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Hamburg – Es sollte ein Vorzeigeprojekt für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sein. Jetzt wird es zum nächsten Verkehrs-Flop in Hamburg. Nur wenige Wochen nach dem mehrere zehntausend Euro teuren Umbau wird die neue „Protected Bikelane“ in der Hansestadt wieder abgerissen. Der banale Grund: der plötzlich hereingebrochene Winter!
Die erst im Dezember rund 1,7 Kilometer lange fertiggestellte Radspur hat dem ersten echten Frost und Schnee nicht standgehalten. Heute beginnen die Arbeiten zum Rückbau. BILD dokumentiert einen Fall, in dem ein gut gemeintes Projekt krachend scheitert.
Beton-Teile werden zur Gefahr
Wie viel der Radweg in Hamburg den Steuerzahler gekostet hat, wollen die Verantwortlichen nicht veröffentlichen. Bei einem vergleichbaren Projekt in Berlin-Neukölln waren für 580 Meter rund 170.000 Euro fällig.
Auf den Wegen sollen die sogenannten Protektionselemente – 16 Zentimeter hohe Betonsteine – die Verkehrsteilnehmer auf den Fahrrädern vor den Autos schützen. Jetzt liegen diese Schutz-Teile in der Hansestadt kreuz und quer auf dem verschneiten Radweg in der Berner Straße. Eine echte Gefahrenstrecke!

Die 16 Zentimeter hohen Trennelemente sollen eigentlich für mehr Sicherheit sorgen
Foto: Thomas Knoop
Schneepflüge reißen die nur schlecht zu sehenden Protektoren weg. Autofahrer fahren dagegen, Radfahrer müssen den Hindernissen ausweichen, ihnen drohen Stürze mit schlimmen Verletzungen. Statt Schutz gibt’s Chaos.
„Diese Protektionselemente haben sich ganz offensichtlich nicht bewährt. Statt Radfahrende zu schützen, wurden sie zur Gefahr für Autofahrer und Radfahrer gleichermaßen“, so der Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter (50, SPD). Weiter teilt er mit: „Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer zählte vergangene Woche 120 (!) beschädigte Protektionselemente, elf Elemente hatten sich sogar gelöst und waren nicht mehr am vorgesehenen Platz.“
„Nicht erwartbare Schäden“
Die Verkehrsbehörde räumt Probleme ein – spricht aber von unglücklichen Umständen. Behördensprecher Henrik Horndahl zu BILD: „Die Witterungsbedingungen und Anfahrvorgänge haben so zu nicht erwartbaren Schäden geführt. Die Befestigung kann derzeit wegen des anhaltenden Frosts nicht direkt wiederhergestellt werden.“

Durch den Schneematsch sind die Protektionselemente für Autofahrer und Räumfahrzeuge schlecht zu erkennen
Foto: Thomas Knoop
Horndahl bestätigt BILD den Rückbau: „Um die Verkehrssicherheit nicht zu gefährden und diesen Fall eingehend zu prüfen, werden die Protektionselemente zunächst entfernt.“ Laut Behörde wurde die „Protected Bikelane“ sorgfältig geplant. Die Ausgestaltung sei vorab mit Polizei, Feuerwehr und der Behörde für Inneres und Sport (BIS) abgestimmt worden.
Grundidee gut – Umsetzung mangelhaft?
Die Verkehrsbehörde hält trotzdem am Konzept fest. Die bauliche Trennung von Rad- und Fahrstreifen sei sinnvoll, weil Autofahrer in Rechtskurven häufig auf Radwege geraten. In Hamburg gebe es viele Beispiele, etwa an der Esplanade, der Königstraße oder der Stormarner Straße. Die Erfahrungen dort seien überwiegend gut.
Doch der Fall Berner Straße zeigt: Winterfest sieht anders aus. Jetzt soll alles geprüft und analysiert werden. Das Ziel der Behörde: „Maximale Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer.“ Bis dahin bleibt es auf der Berner Straße vor allem: rutschig, gefährlich und peinlich.

Nach dem Crash mit den Betonsteinen: Ein Mercedes-Autofahrer hat einen Platten. Bei anderen Fahrzeugen sollen auch Ölwannen aufgerissen worden sein
Foto: Thomas Knoop