Börsenhändler an der Frankfurter Börse.

marktbericht

Stand: 06.02.2026 08:14 Uhr

Die Talfahrt am Aktienmarkt dürfte weitergehen. Anleger sind vor allem besorgt über die hohen Investitionen von Unternehmen in KI, nachdem auch Amazon höhere Ausgaben angekündigt hat.

Der deutsche Aktienmarkt wird wohl vor dem Wochenende einen weiteren Rückschlag verkraften müssen. Im nachbörslichen Kursrutsch der Amazon-Aktie zeigt sich, wie groß und hartnäckig die KI-Sorgen der Anleger sind. Auch der Kursrutsch des Bitcoin zeitweise unter 60.000 US-Dollar macht Anlegern Sorgen. Schon am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex DAX 0,5 Prozent auf 24.491 Punkte verloren.

Für fallende Kurse hierzulande sorgte das Ausbleiben von Hinweisen auf den weiteren geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB). Der EZB-Rat um Christine Lagarde beließ den Einlagensatz gestern ‌bei 2,0 Prozent. Experten erwarten vorerst keine Zinsschritte, zumal die Inflationsgefahr als weitgehend gebannt gilt.

Auch die US-Börsen beendeten den Handel mit roten Vorzeichen. Der Dow-Jones-Index der ‌Standardwerte verlor 1,2 Prozent auf 48.908 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab 1,2 Prozent auf 6.798 Zähler nach, und der technologielastige Nasdaq fiel um 1,6 Prozent auf 22.540 Stellen.

Diese Woche war und ist eine besonders ruppige Woche für Tech-Werte. Erst wurden Alphabet und AMD an Börse abgestraft, jetzt Amazon. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen war die Aktie des US-Onlineriesen im nachbörslichen Handel in New York um zeitweise 11 Prozent eingebrochen. Der Grund: höhere Investitionen in neue Rechenzentren und die Entwicklung von KI-Chips als erwartet. Analysten monieren, dass im Verhältnis Gewinn und Umsatz nicht stark genug mitsteigen. Anleger sind geschockt und fragen sich, wann diese Milliarden-Investitionen zurückverdient werden.

Die Google-Mutter Alphabet war erst am Donnerstag an der Börse abgestraft worden – Alphabet hatte ebenfalls überraschend hohe KI-Investitionen angekündigt. Investoren fragen immer lauter: Wann werden diese Investitionen zurückverdient? Eine Frage auch in Asien. Im Handel dort sind KI- und Tech-Aktien heute einmal mehr abverkauft worden. Die Sorgen aus den USA trieben Anleger von Tokyo bis Shanghai um.

Insgesamt werden weltweit Vermögenswerte, die in den vergangenen Monaten gut gelaufen sind, zunehmend hinterfragt: KI-Aktien, Kryptowährungen, Edelmetalle. Immerhin hat sich der Bitcoin nach einem Kursrutsch unter 60.000 US-Dollar wieder stabilisiert, auch Gold wird etwas teurer, kostet aber deutlich weniger als 5.000 US-Dollar pro Feinunze.

„Die Zinsangst schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Anleger, während Sorgen über Liquiditätsknappheit, institutionelle Kapitalabflüsse und eine ausgeprägte Risikoaversion den Markt belasten“, sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. Insbesondere über das Wochenende sollten sich Investoren auf weitere Unwägbarkeiten einstellen. Von einer gewöhnlichen Korrekturbewegung könne nicht mehr die Rede sein.

„Die Kombination aus Ausmaß, Geschwindigkeit und Marktdynamik hat bereits zu spürbaren Verwerfungen geführt. Die jüngste Verkaufsdynamik birgt das Risiko, dass sich die entstandenen Marktverwerfungen nicht nur auf den Kryptosektor beschränken, sondern auch Ansteckungseffekte auf die globalen Finanzmärkte haben und Flurschäden hinterlassen könnten.“ Trotz temporärer Erholungsversuche sollten sich Anleger weiterhin auf Abwärtsrisiken einstellen, so Emden.