Daniel Thioune (l.) und Albert Riera stehen vor ihren ersten Spielen als Bundesliga-Trainer.

analyse

Stand: 05.02.2026 21:20 Uhr

Daniel Thioune und Albert Riera feiern am Wochenende ihre Premiere als Bundesliga-Trainer. Oft wird fehlende Erfahrung als Gefahr genannt, die Zahlen sagen aber etwas anderes.


Sebastian Hochrainer

Dass Vereine in der Bundesliga während einer Saison zu der Erkenntnis kommen, auf der Trainerbank eine Veränderung vornehmen zu müssen, um die aktuelle Situation zu verbessern, ist längst nichts Neues mehr. Ebenfalls nichts Neues ist es, wenn die Klubs auf Erfahrung setzen, gerade im Abstiegskampf fallen in jedem Jahr die gleichen Namen von möglichen Kandidaten.

Früher waren das Jörg Berger, Hans Meyer, Peter Neururer oder Huub Stevens, sie haben den Begriff der „Feuerwehrmänner“ geprägt. Heute sind es Friedhelm Funkel, Markus Gisdol oder Bruno Labbadia. Solche Trainer werden gerne genommen, weil sie angeblich wissen, worauf es ankommt, wenn die Zukunft eines Vereins in der Bundesliga auf dem Spiel steht. Doch ist das Gefühl, Erfahrung müsse ein elementares Einstellungskriterium sein, gerechtfertigt?

Neulinge Thioune und Riera sind in der Bringschuld

Mit Werder Bremen und Eintracht Frankfurt haben sich jetzt zwei Erstligisten dazu entschlossen, zwei Oberhaus-Novizen zu ihren Trainern zu machen. Daniel Thioune wird nach vielen Jahren in der 2. Liga (zuletzt Fortuna Düsseldorf) seine Premiere feiern, Albert Riera war zuvor nur im Ausland tätig, zuletzt war der Spanier in Slowenien bei NK Celje. Riera soll Frankfurt (spielt am Freitag bei Union Berlin) noch in den Europapokal führen, Thioune Werder (am Samstag beim SC Freiburg) in der Liga halten.

In Bremen waren laut übereinstimmenden Medienberichten zuvor mit Bo Svensson und Bo Henriksen zwei mit dem Bundesliga-Abstiegkampf vertraute Trainer favorisiert worden, am Ende wurde es jemand, der den im Unterhaus erfolgreich bestritten hat. Und sofort startete die Diskussion, ob Werder nicht ein zu hohes Risiko gehe, auf den „unerfahrenen“ Thioune zu setzen. Wenn man sich die Zahlen seit 2020 ansieht, kann man aber auch zu der Erkenntnis gelangen, dass die Entscheidung die größere Erfolgswahrscheinlichkeit hat.

Unerfahrene Trainer sind im Abstiegskampf erfolgreicher

Seit der Saison 2020/21 gab es während einer Saison insgesamt 23 Trainerwechsel bei Klubs, die gegen den Abstieg kämpften. Von den 14 Coaches, die zuvor schon in der Bundesliga auf der Bank gesessen hatten, schafften nur fünf noch den Klassenerhalt, neun stiegen ab oder mussten auf einem Abstiegsplatz wieder gehen. Während von den neun Novizen sechs die Rettung packten und nur drei nicht. Die Erfolgsquote im Abstiegskampf ist also deutlich höher.

Nimmt man alle Ziele der Klubs, haben seit 2020 elf erfahrene Trainer diese erreicht und zehn nicht, bei den Unerfahrenen haben lediglich vier Coaches die Vorgaben nicht erfüllen können, acht waren dagegen erfolgreich. Auch der Punkteschnitt ist sogar unter allen Trainerwechseln bei denen ohne jedes vorherige Bundesligaspiel mit 1,32 besser als der bei den Erfahrenen, die 1,30 Punkte von der Saison 2020/21 bis einschließlich 2024/25 geholt haben.

Vier Wechsel während dieser Saison – mit positiven Folgen

In dieser Spielzeit hatte es vor Bremen und Frankfurt vier Klubs gegeben, die bereits die Reißleine gezogen haben – und in den Fällen gab es jeweils positive Effekte, ob Erfahrung oder nicht. Eugen Polanski hat Borussia Mönchengladbach erstmal aus der größten Abstiegsnot herausgeholt, wobei die Gefahr als aktuell Zwölfter und fünf Punkten aus den vergangenen sieben Spielen längst nicht gebannt ist. Das gilt aber auch bei Urs Fischer, der Mainz 05 immerhin bereits von Platz 18 auf 16 geführt hat.

Weiter oben in der Tabelle ist es Kasper Hjulmand (früher in Mainz) gelungen, Bayer Leverkusen wieder in die Bahn zu bringen, zwei Punkte holte der Nachfolger von Erik ten Hag bisher im Schnitt. Die größten Abstriche gibt es vermutlich bei Daniel Bauer, der beim VfL Wolfsburg in zehn Partien 1,1 Zähler pro Partie zubuche stehen hat und gerade in die Kritik gerät – auch er hatte bereits Bundesliga-Erfahrung.

Die kann ein Argument dafür sein, einen Trainer zu holen, schädlich ist sie sicher nicht. Der Gegenschluss, der häufig kommt, dass keine Erfahrung schädlich sei, ist allerdings zumindest laut der Zahlen falsch. Gerade wenn Coaches eine Mannschaft während der Saison übernehmen müssen, kann das Unvorbelastete, die Lust auf das Neue und die Motivation, sich in der Bundesliga als Novize zu beweisen, mindestens genauso viel bewirken. Oder aber wie seit 2020 sogar noch mehr als Erfahrung.