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Seite 1″Ich habe noch keine Einladung zu den Oscars“
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ZEIT: Die Kunstwelt braucht das große Geld von Mäzenen, gerade auch in einer Situation wie in den USA, wo der Staat immer weniger Geld in Kulturförderung steckt. Andererseits ist die Kunst, mit der Sie sich beschäftigen, oft sehr kapitalismuskritisch und thematisiert die Ungleichheit der Gesellschaft. Wie gehen Sie, die Sie selbst sehr vermögend sind, mit dieser Spannung um?
Stoschek: Für mich ist das überhaupt keine Problematik, im Gegenteil, ich freue mich, dass ich eine zuverlässige Plattform für die Kunst und die Künstler bieten kann. Als ich vor zwanzig Jahren angefangen habe, Medienkunst zu sammeln, haben nur wenige Institutionen und Sammler sich mit dieser Kunstform auseinandergesetzt. Jetzt ist zeitbasierte Kunst überall präsent.
ZEIT: Wie sammelt man eigentlich Videokunst? Haben Sie eine riesige Festplatte?
Stoschek: Der Kurator Daniel Birnbaum hat einmal zu mir gesagt: Julia, was du da machst, das ist wie Schneebälle sammeln. Und das stimmt. Medienkunst ist eine ausgesprochen ephemere Kunstform. Ohne Technik ist sie nicht sichtbar. Früher gab es 35-Millimeter-Filmbänder, VHS- oder Digital-Betacam-Kassetten, zahlreiche obsolet gewordene Formate, die bei uns im Archiv lagern. Die Sammlung wird kontinuierlich digitalisiert, mehrfach dezentral gespeichert und von spezialisierten Restauratoren anhand unterschiedlicher Indikatoren überwacht, um sie an die nächste Generation weitergeben zu können. Medienkunst zu sammeln, bedeutet erheblichen technischen, kuratorischen und konservatorischen Aufwand – vielleicht erklärt das, warum sie bislang nur von wenigen gekauft wird.
ZEIT: Sie besitzen Hunderte Werke, darunter Kunst von Marina Abramović, Joseph Beuys oder den Guerrilla Girls. Haben Sie sich beim Anblick Ihrer Sammlung schon einmal gedacht: Was ist denn das schon wieder?
Stoschek: Es gibt viele Arbeiten, die mich verstören, die schwer zu verstehen sind, die einen sehr bewegen und aufwühlen. Und andere, die glücklich machen. Ich sammle nach wie vor sehr intuitiv, mit dem Wunsch, masterpieces zu erwerben.
ZEIT: Was sind denn die Meisterwerke?
Stoschek: Ein außergewöhnliches Kunstwerk hat eine Aura und Ausstrahlung, eine Formensprache, die einen fesselt. Es berührt Menschen ganz unmittelbar in ihrem Menschsein, unabhängig von Wissen oder Erfahrung. Ich glaube an die Kraft der Kunst.
ZEIT: Im Alltag zirkulieren immer mehr Bilder, wir sehen ständig neue Reels auf unseren Smartphones oder Werbespots in U-Bahnen und Bussen. Entwertet diese Bilderflut die Medienkunst?
Stoschek: Nein. Es gibt einen Wunsch nach Rückzug und Besinnung. Das Gleiche gilt übrigens für das Kino. Das wird nicht aussterben.
ZEIT: Haben Sie schon Kontakt zu Hollywood aufgenommen, zur Filmszene?
Stoschek: Ich habe noch keine Einladung zu den Oscars.
ZEIT: Sie sind auch Unternehmerin: Sie sind Gesellschafterin des Automobilzulieferers Brose, gegründet von Ihrem Urgroßvater. Hat das Sammeln einen Einfluss auf Ihre Arbeit als Unternehmerin?
Stoschek: Die Künstler und die Unternehmer sind gar nicht so weit voneinander entfernt. Beide sollten über eine visionäre Vorstellungskraft, einen gewissen Mut, vielleicht auch die Bereitschaft verfügen, gewohnte Pfade zu verlassen.
Z+
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
„No Other Choice“ von Park Chan-wook:
Unter welchem Baum liegt die Leiche?
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
AfD Thüringen:
Höcke, who?
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
„Muppet Show“ bei Disney+:
Kermit versteht die Welt nicht mehr
ZEIT: Ihr Familienunternehmen wurde dafür angegriffen, dass es sich nicht kritisch genug mit der eigenen NS-Geschichte auseinandergesetzt habe. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?
Stoschek: Es liegt an jeder Generation, sich mit diesem Thema neu zu beschäftigen. Brose betreibt ein offenes Archiv, es wird weiter geforscht, und sofern es neue Erkenntnisse gibt, werden sie veröffentlicht.
ZEIT: Was war das letzte Kunstwerk, das Sie überrascht oder berührt hat?
Stoschek: Gestern beim Aufbau der Ausstellung wieder einmal Apex von Arthur Jafa. Dieses monumentale Werk zieht mich jedes Mal in seinen Bann. 841 Bilder, in rasanter Folge zum Techno-Track Minus von Robert Hood geschnitten – Bilder aus Geschichte und Gegenwart, aus der Popkultur, zu Momenten von Gewalt, Widerstand und großer Schönheit, Bilder, die für immer im Kopf bleiben.
Die Ausstellung „What a wonderful World: An Audiovisual Poem“ ist noch bis zum 20. März 2026 in Los Angeles zu sehen.