TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn gilt plötzlich als günstigste Adresse Europas für Alleinlebende – zumindest laut einer neuen Analyse des britischen Wirtschaftsmagazins „The Economist“.

„Günstig“ ist dabei relativ. Was der eine noch bezahlen kann, ist für den anderen längst zu teuer. Genau deshalb hat „The Economist“ europäische Städte anhand klarer Zahlen verglichen. Im Fokus standen Einzimmerwohnungen und die Frage, wo Singles ihre Miete noch bezahlen können, ohne dass sie mehr als 30 Prozent des Einkommens verschlingt.

Grundlage der Untersuchung sind laut TRAVELBOOK aktuelle Daten von Eurostat, der Statistikbehörde der EU. Daraus wurde berechnet, welches durchschnittliche Einkommen in einer Stadt nötig ist, um die Miete innerhalb dieser 30-Prozent-Grenze zu halten.

Der „Bradshaw Score“ entscheidet

Um die Städte vergleichbar zu machen, führte „The Economist“ den sogenannten „Bradshaw Score“ ein. Der Name verweist auf Carrie Bradshaw aus der Serie „Sex and the City“, gespielt von Sarah Jessica Parker – Sinnbild für das Leben allein in einer Großstadt.

Ein Score von 1 bedeutet, dass das Einkommen ausreicht, um die Miete bequem zu zahlen. Werte darunter zeigen, dass Wohnen schnell zur Belastung wird. Der Score sagt allerdings nichts über Wohnungsgröße, Lage oder andere Lebenshaltungskosten aus.

Bonn auf Platz 1, Berlin nur Platz 8

An der Spitze des Rankings landet wie bereits erwähnt Bonn. Die ehemalige Hauptstadt erreicht einen Bradshaw Score von 1,33 und gilt damit laut „The Economist“ als günstigste Stadt Europas für Alleinlebende. Ausschlaggebend ist das vergleichsweise günstige Verhältnis von Durchschnittseinkommen zu Einzimmermieten. Hinter Bonn folgen Lyon, Bern, Brüssel und Helsinki.

Berlin landet mit einem Bradshaw Score von 1,01 auf Platz acht. Damit liegt die Hauptstadt gerade noch im Bereich der vergleichsweise günstigen Städte. Laut „Time Out“, das ebenfalls über das Ranking berichtet hat, beträgt das Durchschnittsgehalt in der Hauptstadt rund 55.000 Euro. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Monatsmiete von etwa 1350 Euro, die knapp innerhalb der 30-Prozent-Regel liegt.

Weitere Kosten nicht einbezogen

Deutsche Vergleichsstudien, die alle Lebenshaltungskosten einbeziehen, zeichnen ein anderes Bild. Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft, auf die unter anderem Radio Bonn verweist, zählen Bonn zu den teureren Städten Deutschlands, wenn neben der Miete auch Energie, Lebensmittel und weitere Kosten berücksichtigt werden.

Der Unterschied liegt im Ansatz. „The Economist“ betrachtet Bonn im europäischen Vergleich und fokussiert sich ausschließlich auf Miete und Einkommen von Alleinlebenden. Nationale Studien bewerten den kompletten Alltag – und der kann deutlich teurer sein.