Stacheldraht säumt die Mauern in einem Gefängnis, der Blick geht an den Mauern entlang in den Himmel.

AUDIO: Nachrichten 07:00 Uhr – 06.02.2026 (4 Min)

Stand: 06.02.2026 07:09 Uhr

Drogen werden über Gefängnismauern geworfen oder in flüssiger Form auf die Post für die Inhaftierten geträufelt. Es gibt immer neue Tricks, um Drogen in die Gefängnisse in SH zu schmuggeln. Moderne Technik hilft, diesen Schmuggel aufzuspüren.

von Jennifer Bruhn

Gefängnisinsassen und deren Kontakte lassen sich immer neue Methoden einfallen, um Drogen hinter die Mauern der Justizvollzugsanstalten (JVA) zu bringen. Kaum ist ein Schmuggelweg unterbunden, wird schon bald der nächste gefunden und im besten Fall aufgedeckt. Eine Variante ist laut Simone Königs, der JVA-Leiterin in Kiel, ein mit Drogen beträufelter Brief an den Häftling oder Drogen in Pulverform, die zum Beispiel unter einer Verzierung auf der Post versteckt werden. Auf den ersten Blick wirke der Brief wie jeder andere, so Königs. Manchmal fühle sich das Papier aber anders an.

Die Gefangenen haben Zeit und können sich da neue Dinge überlegen. Und wir müssen dann wieder reagieren.

Simone Königs, Leiterin der JVA Kiel

Durchsuchungen: „Irgendetwas findet man eigentlich immer“

Mit einer Pipette wird eine Flüssigkeit auf Papier geträufelt.

Mit einer Pipette wird eine Flüssigkeit auf Papier geträufelt – so gelangen Drogen an Häftlinge.

Der Alltag im Vollzug bedeutet auch ständige Kontrolle. Die Mitarbeiter der JVA in Kiel unterscheiden zwischen sogenannten Haftraumkontrollen und aufwendigeren Haftraumrevisionen. Haftraumkontrollen finden routinemäßig statt, bei Haftraumrevisionen ist bereits bekannt, dass etwas versteckt wurde. Jedes Kleidungsstück, jedes Elektrogerät und jeder persönliche Gegenstand wird dann geprüft, so JVA-Mitarbeiter Heiko B. „Langweilig wird es nicht. Selbst nach zehn Jahren. Man findet immer irgendetwas, was man vorher noch nie hatte.“

Drogen werden mit neuester Technik erkannt

Porträt von Simone Königs, Leiterin der JVA Kiel.

Leiterin Simone Königs bestätigt, dass in der JVA Kiel neue Methoden bei der Drogensuche eingesetzt werden.

Gefängnisse setzen zunehmend Technik gegen Drogenschmuggel ein. In Schleswig-Holstein nutzen die JVA-Mitarbeiter sogenannte Ionenscanner, um Briefe und Gegenstände auf Drogenspuren zu überprüfen. Laut Königs sind neue synthetische Drogen besonders problematisch, da diese chemisch ständig verändert werden. Sie würden gezielt so zusammengesetzt, dass sie bestehende gesetzliche Regelungen umgingen oder mit herkömmlichen Tests schwer nachweisbar seien, sagt sie.

GdP fordert mehr Geräte und Spürhunde

Justizministerin Kerstin von der Decken (CDU) betont, dass die Technik kontinuierlich modernisiert werde. Seit 2022 laufe das Pilotprojekt mit Ionenscannern, das inzwischen ausgeweitet wurde. Die Zahl synthetischer Drogen im Vollzug steige, so von der Decken. Aktuell gebe es drei Ionenscanner im Land in den großen Anstalten in Lübeck, Kiel und Neumünster. Bianca Soehner von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert deshalb unter anderem flächendeckend Geräte und zusätzliche Diensthunde.

Ein weißes Schild auf dem steht: Justizvollzugsanstalt

In einem Podcast erzählen Gefangene, wie es ihnen in der Justizvollzugsanstalt geht und geben Einblicke in den Knastalltag.

Die Mauern der JVA Lübeck sind mit Stacheldrahtzäunen bedeckt.

Wer im Gefängnis sitzt, steht oft auch am Rande der Gesellschaft. Ein Verein in Lübeck bietet hier besondere Hilfe an.