende Werke wie die „Fünf Orchesterstücke“, die „Ode an Napoleon Bonaparte“ (nach Lord Byron) oder die fulminante Oper „Moses und Aron“. Darüber vergisst man bisweilen seine frühe tonale Phase. Tatsächlich kam Arnold Schönberg ja von Wagner und auch von Brahms her – das von Gedichten Richard Dehmels inspirierte Sextett „Verklärte Nacht“ oder die sinfonische Dichtung „Pelleas und Melisande“ nach Maurice Maeterlinck wären noch zu nennen –, der Maßstab indes war Gustav Mahler.

Und wenn man die „Gurrelieder“, die auf Gedichten des dänischen Schriftstellers Jens Peter Jacobsen beruhen, für Soli, Chor und großes Orchester hört – die, wie sich mit Fug und Recht behaupten lässt, den Gipfel von Schönbergs tonalem Schaffen markieren –, liegt es auf der Hand, dieses überdimensionierte, wie kein zweites in romantischer Tradition stehende Werk mit Mahlers monumentalen Symphonien zu vergleichen. Allen voran der legendären Achten, auch wenn es sich freilich um ein Oratorium handelt.

Die Uraufführung der „Gurrelieder“ im Jahr 1913 war ein überwältigender Erfolg, vielleicht Schönbergs größter. In der Philharmonie präsentiert sie nun Sir Donald Runnicles mit dem Orchester und Chor der Deutschen Oper, dem Rundfunkchor Berlin, den Solisten AJ Glueckert, Felicia Moore, Annika Schlicht, Thomas Lehman und Thomas Blondelle sowie mit Thomas Quasthoff als Sprecher.

Philharmonie

Herbert-von-Karajan-Str. 1, Tiergarten

Di 10.2., 20 Uhr

Tickets: 52-72 Euro, erm. ab 26 Euro

Mehr zum Thema Klassik Wenn Beethoven nicht reden will Klavierikone Ivo Pogorelich in der Philharmonie Extreme Zeiten, radikale Musik Das Rundfunk-Sinfonieorchester und Christian Tetzlaff gehen an die Grenzen Janine Jansen bei den Berliner Philharmonikern Fieberkurven, Sternenstaub 5 Buchvorstellung: Herbert von Karajan und die NS-Diktatur Herbert von Karajan conducts Brahms Fourth Symphony, 1980s. 1972 Herbert von Karajan war von 1955 bis zu seinem Tod 1989 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.

© imago images/Everett Collection/imago images/Everett Collection

Er war 34 Jahre Chefdirigent der Philharmoniker und einer der großen Maestros des 20. Jahrhunderts: Herbert von Karajan (1908-1989). Sein Aufstieg, der bereits 1929 in UIm begann, setzte sich im Dritten Reich fort und er war NSDAP-Mitglied – und damit ein Nazi? Ein Mitläufer? Ein Opportunist? Ein Thema, über das bereits vielfach diskutiert wurde.

Der Historiker Michael Wolffsohn legt nach Anfrage der Familie Karajans nun eine neue Studie zu dessen Rolle während der NS-Diktatur vor, für die er auch bisher unbekannte Dokumente und Briefe auswerten konnte. Wolffsohn stellt die politisch-historische Dimension dar und ordnet diese ein. Nicht zuletzt wolle er die Frage erötern: „Lebte und schuf Karajan durch seine Musik (s)eine Gegenwelt oder war seine Kunst Dienstmagd der jeweiligen Politik und Gesellschaft?“, schreibt er im Vorwort.

Über sein Buch „Genie und Gewissen. Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus“ (erscheint am 16.2. im Verlag Herder) spricht er mit Zeit-Autor Ijoma Mangold und Walter Küssner, Bratscher bei den Berliner Philharmonikern, der sich intensiv mit der Aufarbeitung der Geschichte der Berliner Philharmoniker im Nationalsozialismus beschäftigt.

Kammermusiksaal

Foyer, Herbert-von-Karajan-Str. 1, Tiergarten,

Di 10.2., 20 Uhr

Tickets: 16 Euro