Die Enthüllungen um Jeffrey Epsteins Verbindungen in die Ukraine nehmen immer größere Ausmaße an. Wie die Berliner Zeitung bereits berichtete, zeigen die Ende Januar 2026 vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumente ein frühes Interesse des verstorbenen Sexualstraftäters an dem osteuropäischen Land.

Nun kommen weitere brisante Details ans Licht: Kontakte zu Kiewer Modelagenturen, Flugbuchungen für ukrainische Frauen, eine Jacht „voll mit Ukraines Besten“ und ein Immobilienkauf in Lwiw.

In den E-Mails tauchen zwei Kiewer Modelagenturen auf: Linea 12 Models und L-Models. Ein Informant, dessen Name geschwärzt ist, bezeichnet diese beiden Agenturen gegenüber Epstein als „die besten“ in der ukrainischen Hauptstadt. Alle anderen kleineren Agenturen seien „billige Escorts“, heißt es in der Korrespondenz. In demselben E-Mail-Verlauf finden sich Fotos von Frauen – eine Person wählt diejenigen aus, die ihr gefallen.

Zusätzlich erwähnt Epstein eine Frau namens Julija Kiselewa, die angeblich „rund 400 Mädchen für Model- und Hochzeitsagenturen in Kiew“ zur Verfügung stelle.

Die Mitinhaber von L-Models weisen gegenüber dem Kyiv Independent jede Verbindung zu derartigen Aktivitäten entschieden zurück. „Weder die Agentur noch ihre Eigentümer oder Vertreter haben jemals etwas mit Escort-Diensten zu tun gehabt, auch nicht im Zusammenhang mit dem Fall Jeffrey Epstein“, erklärt Mitinhaber Stas Yankelevskiy. Auch eine Zusammenarbeit mit Kiselewa habe es nie gegeben.

Epsteins Kontakt wurde tot im Gefängnis aufgefunden

Eine E-Mail aus dem Oktober 2010 zeigt, wie Mascha Manjuk, die 58-jährige Inhaberin von Linea 12 Models, den französischen Modelagenten Jean-Luc Brunel kontaktiert. Brunel war ein langjähriger Vertrauter Epsteins und wurde später wegen Vergewaltigung Minderjähriger und sexueller Belästigung angeklagt. Er wurde im Februar 2022 tot in seiner Pariser Gefängniszelle aufgefunden.

In der Korrespondenz diskutieren Manjuk und Brunel über einen Vertrag für ein ukrainisches Model, das Brunel zuvor in Paris getroffen hat. Es geht um eine mögliche Reise in die USA. Brunel leitete die E-Mails an Epstein weiter.

Manjuk erklärt gegenüber dem Kyiv Independent, es handle sich um einen „standardmäßigen, transparenten Brief“. „Ich kannte Epstein nicht und wusste nichts von seinen Verbindungen zu Brunel“, sagt die ehemalige ukrainische Moderatorin. Sie kenne Brunel zwar seit 20 Jahren, doch es habe „nie auch nur den geringsten Hinweis“ auf dessen Verstrickungen gegeben.

„Ein Boot mit Ukraines Besten“

Die Dokumente enthalten zudem zahlreiche Flugbuchungen und Reiseplanungen mit Bezug zur Ukraine. Im April 2011 erhält Epstein eine E-Mail mit drei Flugoptionen von New York nach Kiew, alle über die russische Fluggesellschaft Aeroflot mit Zwischenstopp in Moskau.

Im Jahr 2012 bucht Epsteins Assistentin Lesley Groff für ihn ein Zimmer im Fünf-Sterne-Hotel Hyatt Regency in Kiew für die Nächte vom 8. bis 11. Oktober. Laut den Unterlagen wird die Reservierung über Thomas Pritzker vermittelt, den Vorstandsvorsitzenden der Hotelkette Hyatt. Bereits früher veröffentlichte Epstein-Dokumente zeigen eine Verbindung zwischen den beiden Männern.

