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Die Spannungen zwischen Iran und USA wachsen. Derweil gießt Teheran Öl ins Feuer. Ein Experte erklärt die Strategie dahinter – und warnt vor den Folgen. Eine Analyse.
Das Timing macht es zusätzlich befremdlich: Am Mittwoch hat das US-Militär eine iranische Drohne abgeschossen – sie hatte sich nach Angaben der USA gefährlich nah in Richtung eines amerikanischen Flugzeugträgers im Arabischen Meer bewegt. Passiert ist das zwei Tage vor geplanten Gesprächen zwischen Iran und den USA.
Die iranischen Revolutionsgarden sind ein Staat im Staat. © Vahid Salemi/dpa
Seit Wochen wachsen die Spannungen zwischen den beiden Ländern, immer wieder wird über einen kurz bevorstehenden Militärschlag der USA auf Iran spekuliert. Die Gespräche, die am Freitag nach einigem Hin und Her nun doch nicht in der Türkei, sondern im Oman stattfinden, sollen eigentlich für Beruhigung sorgen. Vor allem soll es von amerikanischer Seite um das iranische Atomprogramm gehen: Die USA wollen Iran daran hindern, eine Atombombe zu bauen.
Militärschlag gegen Iran? Drohnenflug war Provokation vor Atomgespräch mit USA am Freitag
Wie passt der Drohnenanflug auf einen amerikanischen Flugzeugträger zu dieser brenzligen Lage? „Das iranische Regime will zwei Botschaften senden. Nach innen: ,Wir sind stark‘. Und nach außen: ,Wir können uns auch wehren‘“, erklärt Nahost-Kenner Hans-Jakob Schindler, Direktor beim Counter Extremism Project, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. In der angespannten Situation sei das allerdings ein Spiel mit dem Feuer: „Das hat schon ansatzweise suizidäre Züge. Oder anders: Man muss fragen, ob die noch alle Tassen im Schrank haben“, so Schindler. „Mit einer Drohne so nah ranzufliegen, ist ganz eindeutig eine Provokation.“
Zeitlich nah zum Drohnenflug bedrängten iranische Boote zudem einen US-Tanker in der Straße von Hormus. Auch das ein Signal nach dem Motto: Wir können die weltweite Energieversorgung empfindlich stören. Denn durch die Straße von Hormus wird unter anderem nahezu das gesamte Flüssiggas von Katar sowie ein Großteil der Erdölexporte Saudi-Arabiens transportiert. Die Aktion passe zur allgemeinen Taktik der iranischen Führung, sagt Schindler: „Die spielen ihr übliches Spiel: Verzögern und Drohen.“
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Hauptakteure seien die Pasdaran, also die iranischen Revolutionsgarden. „Die haben exklusiv das Drohnen- und Raketenprogramm des Iran unter ihrer Kontrolle und sind auch für die Sicherung der Straße von Hormus zuständig. Das waren gezielte Provokationen der Revolutionswächter.“ Jetzt sorge die Führung dafür, dass die Verhandlungen am Freitag so kompliziert wie nur möglich abliefen. „Erst ändern sie den Ort von Istanbul in den Oman. Dann schlagen sie ein streng bilaterales Treffen ohne Vermittlung durch die Omanis vor. Und kündigen an, explizit nicht über ihr Raketenprogramm sprechen zu wollen“, erklärt Experte Schindler. „Das Regime ist Meister darin, so zu verhandeln, dass es möglichst nie zum Ergebnis kommt.“
Die Hoffnung des Regimes: Trump verliert irgendwann einfach das Interesse, so Schindler: „Aber vielleicht verliert er auch die Geduld. Dann gibt es einen Militärschlag.“ Die Verzögerungstakitik ziele auch darauf ab, dass Trump nicht ewig Präsident sein wird. „Jeder andere Präsident wird weniger willens sein, eine Militäroperation gegen den Iran zu starten. Die Demokraten ohnehin nicht, und jemand wie JD Vance als Isolationist, der die außenpolitischen Aktionen der USA zurückfahren würde, auch nicht.“ (Quellen: Expertengespräch, eigene Recherchen, dpa)