Die Rikkyō-Universität zählt zu den ältesten Universitäten Japans, deren Geschichte bis 1874 zurückgeht, die jedoch ihren Status als Uni 1907 erhielt. Mit über 20.000 eingeschriebenen Studierenden ist sie in etwa so groß wie die Bergische Universität und ihr Campus ähnlich grün, wenn auch vor allem mit historischen Gebäuden und weniger modularen Funktionsbauten geprägt. Deshalb hat es Seungwan besonders das über 100 Jahre alte Rathaus in Barmen angetan: „Die historische Fassade verkörpert für mich die deutsche Architektur. Es ist eines der ersten Gebäude, die ich in Wuppertal besucht habe.“
Der Campus Grifflenberg der Bergischen Universität sticht für ihn vor allem durch seine Menschen hervor: „Die machen die Uni sehr schön.“ Angetan ist er auch von der Organisation am Campus, insbesondere der Sprachprogramme, an denen er teilnimmt. Gewöhnungsbedürftig war für ihn hingegen die deutsche Direktheit: „Deutsche suchen im Gespräch den Blickkontakt und sind sehr offen in dem, was sie sagen. In Japan und Korea ist das ganz anders. Doch ich schätze mittlerweile diese Direktheit, auch wenn sie sich anfangs ein wenig verletzend anfühlte. Doch auch wenn Deutsche am Anfang etwas kühl wirken, sind sie netter als gedacht.“
Unterschiede nicht nur beim Bahnverkehr
Neu für Seungwan ist, dass Geschäfte nicht täglich und rund um die Uhr geöffnet sind und sonntags sogar geschlossen bleiben. Gewöhnungsbedürftig ist für den 23-jährigen Stipendiaten auch der Bahnverkehr in Deutschland: „In Japan fallen die Bahnen nicht aus oder verspäten sich.“ Begeistert ist er von der Schwebebahn und auch von der Wuppertaler Stadtgeschichte: „Ich habe erst kürzlich gelesen, dass Aspirin hier in Wuppertal entwickelt wurde.“ Er hat auch schon seine zwei Lieblingsessen hier gefunden: „Currywurst und Döner.“
Noch bis Juli bleibt er in Deutschland, bevor es zurück nach Japan geht. Bis dahin möchte er noch einige deutsche Städte besuchen: „Ich war bereits in Düsseldorf, Nürnberg und München und will demnächst nach Hamburg und Hannover reisen.“ München hat ihn sprachlich ein wenig überfordert, er genoss es jedoch, Menschen mit „Gruß Gott!“ zu begrüßen.
blickfeld sprach mit Seungwan Woo in der Uni-Kneipe – Foto: blickfeld
Per Instagram in Deutschland eintauchen
Doch auch wenn Seungwan oft unterwegs ist und viele Menschen trifft, fühlt er sich manchmal einsam. Hier helfen ihm seine kirchliche Gemeinde, die er in Wuppertal gefunden hat, und sein Instagram-Account (@dreiwelts), der über 33.000 Follower umfasst. „Mit Instagram möchte ich in die deutsche Community eintauchen, den Austausch fördern und so Deutschland besser kennen- und verstehen lernen. Ich kann die Fragen, die ich habe, meinen Freunden und hier online stellen.“
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Sein großes Ziel ist es, die deutsche Sprache, die er seit zwei Jahren lernt, perfekt zu beherrschen, in Zukunft noch einmal nach Deutschland zu kommen und nach seinem Studium womöglich für ein deutsches Unternehmen – von denen viele auch in Japan sitzen – zu arbeiten. „Deutsch ist für mich die schönste Sprache der Welt“, erklärt er seine Motivation. »mw«