Oberbürgermeister Alexander Kalouti mit Amtskette begrüßt im Foyer des Konzerthauses Ex-OB Dr. Gerhard Langemeyer.


Rückkehr ins Konzerthaus: Wie schon Ex-OB Dr. Gerhard Langemeyer lud Oberbürgermeister Alexander Kalouti zum Neujahrsempfang der Stadt Dortmund ins Konzerthaus ein. © Stephan Schuetze

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Darum geht‘s:

  • Neujahrsempfang der Stadt Dortmund erstmals seit fünf Jahren wieder im Konzerthaus.
  • OB Kalouti schwört 1300 Gäste bei Neujahrsempfang auf ein Jahr voller Herausforderungen ein.
  • Kalouti: „Ohne funktionierende Wirtschaft gibt es keinen starken Sozialstaat.“
  • Stadt Dortmund soll international besser vermarktet werden.
  • OB verspricht weniger Bürokratie, Verwaltung soll schneller werden.

Düstere Aussichten, große Aufgaben – und ein Appell zum Anpacken: Oberbürgermeister Alexander Kalouti hat die Dortmunderinnen und Dortmunder beim Neujahrsempfang der Stadt im Konzerthaus auf ein schwieriges Jahr eingeschworen, aber auch Mut gemacht. Er kündigte an, Dortmund vor allem international stärker vermarkten zu wollen, um den Wirtschaftsstandort zu stärken.

Es war eine Rückkehr. Nach fünf Jahren Pause fand wieder ein Neujahrsempfang der Stadt im Konzerthaus statt, wie zu Zeiten der Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer und Ullrich Sierau.

Kalouti-Vorgänger Thomas Westphal hatte zuletzt zum Sommerempfang in den Bodelschwingher Schlosspark eingeladen. Jetzt waren rund 1300 Gäste darunter neben Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Institutionen auch viele ehrenamtlich Aktive wieder im Konzerthaus zu Gast, verbunden mit einem Konzert der Dortmunder Philharmoniker.

Von den Spitzen von Handwerk und IHK bis zu Regierungspräsident Heinrich Bockelühr und Polizeipräsident Gregor Lange begrüßte Oberbürgermeister Alexander Kalouti rund 1300 Gäste im Konzerthaus.© Stephan Schuetze

Aber es gab natürlich auch Reden. Konzerthaus-Intendant Raphael von Hoensbroech und Generalmusikdirektor Jordan de Souza machten die Gemeinsamkeiten von Kultur und Politik deutlich, beschworen die Bedeutung des harmonischen Zusammenspiels.

Oberbürgermeister Alexander Kalouti nahm gewissermaßen ein Motiv aus vielen musikalischen Werken auf: von der Dunkelheit zum Licht. Er malte zu Beginn seiner Ansprache ein eher düsteres Bild: „Es wird ein Jahr der großen Anstrengungen und wichtigen Entscheidungen“, sagte Kalouti. Er beschrieb eine Lage, die von „Polarisierung, Unsicherheit und hartem Wettbewerb“ geprägt sei. Deutschland stehe vor Abwanderung, Deindustrialisierung und einer „dauerhaften Wirtschaftsschwäche“.

Oberbürgermeister Alexander Kalouti bei seiner Rede beim Neujahrsempfang im Konzerthaus.© Stephan Schütze

Zugleich warnte der neue Oberbürgermeister aber davor, die Situation schlechter zu reden, als sie ist. Trotz der düsteren Diagnose setzte er auf Verantwortung und Haltung. Entscheidend sei, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen: „Hier zeigt sich, ob sich eine Stadt einfach so weitertreiben lässt oder ob sie selbst Verantwortung übernimmt“, sagte Kalouti. „Und ich glaube, Dortmund wird diese Verantwortung übernehmen.“

