Kiel. Drei abgeschlossene Praktika, eine 40-Stunden-Woche neben dem Studium und das alles schlecht bezahlt: Jana-Sophie Zeise (23) aus Kiel hat ein Ziel vor Augen und dafür jetzt ihr viertes Praktikum begonnen. Privat hat sich die Studentin schon immer für Sport interessiert, weshalb sie gerne in der Branche arbeiten will.

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Schon während ihres Studiums „Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW) Kiel machte sie verschiedene Praktika. „Das Studium hat keinen speziellen Sportbezug. Da ich aber schnell wusste, dass ich in der Sportkommunikation arbeiten möchte, eigne ich mir mein Wissen jetzt durch Praktika an“, erzählt die gebürtige Ostholsteinerin.

Mangelnde Berufserfahrung und fehlendes Geld

Damit spricht Zeise auch schon ein Problem an: Trotz eines abgeschlossenen Studiums ist es oft schwierig, im Berufsleben Fuß zu fassen. „Ich mache die Praktika auch für meinen Lebenslauf, um eben diese geforderte Erfahrung nachweisen zu können“, sagt Zeise. „Ich habe dann sogar neben dem einen Praktikum noch meinen Nebenjob behalten, weil das Geld sonst nicht gereicht hätte.“ Teilweise habe sie nur eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 200 Euro bekommen. „Wie soll man damit sein Leben finanzieren?“

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Praktika erhöhen Chancen, sind aber nicht zwingend erforderlich, wenn andere Qualitäten erkennbar sind.

Kim Jana Boldt

Unternehmensverband Kiel

Bereits zur Corona-Pandemie hat sich laut eines Online-Berichts der Bundesagentur für Arbeit aus dem August 2025 die Zahl der arbeitslosen Akademiker stark erhöht. 2023 und 2024 nahm die Zahl aufgrund von Konjunkturschwächungen weiterhin zu. So seien 2024 durchschnittlich 290.000 Menschen mit akademischem Abschluss arbeitslos gewesen – so viele wie in den vergangenen zehn Jahren nicht.

Berufsberatung an der HAW Kiel und der CAU Kiel

Marc Denk arbeitet in der Hochschulberatung der Agentur für Arbeit in Kiel. Regelmäßig bietet er an der HAW Kiel und der Christian-Albrechts-Universität Sprechstunden für Studierende an. Auch ihm begegne das Problem immer wieder. „Wir empfehlen dann immer den direkten Kontakt mit dem potenziellen Arbeitgeber“, sagt er. Damit meint Denk, dass Absolventen bei den Arbeitgebern anrufen sollen, wenn alle Voraussetzungen bis auf die Berufserfahrung erfüllt sind.

„Gerade bei diesen Anrufen habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass die Arbeitgeber Verständnis hatten und einem dann doch die Chance geben, sich zu beweisen“, sagt Denk. Gleichzeitig betont er aber auch die Wichtigkeit von Praktika. „Die ersetzen einfach die Berufserfahrung“, sagt er. „Schwierig wird es, wenn sie schlecht bezahlt werden.“

Arbeitgeber fordern Berufserfahrung

Der Unternehmensverband Kiel erklärt, dass Arbeitgeber oft Berufserfahrung fordern, weil sie praktische Einsetzbarkeit signalisiert. „Dadurch reduziert sich in der Regel der Einarbeitungsaufwand“, sagt Kim Jana Boldt vom Unternehmensverband Kiel. Gleichzeitig würden Arbeitgeber sicherstellen wollen, dass Bewerber die nötige Professionalität und Belastbarkeit mitbringen.

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Doch gibt es Chancen auf ein Vorstellungsgespräch auch ohne Berufserfahrung? „Ja, wenn Bewerber andere starke Signale liefern, wie zum Beispiel studentische Projekte, Ehrenamt, Werkstudententätigkeit oder anderes Engagement“, sagt Boldt. Entscheidend sei die Einstellung – Engagement, Neugierde und Teamfähigkeit können laut Boldt fehlende Berufserfahrung zum Teil ausgleichen.

So empfiehlt der Unternehmensverband Kiel genauso wie die Agentur für Arbeit, sich auch ohne Praktika zu bewerben. „Praktika erhöhen Chancen, sind aber nicht zwingend erforderlich, wenn andere Qualitäten erkennbar sind“, sagt Boldt. Außerdem appelliert sie, in der Bewerbung klar und ehrlich zu kommunizieren, welche Kenntnisse oder Erfahrungen fehlen. Gleichzeitig sollten die Motivation und Lernbereitschaft hervorgehoben werden.

KN