
Die Ukraine verteidigt sich mit Drohnen aus eigener oder europäischer Produktion.Bild: iMAGO images / Dmytro Smolienko
Ukraine
Die westlichen Partner unterstützen die Ukraine mit allerlei Kriegsgerät, vor allem mit vielen Drohnen. Ein ukrainischer Drohnenexperte äußert nun dennoch Kritik.
05.02.2026, 15:3605.02.2026, 15:36

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Kamikaze-Drohne – ein Name, der große Zerstörungskraft verspricht. Dennoch erntete das deutsche Rüstungsunternehmen Helsing zuletzt Kritik, und das ausgerechnet aus der Ukraine.
Eine Soldatin äußerte öffentlichkeitswirksam ihre Unzufriedenheit über die Drohnen mit dem zackigen Namen. Sie bemängelte Ausfälle, Defekte, lange Montagearbeiten.
Ukraine-Krieg: Drohnen-Spezialist kritisiert arroganten Westen
Nun legt ein weiterer Drohnenspezialist im Dienste der Ukraine nach. Er kritisiert gegenüber dem Portal „Euractiv“, dass die westlichen Partner der Ukraine oft arrogant seien. Das hätten auch Begegnungen mit Drohnenexpert:innen des Westens gezeigt.
Einige von ihnen hätten sich ihm zufolge als die „besten der Welt“ bezeichnet, weil sie 400 Stunden Flugerfahrung auf Trainingsgeländen gesammelt hätten.
Doch ukrainische Drohnenpilot:innen, oft gerade einmal 22 Jahre alt, hätten bereits Hunderte von Einsätzen und Abschüssen hinter sich. „Ich finde es immer wieder amüsant, wie der Westen denkt, er sei der Beste“, sagt der Experte.
Drohnen-Krieg in der Ukraine wie „Call of Duty“?
Er übt deutliche Kritik an westlichen Partnern und ihren Soldaten. Wie er „Euractiv“ erklärt, seien viele westliche Soldaten, die in die Ukraine gekommen seien, schlecht auf die Realität des Drohnenkriegs vorbereitet gewesen.
„Die meisten (…) hatten vier Jahre militärische Erfahrung und dachten, sie könnten den Ukrainern beibringen, wie man Krieg führt“, sagt der Experte. Viele von ihnen hätten keine Erfahrung mit einem von Drohnenangriffen geprägten Krieg gehabt. Drohnenkriege seien anders, „wie ein Videospiel, eine ‚Call of Duty‘-Angelegenheit“.
Ukraine-Soldat kritisiert Rheinmetall
Einer der größten Vorwürfe, die der Drohnenspezialist im Dienste der Ukraine den westlichen Partnern macht: Ihre gelieferten Drohnen seien oft unbrauchbar. Ihm zufolge seien westliche Hersteller zu sehr auf Perfektion und Marketing ausgerichtet.
Statt günstige, funktionale Drohnen zu entwickeln, werde Wert auf technische Spielereien gelegt, die in der Praxis wenig nützlich seien. Er verdeutlicht:
„Ich habe gesehen, wie Menschen dabei scheiterten, der Ukraine auch nur irgendwie zu helfen, weil ihre Drohne zu spezialisiert war. Die Ukraine braucht das nicht. Sie braucht günstige, kostengünstige Luftabwehrdrohnen. Sie müssen nicht vier Stunden lang fliegen. Sie müssen 22 Minuten lang fliegen.“
Viele westliche Unternehmen würden jedoch zu viel auf nutzlose Features, wie minimale Gewichtsreduzierungen achten, mit denen sie Investoren anlocken können. Sie seien „besessen von solchen Werbegimmicks“, anstatt die tatsächlichen Bedürfnisse der Ukraine zu berücksichtigen.
Zudem ist der Drohnenexperte skeptisch, dass die Ukraine eine eigene Drohnenindustrie aufbauen kann. Etablierte Player wie Rheinmetall, Leonardo oder Lockheed würden das nicht zulassen. „Diese Riesen befinden sich in einer Position, in der sie sich über Raketen im Wert von 1,2 Millionen Euro freuen und sie schätzen es nicht, dass eine Drohne im Wert von 20.000 Euro dasselbe leisten könnte.“