Nachdem in Rheinland-Pfalz bei einer Fahrkartenkontrolle der Deutsche-Bahn-Mitarbeiter Serkan C. getötet wurde, haben sich am Mittwoch um kurz vor 15 Uhr mehrere seiner Kollegen am Berliner Hauptbahnhof versammelt. Die DB-Angestellten liefen als geschlossene Gruppe zum Ausgang Washingtonplatz und stellten sich dort auf.

Die Stimmung war bedrückend. Anwesend waren unter anderem Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sowie DB-Personalvorstand Martin Seiler. Ein kurzes Video zeigt die Ankunft der beiden Personen.

Verkehrsminister Schnieder sprach von einem „schwarzen Tag“ und einem Tag der Trauer. Er bedauerte das tödliche Gewaltverbrechen zutiefst und kündigte an, dass es künftig Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit geben solle, betonte jedoch, dass an diesem Tag das Gedenken im Vordergrund stehe. Serkan C., so schreibt die „Bild“-Zeitung, sei alleinerziehender Vater von zwei Jungen. Seit Montag sei seine Familie bei ihm im Krankenhaus gewesen.

C. starb an Hirnblutung

Nach bisherigem Kenntnisstand der Deutschen Bahn (DB) ist das der erste Fall dieser Schwere. Einer Bahnsprecherin zufolge gibt es derzeit keine Erkenntnisse darüber, dass zuvor bereits ein Bahnmitarbeiter während der Arbeit durch einen gewalttätigen Angriff ums Leben gekommen ist. Laut vorläufigem Obduktionsergebnis ist C. an einer Hirnblutung gestorben. Dies sei eine Folge erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit. 

Der 26 Jahre alte Tatverdächtige habe den Zugbegleiter mit mehreren heftigen Faustschlägen gegen den Kopf angegriffen. „Ein Messer oder sonstige gefährliche Gegenstände wurden hierbei nicht eingesetzt“, hieß es. Laut Staatsanwaltschaft werden gesicherte Videoaufnahmen aus dem Zug ausgewertet. Der 26-Jährige sei griechischer Staatsbürger und nach eigenen Angaben in Luxemburg wohnhaft, hieß es. „Vorstrafen oder polizeiliche Erkenntnisse in Deutschland liegen nicht vor.“

Fahrgäste nehmen veränderte Stimmung gegenüber Kontrolleuren wahr

Während der Schweigeminute am Berliner Hauptbahnhof standen die Mitarbeitenden mit gefalteten Händen und gesenkten Blicken. Im restlichen Bahnhof lief der Betrieb weiter: Züge fuhren ein und aus, Reisende eilten von Gleis zu Gleis. Einige Ankommende blieben kurz stehen, neugierig und sichtlich irritiert, erkannten sie, dass es sich um einen ernsten Anlass handelte. Nach Ende der Schweigeminute kehrten die Bahnmitarbeitenden schweigend an ihre Arbeitsplätze zurück.

Eine 71-jährige Frau aus Weißensee hat von dem Tod Serkan C.s mitbekommen und ist entsetzt. „Ich beobachte sehr viel Aggressivität und habe gar kein Verständnis dafür. Wenn jemand kein Ticket hat, muss die Person aussteigen. Ich wünsche mir auch mehr Sicherheit, vor allem für ältere Menschen. Kontrolleure sollten zur Sicherheit lieber zu zweit kontrollieren, damit so was nicht mehr passiert“, sagt sie einer Tagesspiegel-Reporterin am Hauptbahnhof.

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© Mia Veigel

Sicco, ein weiterer Bahnreisender am Hauptbahnhof, ist aus den Niederlanden und in Berlin zu Besuch. Von der Schweigeminute habe er nichts mitbekommen, erzählt er. Er sagt aber: „Ich nehme auch wahr, dass Menschen insgesamt aggressiver gegenüber Kontrolleuren oder Sicherheitspersonal werden, genauso ist es auch in den Niederlanden.“

Der Vorstand der DB-Regio, Harmen van Zijderveld, nahm an einer Gedenkveranstaltung in Mannheim teil, wo die Einsatzstelle des getöteten Serkan C. war. „Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort haben wir des Kollegen gedacht. Vielen hier war er persönlich ein Freund“, schrieb van Zijderveld danach auf der Plattform Linkedin.

Er betonte, dass die DB ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht allein lasse. „Wir schulen sie darin, gefährliche Situationen zu deeskalieren. Wir haben mehr und mehr Kolleginnen und Kollegen mit Bodycams ausgerüstet, wenn diese das wünschen.“ Doch er ergänzte auch: „Bei einer derart hemmungslosen Gewalt, wie wir sie jetzt erlebt haben, gibt es leider keinen hundertprozentigen Schutz.“