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Die Abnehmer für russisches Öl werden weniger. Neue Berechnungen zeigen, dass Russlands Wirtschaft einbricht. Es droht ein Defizit im Haushalt.

Moskau – Nach Jahren des Kriegs in der Ukraine zeigt der Druck auf Russlands Öl-Wirtschaft scheinbar Wirkung. Wie Reuters berichtete, könnte das Minus im russischen Staatshaushalt in diesem Jahr um das Dreifache höher ausfallen als ursprünglich gedacht. Damit verdichten sich die Hinweise darauf, dass die russische Wirtschaft deutlich unter den Kriegssanktionen leidet. Reuters bezieht sich dabei auf Berechnungen eines wirtschaftlichen Forschungszentrums mit Verbindungen zur russischen Regierung. Der Grund für diese große Lücke in Wladimir Putins Staatshaushalt sind die reduzierten und rabattierten Ölexporte sowie die steigenden Kriegskosten.

Ein manövrierunfähiger Öltanker der russischen Schattenflotte in SassnitzRussland exportiert mit seiner Schattenflotte Öl ins Ausland © picture alliance/Stefan Sauer

Laut den Berechnungen des Forschungszentrums könnten Russlands Energieeinnahmen deswegen um 18 Prozent niedriger ausfallen als geplant. „Dies würde das Defizit auf 3,5 bis 4,4 Prozent des BIP erhöhen“, zitiert Reuters das Forschungszentrum. Ursprünglich habe die Regierung lediglich mit einem Defizit von 1,6 Prozent gerechnet. Insgesamt würde das die geplanten Haushaltseinnahmen um 6 Prozent auf 37,9 Billionen Rubel (417 Milliarden Euro) senken. Die Ausgaben würden unterdessen höher ausfallen als geplant, laut den Forschenden um 4,1 bis 8,4 Prozent.

Putins Wirtschaft bricht ein: Grund sind sinkende Ölexporte nach Indien

Hintergrund sind unter anderem die erodierenden Handelsbeziehungen zwischen Russland und Indien. Bisher war das Land einer von Putins letzten großen Ölabnehmern. Inzwischen gerät die indische Regierung aber zunehmend wegen ihrer Importe der russischen Öl- und Raffinerieprodukte unter Druck von Donald Trump. Bereits im Oktober 2025 hatte Trump verkündet, Indiens Premier Narendra Modi habe ihm weniger russische Ölimporte zugesagt. Nun verkündeten beide Seiten laut Tagesschau am Montag (2. Februar), dass sie ein Handelsabkommen beschlossen haben. Trump verkündete erneut, dass Indien in Zukunft kein Öl mehr von Putin kaufen würde.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite RusslandsRusslands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger StaatenFotostrecke ansehen

Tatsächlich sind Indiens Ölimporte zuletzt deutlich zurückgegangen. Die russischen Ölkonzerne haben deswegen begonnen, Indien große Rabatte auf ihre Produkte anzubieten. Als nahezu einziger anderer Käufer bleibt den russischen Ölkonzernen jetzt noch China – aber auch dieser Staat verlangt als fast einziger verbleibender großer Käufer einen deutlich vergünstigten Kaufpreis. Diese Rabatte senken die russischen Staatseinnahmen, da mit dem Kaufpreis auch die erhobene Steuer sinkt. Zusätzlich behindern die ukrainischen Angriffe auf die russische Schattenflotte die Ölexporte. Darüber berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Reuters nennt außerdem die Sanktionen, hohe Zinssätze und einen Mangel an Arbeitskräften als Faktoren für den Rückgang der russischen Wirtschaft. Die Stärkung des Rubels im vergangenen Jahr belaste ebenfalls die Einnahmen, da die Ölsteuern in Dollar berechnet, aber in Rubel bezahlt werden.

Putins Haushaltsloch stopfen: Steuern erhöhen, Ersparnisse aufbrauchen oder Kriegsausgaben senken?

Um die Lücke im Haushalt zu füllen, könnte Russland entweder auf seine Reserven zurückgreifen, die Einnahmen durch Steuern erhöhen oder die Ausgaben senken. Derzeit verfügt die russische Regierung laut dem Reuters-Bericht über fiskalische Reserven in Höhe von 4,1 Billionen Rubel (etwa 53,82 Milliarden US-Dollar). Analysten von Alfa Investment und der VTB-Bank warnen laut der Nachrichtenagentur jedoch, dass diese Reserven bei der aktuellen Geschwindigkeit des Einnahmenrückgangs innerhalb eines Jahres aufgebraucht sein könnten. Ein Insider aus Regierungskreisen sagte gegenüber Reuters, dass die Pläne des Kremls zur Kürzung der Militärausgaben „unrealistisch“ seien. (Quellen: Reuters, Tagesschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung) (cdz)