Einen zentralen Schwerpunkt legte Kalouti auf das Thema Arbeit. „Arbeit ist der Kitt für unsere Gesellschaft“, sagte er. Sie bedeute mehr als Einkommen – „Selbstständigkeit, Verantwortung, Gemeinschaft und vor allem Würde“. Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven führten dagegen zu „Rückzug, Frustration und Vereinzelung“. Deshalb sei wirtschaftliche Stärke kein Selbstzweck: „Ohne funktionierende Wirtschaft gibt es keinen starken Sozialstaat.“

Nach seinen ersten drei Monaten im Amt schilderte Kalouti zugleich positive Signale aus der Wirtschaft. In Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern treffe er trotz hoher Kosten, Bürokratie und Fachkräftemangel auf „Bereitschaft, sich einzubringen für diese Stadt“. Es gebe „Substanz, Ideen und einen unbedingten Investitionswillen“. Sein Fazit: „Wir können bei allen Schwierigkeiten zuversichtlich ins Jahr starten.“

Internationalität stärken

Ein Schlüssel liegt für Kalouti in der Internationalität Dortmunds. Menschen aus 180 Nationen lebten in der Stadt – „das ist ein Standortfaktor“. Und Kalouti will diese Internationalität weiter stärken, wie er schon im RN-Talk „Port+Puls“ angekündigt hatte. „Wir werden Dortmund ab jetzt international bewerben, um Unternehmen, Organisationen sowie Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen für unseren Standort zu gewinnen“, sagte der OB. Auch die Bewerbung um die Olympischen Spiele an Rhein und Ruhr könne Dortmund einen wichtigen Schub geben.

Wichtige Akzente muss aber auch die Stadt selbst setzen, räumte Kalouti ein. Um den wirtschaftlichen Wandel zu begleiten, müsse die Verwaltung schneller werden. Wir schon bei „Port+Puls“ berichtete Kalouti von 200 Maßnahmen zur Entbürokratisierung, die man in der Verwaltung zusammengetragen habe. Seine klare Ansage: „Wir müssen in der Stadtverwaltung mehr Tempo auf die Schiene bringen.“

Menschen wollen sicher leben

Beim Thema Sicherheit versprach Kalouti einen entschlossenen Kurs: gegen Rechts-, Links- und islamistischen Extremismus sowie gegen Antisemitismus. Dazu gehöre auch mehr Sichtbarkeit von Ordnungskräften und perspektivisch ein Ausbau des kommunalen Ordnungsdienstes. „Die Menschen wollen sicher in dieser Stadt leben – und diese Sicherheit werden wir ihnen geben.“ Gleichzeitig betonte er soziale Hilfsangebote und ein klares Ziel: „Kein Mensch soll in Dortmund wegen Kälte oder Not auf der Straße sterben.“

Auch auf neue Bedrohungen ging Kalouti ein. Die Stadt müsse ihre Resilienz stärken und sich auf Krisen und „hybride Kriegsformen“ vorbereiten. Dortmund sei hier gut aufgestellt, lobte er Feuerwehr und Krisenstab: Sie stärkten „die Resilienz unserer Stadt und unserer Gemeinschaft“ – oft „fernab jeglicher öffentlicher Aufmerksamkeit“. Er dankte auch den vielen ehrenamtlich Aktiven in der Stadt. „Jeder von Ihnen wird für die Zukunft dieser Stadt gebraucht.“ Die Aufgaben seien „von titanischer Größe“. Aber Dortmund habe die Kraft, sie zu bewältigen.

Generalmusikdirektor Jordan de Souza leitete die Dortmunder Philharmoniker.© Stephan Schütze

Dazu passte auch das musikalische Programm. Neben einem Ungarischen Tanz von Johannes Brahms und dem vierten Satz aus der 9. Sinfonie von Antonin Dvorak spielten die hervorragend aufgelegten Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Jordan de Souza den vierten Satz aus der 1. Sinfonie von Gustav Mahler mit dem Titel „Der Titan“ – mit viel Dramatik und triumphalem Schluss. Und am Ende stimmten alle Gäste gemeinsam mit den Dortmunder Philharmonikern und einem Bergmanns-Chor das Steigerlied an – ein bisschen Tradition muss halt sein.