Im August 2018 koordiniert Groff erneut Hin- und Rückflüge für Frauen, wobei eines der Ziele die südukrainische Stadt Odessa ist. In einer E-Mail teilt sie einer der Frauen mit, Epstein habe für ihren einwöchigen Aufenthalt eine Wohnung organisiert.

Besonders pikant: Eine E-Mail von Brock Pierce, Mitbegründer der Kryptowährungsplattform Tether, an Epstein. Darin schreibt Pierce, „ein Boot in Antigua voll mit Ukraines Besten“ warte auf ihn. Die Akten dokumentieren außerdem einen Immobilienkauf im westukrainischen Lwiw. Umfangreiche Korrespondenz aus dem Jahr 2017 zwischen Epstein, der in der Ukraine geborenen Kunsthändlerin Anastasija Siroochenko, dem Buchhalter Michael Stein und dem Immobilienmakler Jon Tomlinson betrifft ein Gebäude in der Borys-Romanyzkyj-Straße 24.

„Ich würde dich gerne als weibliche Oligarchin sehen“

Das Haus wird 2015 von Siroochenkos Mutter Tetjana für 128.500 US-Dollar erworben, finanziert über eine Firma namens Lviv Enterprises LLC. Die Mutter schenkt das Gebäude später ihrer Tochter. Als mögliche Nutzung wird unter anderem ein Pilates-Studio diskutiert.

In einer der E-Mails bezeichnet Epstein die Verkäuferin Olga Krawtschuk als „kriminelles Element“ und fragt, ob sie aus der Ukraine geflohen sei. Weitere Dokumente zeigen, dass Siroochenko 2015 insgesamt 400.000 US-Dollar überweist, etwa 128.500 US-Dollar für den Hauskauf und knapp 200.000 US-Dollar als Investition in eine Firma namens Curation Media.

Wie die Berliner Zeitung bereits berichtete, zeigen die E-Mails aus dem Jahr 2019, dass Epstein die ukrainische Innenpolitik aufmerksam verfolgt. Drei Tage nach der Wahl von Wolodymyr Selenskyj zum Präsidenten weist er eine unbekannte Gesprächspartnerin an, die ukrainische Politik zu beobachten, insbesondere Selenskyj, das Parlament und Entwicklungen im Bereich der Korruption.

Als die Frau antwortet, es sei nun interessant, die ukrainische Politik zu verfolgen – eine einzige „Comedy-Show“–, reagiert Epstein: „Ja, es ist lustig, aber raffinierte Korruption. Riesige Geldsummen werden gemacht. Riesig. Ich würde dich gerne als weibliche Oligarchin sehen.“

Eine E-Mail vom Juni 2019 erwähnt, dass jemand „diesen Donnerstag Selenskyj besucht“. An dem Gespräch ist auch der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers beteiligt. Summers schreibt bereits Anfang Mai 2019, er könne über die Ukraine sprechen, da er mehrfach auf der Pintschuk-Konferenz gewesen sei, einem hochrangigen Diskussionsforum, ausgerichtet vom ukrainischen Oligarchen Viktor Pintschuk.

Der damalige slowakische Außenminister Miroslav Lajčák diskutiert im Schriftwechsel mit Epstein den Wahlsieg Selenskyjs über Petro Poroschenko. „Die Russen hassen Poroschenko, das könnte also gut sein, um den Konflikt zu lösen“, schreibt Lajčák. „Aber ich habe keine Ahnung, ob Selenskyj in der Lage ist, das Land zu führen.“

Epstein schlägt vor, dies sei „ein perfekter Ort für Sie, um sich einzumischen“. Lajčák antwortet: „Ich versuche es.“ Nach Bekanntwerden der E-Mails tritt Lajčák Anfang Februar 2026 von seinem Posten als nationaler Sicherheitsberater der Slowakei zurück.

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Präsident Selenskyj oder sein Vorgänger Poroschenko direkte Kontakte zu Epstein hatten. Die vollständige Auswertung der mehr als drei Millionen Akten dauert an.