Zwischen Ausharren und Wohnungssuche
Der Leidensdruck sei gerade sehr hoch, sagt Johanna Wawryniuk, die rund 20 Familien aus dem Viertel betreut. Viele davon würden gerne im Südpark wohnen bleiben. „Ich werde ständig gefragt, wann es Neuigkeiten gibt, ob jetzt das Wasser abgestellt wird“, so Wawryniuk. Die Situation sei auch für die Sozialarbeiterinnen vor Ort schwer zu ertragen, denn man könne nicht viel tun. Wawryniuk betont: „Das einzige, was wir machen können, ist, die Familien bei der Wohnungssuche zu unterstützen.“
Das einzige, was wir machen können, ist, die Familien bei der Wohnungssuche zu unterstützen.
Johanna Wawryniuk
Sozialarbeiterin
Doch das ist gar nicht so einfach, wie am Beispiel der Familie Yusuff deutlich wird. Seit zwei Jahren sucht die junge Mutter eine neue Wohnung. Bisher ohne Erfolg: Die Wohnungen seien bisher zu klein oder auf weniger Personen begrenzt gewesen, erzähl Zainab Yusuff. Außerdem bezieht sie Geld vom Jobcenter. Das sei auch schon ein Ausschlusskriterium für Vermieter gewesen, sagt sie.
Wenn der Nachname über Chancen entscheidet
Um Yusuff bei der Wohnungssuche zu helfen, unterstützt Johanna Wawryniuk bei Anträgen und telefoniert mit Vermietern. Die Sozialarbeiterin erlebt im Gespräch mit Vermietern auch Positives – sagt aber gleichzeitig: „Ich habe schon mehrfach von unterschiedlichen Vermietern aus Halle gehört: ‚Nee, tut mir Leid, wir haben schlechte Erfahrungen mit Ausländern gemacht, das möchten wir nicht‘ und dann wurde aufgelegt.“
Wer bei der Wohnungssuche wegen der ethnischen Herkunft diskriminiert wird, kann laut Bundesgerichtshof zwar Entschädigung verlangen. Doch in der Praxis bedeutet es für Betroffene wie Zainab Yusuff erst einmal eine weitere Hürde. Viele haben nicht die Mittel, Beweise zu sammeln und Klage einzureichen.
Unternehmen wirbt mit freien Wohnungen vor Ort
Wie viele Mieter bereits eine neue Wohnung gefunden haben, ist unklar. Das Wohnungsunternehmen Heimstaden berichtet jedoch von enormem Interesse: Für rund 20 Wohnungen seien schon viele Anfragen eingetroffen, teilte der Makler Anton Gabriel mit. „Wir konnten etwa zehn Familien ein Angebot unterbreiten“, so Gabriel. Heimstaden wirbt aktiv um Mieter der Bevo-Wohnungen. Dem Unternehmen gehören in Halle-Neustadt 550 Wohneinheiten.
Für Zainab Yusuff geht die Suche jedoch vorerst weiter. Eine ausreichend große Wohnung für sie und ihre Kinder war auch im Heimstaden-Portfolio nicht vorhanden.
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