Die norwegische Polizeieinheit für Wirtschaftskriminalität (Oekokrim) hat Ermittlungen gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden des Nobelkomitees, Thorbjoern Jagland, eingeleitet. Wie die Behörde am späten Donnerstagabend mitteilte, besteht der Verdacht auf schwere Korruption im Zusammenhang mit dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. „Wir sind der Ansicht, dass hinreichende Gründe für eine Untersuchung vorliegen, da er in dem von den veröffentlichten Dokumenten abgedeckten Zeitraum den Vorsitz des Nobelkomitees und das Amt des Generalsekretärs des Europarates innehatte“, teilte Oekokrim-Direktor Paal Loeseth mit. Grundlage für den Schritt seien Informationen aus neu veröffentlichten Akten zu dem Fall.

Gegen Jagland wurde bislang keine Anklage erhoben. Die Ermittler prüfen unter anderem, ob er in seiner Funktion Geschenke, Reisen oder Kredite angenommen hat. Um die Untersuchungen zu ermöglichen, beantragte die Polizei die Aufhebung von Jaglands Immunität, die er als ehemaliger Leiter einer internationalen Organisation genießt. Außenminister Espen Barth Eide kündigte an, diesem Wunsch zu entsprechen. Es sei wichtig, dass die Fakten in diesem Fall ans Licht kämen, erklärte er. Norwegen werde dem Ministerkomitee des Europarates vorschlagen, die Immunität aufzuheben.

Ein Anwalt Jaglands begrüßte die Ermittlungen. Sein Mandant werde vollumfänglich kooperieren. „Auf der Grundlage dessen, was wir bisher herausgefunden haben, sind wir zuversichtlich, was das Ergebnis angeht“, erklärte Jurist Anders Brosveet. Ein Sprecher des norwegischen Nobelkomitees lehnte eine Stellungnahme ab, betonte aber ebenfalls das Interesse an einer Aufklärung. Jagland ist nicht der einzige Prominente in Norwegen, dessen Verbindungen zu Epstein erneut geprüft werden. Auch Kronprinzessin Mette-Marit steht deswegen in der Kritik. Sie hatte eingeräumt, den Kontakt zu Epstein auch nach dessen Verurteilung gehalten zu haben, was sie als Fehleinschätzung bezeichnete.

Die USA haben ihre humanitäre Hilfe für Kuba aufgestockt und zugleich den Druck auf Öllieferanten erhöht. Das Außenministerium in Washington kündigte am Donnerstag (Ortszeit) weitere sechs Millionen Dollar Unterstützung für den Karibikstaat an. Der US-Beauftragte für die Hilfsgüter, Jeremy Lewin, sagte auf einer Pressekonferenz, dass sich die Hilfe der USA damit für die kubanische Bevölkerung seit dem Hurrikan Melissa im Oktober auf insgesamt neun Millionen Dollar belaufen würde. Die Güter sollen über die katholische Kirche verteilt werden.

Der stellvertretende kubanische Außenminister Carlos Fernandez de
Cossio bezeichnete diesen Schritt als doppelzüngig. „Es ist ziemlich heuchlerisch, drakonische Zwangsmaßnahmen anzuwenden, die Millionen Menschen grundlegende wirtschaftliche Bedingungen entziehen, und dann Suppe und Konserven für einige wenige anzukündigen“, sagte de Cossio in den sozialen Medien. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, dass Kuba nach der Festnahme des venezolanischen
Staatschefs Nicolás Maduro im vergangenen Monat kein Öl mehr aus Venezuela erhalten wird, und gedroht, anderen Lieferanten wie Mexiko Zölle aufzuerlegen, wenn sie weiterhin Treibstoff auf die Insel liefern. UN-Generalsekretär António Guterres warnte in dieser Woche vor einem humanitären „Zusammenbruch“ auf der Insel, die zwei Drittel ihres Energiebedarfs durch Importe deckt.